Saisonvorbereitung – Teil 3: Trainingslager & Playbook

Um einen breiteren Kader abschließend einzuengen bzw. aufzuteilen, die Mannschaft in ihrem Spielverständnis zu formen und das Team zu einen, bedarf es eines finalen Trainingslagers. Spätestens in der Senioren-Kategorie sind reguläre, über siebentägige Zusammenkünfte in den Bergen nicht nur finanziell sondern auch zeitlich oft unrealisierbar (sollten aber im Nachwuchsbereich angestrebt werden). Folglich kann auf die Variante eines kumulierten Floorball-Trainingslagers, welches beispielsweise ab Donnerstag bis Sonntag ein verlängertes Wochenende belegt und konzentriert formt und schweißt, übergegangen werden.

Wichtig ist hierbei die Funktion eines solchen Trainingslagers zu begreifen. Es wird keinesfalls die physischen oder technischen Fertigkeiten von fortgeschrittenen Spielerinnen und Spielern revolutionieren können und sollte hierin auch nicht seine Schwerpunkte suchen. Vielmehr muss ein einheitlicher Stil erarbeitet werden, welcher sich auf die Lösung von Szenarien, Einzelsituationen und Spielverhalten bezieht und ein gesundes Mannschaftsgefüge geweckt werden.

Die Möglichkeiten zur Veranstaltung eines solchen Trainingslagers sind von Verein zu Verein zwar verschieden, jedoch ist es bundesweit nicht allzu umständlich eine entsprechende Halle außerhalb des heimischen Kreises zu beanspruchen, in ihr oder um sie herum zu nächtigen und ein Lagercatering zu buchen, welches die Verpflegung der Floorball-Equipe sichert. Bei geschickter Handhabung halten sich die Kosten (je nach Anzahl der Teilnehmer und Infrastruktur) durchaus in Grenzen (ca 35 – 70 €/Person). Ob man hierbei nun weiter Freundschaftsspiele eingliedert, um die Umsetzung des Einstudierten zu erproben, oder diese später nachholt, bleibt der freien Planung überlassen.

Beispiel eines Tagesprogramms innerhalb eines kumulierten Trainingslagers:

(2. Division Herren – Schweden):

Zeit Thema Programm

07:30 Wecker
07:45 Morgenlauf
– Einfache Laufübungen
– Leichte Physisübungen
– Mittlerer physischer Anspruch
08:30 Frühstück
09:15 Theorie
– Orga
– Einweisung in Trainingsübungen
– Verlauf und Funktionaliät (Training I.);
– Darstellung der geforderten Spielzüge – Einzelaktionen (Training II);
– Erläuterung des Offensiv- und Defensivverhaltens (Training II und III)
10:15 Training I. (90Min.)
– Technik- und Individualübungen
– Hoher physischer Anspruch
11:45 Regeneration
12:30 Mittagessen
13:00 Relax – Zwangloses Individual- und Gruppenprogramm
14:00 Training II. (150Min.)
– Spielzüge und Auslösungen
– Offensiv- und Defensivverhalten
– Mittlerer physischer Anspruch
16:30 Regeneration
17:45 Abendessen
19:30 Training III. (120Min.)
– Spiel
– Szenarien
– Umsetzung der geforderten Spielzüge
– Hoher physischer Anspruch
21:30 Regeneration

Playbook
Was bei nationalen Floorball-Auswahlen zur Pflicht mutierte, bleibt bei den deutschen Erstligisten eine Seltenheit. Bei Nationalmannschaften dient das vom Trainerstab verfasste und ausgeteilte Playbook dazu, die Repräsentanten, welche sonst auf Vereinsebene unterschiedlichen Spielstilen folgen, als Auswahl zu homogenisieren. Jedoch unterstützt eine solche „Leitbrochure“ auch im Verein das Verständnis der einzelnen Spieler u.a. durch die grafische Darstellung von Spielzügen, Erläuterung von Verhaltensweisen oder Klarstellung der gemeinschaftlichen Regeln und Ziele.

Spieler sich selbst
Doch der Spieler darf nicht alles vorgelegt bekommen, auch seine eigene Aufarbeitung ist gefragt. David Makin, ehemaliger Trainer der Bremer, Chemnitzer und Döbelner Bundesligisten, erklärt: „Als erstes sollte ein Spieler die vergangene Saison reflektieren, sich Gedanken darüber machen, wo hatte er spürbare Defizite. Danach sollte er in Zusammenarbeit mit seinem Trainer oder Teamverantwortlichen die Eckpfeiler seiner Vorbereitung festlegen.“ Auch die direkte Umsetzung spricht Makin an: „Neben einer unerlässlichen Grundlagenausdauer, muss der Unihockeyspieler dem Sportartenprofil gerecht trainieren. Das heißt, Schnelligkeit und seine Mischformen sind ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung. Da bei den Konditionsfaktoren ein enger Zusammenhang bzw. ein enges Zusammenspiel besteht, ist es aber auch nicht sinnvoll, die restlichen Faktoren ganz ausser Acht zu lassen. Auch Kraft oder Kraftausdauer können im Zusammenspiel der Konditionsfaktoren einen wichtigen Platz einnehmen.“ Auch wenn vielen das Bearbeitete innerhalb dieses Artikels wohl bekannt vorkommt, verbleibt es Tatsache, dass all jene so selbstverständlichen Grundlagen noch lange nicht zum Standartinventar der deutschen Floorball-Vereine innerhalb der Saisonvorbereitung gehören. (jk)