Kampf der Hitze

Ob intensive Trainingslager der Bundesligisten oder entspannte Sommerturniere für die Hobbytruppen – der heiße Sommer, seine hohen Temperaturen und Ozonwerte, egal ob auf den Laufwegen oder in der Halle, strapazieren unseren Körper bei sportlicher Belastung besonders. Hierzu veröffentlichte der Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V. einen Ratgeber zu Risiken von „Sport bei Ozonbelastung und Hitze“. Das UnihockeyMag gönnt hiermit seinen Lesern einen nüchternen Überblick über das Verhalten unserer Organismen im hitzigen Klima und sammelt Ratschläge, um sportliche Aktivitäten im Sommer nicht meiden zu müssen.

Der Körper antwortet
Die ureigene Reaktion unseres Körpers auf Hitze ist die Transpiration, also das Schwitzen. Dadurch versucht der Organismus seinen Wärmehaushalt zu regulieren und über die Hautporen überschüssige Wärme „abzudamfen“. Ist dies aus gesundheitlichen, klimatischen oder anderen Gründen nicht möglich, tritt eine Wärmestauung ein. Beispielsweise bei feucht-warmer Witterung oder erhöhter Luftfeuchtigkeit kann jene Wärmeregulierung erschwert werden. Auch zu enge, zu warme oder zu wenig luftdurchlässige Kleidung verschlimmert die Wärmestauung, ebenso wie fehlende Luftzirkulation (bsp. Über Ventilatoren).

Folglich sind Kreislaufprobleme, Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung, Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen Symptome des sog. „Hochsommersyndroms“ und treten dann auf, wenn nicht genügend getrunken wird und durch starkes Schwitzen mehr Flüssigkeit und Mineralstoffe verloren gehen als durch die Trinkmenge und Nahrungsaufnahme ersetzt wird. Selbst die Flüssigkeitsmenge, welche wir mit jedem Atemzug ausatmen, ist nicht zu unterschätzen. Jene mangelnde „Thermoregulation“ oder akute/chronische schweißbedingte Defizite im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt, selten auch vasomotorische Funtionsstörungen (z.B. bei längerem Stehen) können zu sog. „Hitzeerkrankungen“ (Sonnenstich und Hitzeschlag, Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung, Hitzekollaps) führen. Dabei spielen neben den äußeren klimatischen Bedingungen genetische Dispositionen, sowie Alter, Geschlecht und Körperkonstitution eine Rolle.

Bewältigung von Hitze
Grundsätzlich gelten zunächst die alten Weisheiten, welche vor direkter Sonneneinstrahlung und scheinbar harmlosen Freizeitaktivitäten (Schwimmbad, Fahrradtour etc.) warnen. Aktiv hilft das Hochlegen von Beinen, eventuell Fußbäder oder das kühle Abduschen von Gliedmaßen „von unten nach oben“. Es sollte luftige und genügend weite Kleidung mit möglichst geringem Kunstfaseranteil getragen werden. Vorzugsweise fördert ein heller Stoff die Wärmeabstrahlung und die Schweißverdunstung. Gerade an heißen Tagen schützen Strümpfe davor, dass das Blut nicht „in den Beinen versackt“, was zu zusätzlichen Kreislaufproblemen führen kann.

Trinken wir wenig, um nicht zu viel zu schwitzen, nehmen wir dem Körper die Möglichkeit der Wärmeregulierung. Mineralwasser, kühler Tee, wenig gesüßte Obstsäfte (bsp. zur Schorle verdünnt) kommen gelegen. Alkohol erschwert hingegen die Kreilaufregulation. Bekanntlich sollte die übliche tägliche Trinkmenge mindestens 2 Liter betragen (falls etwa Herz- oder Nierenkrankheiten nicht dagegen sprechen). Bei grundlegenden Anstrengungen sollte dieser Wert um 1 Liter erhöht werden. Im Extremfall kann ein Tagesbedarf sogar aus 9 bis 15 Litern bestehen. Werden mehr als 4 Liter pro Tag getrunken, muss auch die Kochsalzaufnahme erhöht werden. Dies kann entweder über einzelne stärker gesalzene Speisen erfolgen oder indem den Getränken einfach etwas Kochsalz zugegeben wird. Der Richtwert pro Liter Wasser beläuft sich generell auf . Teelöffel Salz. Im Falle von Essen ist leichte, gut verdauliche Kost mit wenig Eiweiß und vor allem wenig Fett, also auch wenig Fleisch zu bevorzugen. Milchspeisen, Kaltschalen, Obst und Salate bieten sich an. Auch die Kalorienzufuhr sollte der körperlichen Aktivität angepasst und nicht übertrieben werden.

Hitze und Sport
Gerade Sportler und Aktive sollten zur Prophylaxe vor Hitzeerkrankungen besondere Maßnahmen wahrnehmen. Zu einer ausreichenden Hitzeakklimatisation (Eingewöhnungsphase) gehört eine ausgeglichene Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz im Training und Wettkampf zur Erhaltung einer voll funktionstüchtigen Schweißaussonderung. Der Durst ist hierbei kein verlässlicher Marker. „Kasten 1“ fasst die wichtigsten Pflichten zusammen.

Im Falle eines Falles
Ist eine Hitzeerkrankung bereits eingetreten sind die Maßnahmen zu ihrer Behandlung nach Art und Ausmaß unterschiedlich. Die allgemeinen und speziellen Empfehlungen sind in „Kasten 2“ zusammengefasst. (jk)

Hitzeakklimatisation
– Zeitdauer mindestens 1 Woche
-Während der Akklimatisationsperiode vermehrte Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution und Steigerung der regulären Kochsalzzufuhr von 5 – 8 auf 10 – 25 g/Tag (Achtung: Erhöhte Salzzufuhr fördert u.U. den Bluthochdruck)

Flüssigkeits-/Elektrolytsunstitution im Training/Wettkampf
– Abschätzung des individuellen Schweißverlustes/Stunde (Gewichtsbestimmung vor und nach einem „Stundenlauf“) und darauf ausgerichtete programmierte Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution im Training
– Ausgeglichener Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt am Tag des Wettkampfes
– Akute Flüssigkeitszufuhr von 500 – 750 ml eines gewohnten Elektrolytgetränkes in den letzten 30 Minuten vor dem Wettkampfbeginn
– Bei einer Belastungsdauer > 45 min kleine Trinkmenge (150 – 200 ml) in kurzen Zeitintervallen (10 – 15 min) zuführen
– Bei einer Belastungsdauer > 4 Stunden ergänzende orale Kochsalzsubstitution von mindestens 1 g/Stunde (z.B. 1g/l Flüssigkeit)
– Langsam trinken, keine eiskalten Getränke (Temp. 12 – 20 °C)

Sonnenstich
– Sofortige Beendigung der Sonnenexposition und Ruhe an einem schattigen Ort meist ausreichend

Hitzekrämpfe/Hitzeerschöpfung
– Flachlagerung in kühler Umgebung
– Isotonische Kochsalzlösung in häufigen kleinen Portionen per os
– Gegebenenfalls natriumchloridreiche intravenöse Infusionslösung (bis zu 4 l/Tag)
– Bei Hitzekrämpfen mit persistierenden Muskelspasmen im Notfall langsame intravenöse Infusion einer hypertonen Kochsalzlösung

Hitzschlag
– Flachlagerung in kühler Umgebung
– Dosierter Wärmeentzug bis > 38 °C
– Mit Wasser besprengen
– Einwickeln in feuchte Tücher
– Gegebenenfalls Plasmaexpander intravenöse infundieren
– Ständige Kontrolle der Körperkerntemperatur und der Vitalfunktionen
– Bei ersten Anzeichen für Kreislaufinstabilität Krankenhauseinweisung mit ärztlicher Begleitung

Hitzekollaps
– Flachlagerung und Anheben der Beine in Taschenmesserposition in kühler schattiger Umgebung
– Selten Verabreichung von Vasokonstriktoren erforderlich.