Finnstar: Die Zukunft des Floorball

Die Zukunft des Floorball

Hyvärinen rutscht auf dem Bauch und fängt den Pass in der Mitte ab. Er kickt den Ball zu Tiitu. Tittu mit einem hohen Pass in den Slot. Kohonen rennt vors Tor und springt ab. Er bekommt den Ball gerade so vor dem Goalie und spielt einen Pass zu Vänttinen. Der nimmt einen harten Schlagschuss und trifft zum Ausgleich, nur Sekunden vor dem Ende. Aber nein! Der Schiedsrichter gibt das Tor nicht. Stattdessen Freischlag für Schweden, weil Finnland mehr als drei Spieler gleichzeitig in der Angriffszone hatte. Schweden klärt den Ball und die Sekunden laufen von der Uhr. 3, 2, 1…Vorbei! Keiner in der Arena hat wirklich kapiert, was während des Spiels abgegangen ist, aber jetzt ist Schweden der neue Weltmeister!

Zurück in die Realität. Meine persönliche Meinung ist ja, dass Floorball gute und einfache Regeln hat und dass das auch einer Hauptgründe für die steigende Popularität des Sports ist. Es gibt aber Leute, die mir hier nicht zustimmen würden. Zumindest in Finnland.

Dort gibt es aktuell eine Diskussion über einschneidende Regeländerungen. Wenn diese Reformen Unterstützung und Akzeptanz finden, würden sie erstmals kommende Saison im finnischen Pokal umgesetzt. Die erste Änderung würde es dabei verbieten, den Ball aus der Angriffszone über die Mittellinie zurück in die eigene Zone zu spielen, die zweite sähe ein Zeitlimit von zehn Sekunden vor, um den Ball aus der eigenen in die Offensivzone zu bringen und nach der dritten wäre es nicht mehr erlaubt, den Ball mehr als einmal in der eigenen Zone hinters Tor zu spielen.

Das ist kein Aprilscherz. Wenn ihr finnisch versteht oder den Google-Translater benutzt, könnt ihr auf paakallo.fi einige Artikel zu dem Thema finden. Ich wünsche den Schiedsrichtern viel Spaß. Den Spielern auch. Und natürlich den Fans! Die meisten Zuschauer wollen verstehen, was gerade auf dem Feld passiert, um einen Sportevent richtig zu genießen. Natürlich gibt es auch solche wie meine Mutter, die einfach für das schwächere Team jubelt…

Die durchschnittlichen Zuschauerzahlen haben in den letzten Jahren stark zugenommen und die großen Partien haben Tausende Floorballfans angelockt. Wenn die Regeländerungen wirklich umgesetzt werden, käme das eingangs beschriebene Horrorszenario der Realität wohl ziemlich nah. Das könnte soweit führen, dass wir unsere aktuelle Generation von Fans vergraulen und sehr lange auf die nächste warten dürften, die die Arenen irgendwann wieder füllt. Und währenddessen blieben die einzigen Zuschauer Mütter, die fürs schwächere Team jubeln.

Ich persönlich hoffe wirklich, dass sie es nächste Saison ausprobieren. Und scheitern. Vielleicht merken sie dann endlich, dass wir bereits ein gut funktionierendes Konzept haben, dass man nicht unnötig kompliziert machen sollte. Lasst es einfach und simpel. Lasst es Floorball sein.

Joel Heine ist Spielertrainer der Floor Fighters Chemnitz. Der Finne lebt seit fast zwei Jahren in Deutschland und reflektiert fürs Floorballmagazin Entwicklungen, Geschehnisse und Geschichten rund um die Szene.