Aktive Kindheit

Nicht jedes Kind hat die Chance sich so zu entfalten, wie es gerne möchte. Die Angebote in der Umgebung sowie im eigenen Heim lassen dabei mehr oder weniger zu wünschen übrig. Die Schule dient als Treffpunkt gleicher Interessen und soll die Grundlage einer soliden Bildung darstellen. Doch wie soll sich ein Kind entfalten, wenn es nicht einmal im Sportunterricht die Chance erhält, sich ausreichend zu bewegen?

Die Klassenstärken steigen, der Lehrplan wird erweitert und die Unterrichtszeiten sind viel zu kurz um Übungen ausreichend zu erlernen. Bereits im ersten Lebensjahr entdecken Kinder neue Möglichkeiten, sich zu bewegen. Über ihre Umwelt versuchen sie zu kommunizieren und lernen sehr schnell sich fortan zu bewegen. Schon im frühen Kindesalter sollte darauf geachtet werden, dass Kinder genügend Freiraum erhalten, um sich zu entfalten. Bewegen bedeutet im Kleinkindalter sich spielerisch zu betätigen, was auch als zentrales Mittel zur Förderung der Entwicklung genutzt wird. Über einfache, klare und abwechslungsreiche Spiele soll das Kind bereits im Vorschulalter in unterschiedlichsten Bewegungen geschult und gefördert werden. Es entwickelt dabei ein gesundes Selbstbewusstsein und lernt schnell durch Vorbilder.

Das Vereinsangebot sollte dementsprechend angepasst werden und eine Vielfalt an Bewegungsformen über ein Grundlagentraining mit spielen, singen und tanzen angeboten werden. Die Aufgabe der Übungsleiter im Verein besteht darin, Kinder zu motivieren sich auf einfachste Weise zu bewegen. Auch mit dem frühen und späten Schulkindalter steigen stetig die Erwartungen an das Vereinsangebot sowie das eigene Elternhaus. Kinder entdecken neue Lebensräume und knüpfen Beziehungen in der Nachbarschaft, der Schule oder des Vereins. Es entwickeln sich Gruppen von gleichaltrigen Kindern, die mit Begeisterung neues entdecken wollen.

Die Aufgabe der Vereine in diesem Alter liegt deutlich bei der Schulung der Motorik unserer Kinder. Ausdauertraining, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination sind hierbei die fünf motorischen Grundeigenschaften eines jeden Kindes. Diese sollten dem Alter gerecht geschult und an das Kind vermittelt werden. Ein Waldlauf oder gar eine Gelände-Rally vermitteln den gewissen Spaß und die Ausdauer bereits im Schulalter. Staffel- oder Fangspiele eignen sich gut, um die Beweglichkeit sowie die Schnelligkeit auszubauen. Schwerpunkt der Ausbildung sollte jedoch die Koordination sowie die Körperhaltung im Bezug auf Krafttraining sein. Denn ohne eine richtige Anleitung können bereits im frühen Kindesalter Haltungsschäden die Folge sein.

Aus diesem Grund sind hier nicht nur Vereine sondern auch Eltern angesprochen, mit den Kindern engagiert zu arbeiten und diese richtig zu fördern. Kinder die vor dem Fernseher aufwachsen, sich wenig bewegen oder gar nur am Computer spielen, haben es später schwer sich in Gruppen einzuordnen, sportlich mitzuhalten und ihr Selbstbewusstsein zu steigern. Aus diesem Grund fängt die Vereinsarbeit nicht etwa in der Turnhalle, sondern bereits im Kontakt zu den Eltern und dem Elternhaus an. Denn nur Kinder mit einem ausgewogenen Umfeld bringen für einen Verein die besten Voraussetzungen mit, sich selbst weiter zu entwickeln.

Kinder mit motorischen Nachteilen sind ab einem gewissen Alter schwer in Gruppen einzubringen und können dabei schnell eine Außenseiterrolle einnehmen. Die Aufgabe des Übungsleiters ist es, derartige Defizite frühzeitig zu erkennen und mit einem gezielten Angebot zu kompensieren. In der Zeit der Geschlechtsreife und des Umgangs mit körperlichen Veränderungen fallen Kinder durch enorme Wachstumsschübe und einen seelischen Wandel auf. Die Pubertät ist nicht nur im Vereinsleben eine schwer kontrollierbare Phase sondern auch für Eltern mitunter nicht einfach zu verleben. Die Jungerwachsenen lösen sich langsam vom Elternhaus und beginnen mit der Gestaltung ihres eigenen Lebensplans. Der Wachstumsschub in diesem Al ter schränkt auch die Pubertierenden in einigen motorischen Übungen ein, so dass ein geschulter Übungsleiter hier reagieren muss.

Neue Bewegungsabläufe sind zu erlernen und die Phase der Ungewissheit zu überwinden. Kinder wollen in dem Alter mehr Mitspracherecht erlangen, so dass auch hier das Angebot im Verein entsprechend angepasst werden muss. Der Übungsleiter muss sich der Kritik stellen können und dennoch die Gabe besitzen die Kinder und Jugendlichen zu begeistern. Freiräume zur Mitgestaltung sowie Entscheidungsfreiheiten müssen geschaffen werden. Das Angebot im Verein sowie im Elternhaus muss sportlich sowie außersportlich erweitert werden, um den Anforderungen der Kinder entsprechen zu können. Sportler können bereits in dem Alter stärker im Verein gefördert und für die Zukunft in einer Gruppe ausgebildet werden. Gruppenhelfer- oder Jugendleiterausbildungen dienen hier als ein guter Start zum Einstieg in das Vereinsleben als Betreuer oder Übungsleiter.

Als Höhepunkt der jugendlichen Entwicklung dient jedoch die Zeit der Adoleszenz, dem Übergang von Kindheit zum Erwachsen sein. Der Abschluss der Geschlechtsreife sowie der Gestaltenwandel ist beendet und die Jugendlichen haben eine eigene Identität entwickelt. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper tritt mehr in den Vordergrund. Das Denken wird globaler, bis hin zu aktuellen Problemen der Welt. Ein Verein sollte hier die Möglichkeit schaffen, die feste Partnerin oder den festen Partner mit in das Angebot einbeziehen zu können. Die Mitarbeit sowie das Engagement im Verein sollte gefördert werden. Neue Ziele und Herausforderungen müssen definiert und dem Jugendlichen auf seinen Weg gegeben werden.

Der Übungsleiter sollte dem Jugendlichen gegenüber ein ernst zu nehmender Erwachsener sein und demgegenüber als Partner oder Freund begegnen. Die Arbeit im Jugendbereit basiert mehr auf Motivation und zielgerichtetes Führen der Gruppe. Die Aufgabe des Übungsleiters dabei ist es die Gruppe zu betreuen und im Verein zu integrieren. Forsche oder gar erniedrigende Führungsstiele sind hier fehl am Platz, da nur über eine abwechslungsreiche Motivation die Gruppendynamik gefördert werden kann.

Nun stellt sich abschließend noch die Frage, ob dies alles ein Verein organisieren kann und wer zur aktiven Kindheit beiträgt. Im Großen und Ganzen sollte es schon die Aufgabe des Elternhauses bleiben, doch tritt in unserer heutigen Gesellschaft der Verein immer mehr in den Vordergrund. Nur mit dem ausreichenden Wissen, der Qualifikation unserer Übungsleiter sowie einer engagierten Vereinsleitung kann auch dem Kind eine solide und ausreichende Basis für das spätere Leben garantiert werden. Kinder sind die Zukunft des Vereins. Wie aktiv sich deren Kindheit entwickelt, entscheiden das Elternhaus sowie das Kind selbst. Der Sport trägt dazu bei, Personen zu formen und neue Identitäten zu erschaffen, wenn man es richtig und ausreichend vermittelt. (am)