Saisonvorbereitung – Teil 1: Der richtige Anspruch

„Die Tour wird im Winter gewonnen“ verkündete der ewige Mann in Gelb Lance Armstrong, verkroch sich regelmäßig für die kalten Monate im Nirgendwo, um in sieben Sommern in Folge die berühmte Frankreichrundfahrt für sich zu entscheiden. Sicherlich tut aber selbst dem größten Floorballfreak doch gut, nach einer langen Saison, den geschundenen Schläger oder angerosteten Helm zusammen mit den triefenden Hallenschuhen in den Tiefen des Wandschranks zu verstauen und jeden Gedanken, welcher einen Lochball porträtieren könnte, auszublenden.

Doch spätestens nach wenigen Wochen kribbelt es schon wieder in den Fingern. Denn die nationale Konkurrenz schläft nur kurz und die internationale bekanntlich nie. Nun kann man von Floorballvereinen in deutschen Breitengraden nicht unbedingt verlangen, dass ihre Squadra ein intensives, einwöchiges Trainingslager auf Madeira wahrnimmt, davor und danach sechs Tage die Woche ihre Körper auf der Ovalbahn und in Fitnesspalästen quält und dies alles dann mit Taktikbriefings und Technikeinheiten ergänzt. Dennoch darf der Begriff „Sommervorbereitung“ keineswegs eine alibistische Umschreibung für ein monatelanges Nichtstun sein.

So müssen die Anforderungen auf die deutschen Möglichkeiten und Verhältnisse angepasst werden. Die Enge vieler Kader beispielsweise stellt während der Sommermonate ein Fortführen des regulären Trainingsbetriebs überhaupt in Frage. Dazu schließen oder sanieren Schulen ihre Sporthallen. So dass man auf polysportives Alternativprogramm ausweichen und zu Strandfußball, Fahrradtouren oder Beachvolleyball laden muss. Auch die Einzelvorbereitung, vor allem das individuelle Physistraining, gewinnt in Folge dessen an Bedeutung. Dazu sollte ein zumindest kompaktes Trainingslager helfen der Mannschaft vor Beginn des neuen Spielbetriebs 2007/2008 einen einheitlichen Stempel aufzudrücken.

Das Floorballmag sucht nach entsprechenden Methoden, welche sich im Floorballsport mittlerweile etabliert haben und nach Programmen, die auch deutsche Vereine und Spieler selber als minimale Vorbereitungsgrundlage praktizieren könnten und sollten.

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Während der Sommermonate plagt den durchschnittlichen deutschen Floorballverein weniger ein gelichtetes Angebot an Hallenzeiten als hauptsächlich ein ferien-, urlaubs- und jahreszeitbedingter drastischer Mangel an Spielerinnen und Spielern und somit Übungsteilnehmern. Außerdem fordert die hohe Fluktuation an SpielerInnen ihren Tribut, so dass der eigentliche Kader für die kommende Saison vergleichsweise sehr spät feststehen kann. Dazu gesellt sich ein oft erdrückendes Finanzloch, welches noch an den Gemütern der Vorsaison und gleichzeitig an den Möglichkeiten der Folgesaison nagt.

Ausgehend von diesen „Spezialitäten“ der Randsportart Floorball muss eine angepasste aber dennoch anspruchsvolle Vorbereitung angestrebt werden, um im nationalen oder ggf. sogar internationalen Vergleich einer unnötig selbstverschuldeten Entwicklungsbremse zu entgehen.

Ein grundlegendes Programm sollte somit jede aufstrebende Floorballabteilung bieten dürfen, um ihre Mitglieder trotz eines Mangels an regulären Trainingseinheiten zu fordern und nicht nur auf die kommende Saison vorzubereiten.

Physistest
Die Grundlage für eine fördernde Sommervorbereitung stellt zunächst die Vergleichsmöglichkeit dar. Hierfür werden mittels Physistests Werte der einzelnen SportlerInnen erfasst. Von solchen Test gibt es bereits eine Unzahl an Ausprägungen, welche stets behaupten als einzige das Wichtigste und das noch am präzisesten erfassen zu können. Jene Test sind zeitlich nicht allzu anspruchsvoll, so dass es sich oft anbietet mehrere unterschiedliche oder kombinierte Tests zumindest vor und nach der Sommervorbereitung abzuhalten.

Ein allgemein erprobter Bestandteil eines solchen Tests ist beispielsweise ein Signallauf. In diesem muss wiederholt eine festgelegte Strecke in einer gewissen Zeit absolviert werden. Diese Zeit wird stufenweise verkürzt, so dass die Intensität phasenweise ansteigt. Ein floorballspezifischer Test wurde 2003 vom Schweizer Markus Wolf in seiner Diplomarbeit „Schnelligkeit im Unihockey – Vergleichende Analyse des Schnelligkeitsvermögens der Spitzenspieler aus der Schweiz und Finnland“ beschrieben. Wolf befasste sich hierbei mit der zyklischen und azyklischen Aktionsschnelligkeit von Sportlern.

Beispiel eines Physistests

(Markus Wolf: Zyklische und azyklische Aktionsschnelligkeit)

1. Kurzsprint – 10m mit stillem Start (Akzelleration, Reaktion)
Teilnehmerin startet im Startstand hinter Linie und bewältigt auf Signal 10m im Sprint. Messkörper ist die Hüfte (2 Versuche).

2. Kurzsprint – 10m mit fliegendem Start über 20m Anlauf (zykl. Aktionsschnelligkeit)
Teilnehmerin startet im Startstand, absolviert 20m Anlauf zum Erreichen ihrer Höchstgeschwindigkeit, passiert Anfangs- und Schlussmarkierung des zu messenden 10m-Abschnitts. Messkörper ist die Hüfte (2 V.).

3. Standweitsprung (Sprungkraft)
TeilnehmerIn tätigt beidbeinigen, weitestmöglichen Absprung. TeilnehmerIn landet ohne Ausfallschritt und ohne Berührung des Bodens mit Hand, Gesäß oder anderem (2 V.).

4. Pendellauf über 8x10m (azykl. Aktionsschnelligkeit)
TeilnehmerIn befindet sich in Startquadrat (1x1m) und läuft nach vorgegebener Reihenfolge vier je 10m vom Startpunkt entfernte Pilonen an, welche sie mit dem Stock berührt. Dazwischen kehrt sie stets zum Start zurück, um den dortigen Pilonen zu berühren.

(jk)