Der Musterknabe

Die deutsche Floorball-Szene ist mit zahlreichen bisweilen bundesweit unbekannten „Musterknaben“ gespickt, mit Vereinen, die scheinbar genau wissen worauf es ankommt. Die DJK Holzbüttgen ist einer von diesen und zeigt, wie man es auch als Kleiner in Bereichen wie Jugendarbeit oder PR mit den Großen des Fachs aufnehmen kann. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit den Entwicklern Andreas Hofferbert, Peter Hahnen und Phillip Jesse über den Überflieger aus dem Westen.

Floorballmagazin: Euer Verein bietet Floorball bereits seit 1997 an, aber erst seit 2009 gibt es hierfür eine eigene Abteilung. Wie sah die bisherige Entwicklung in der DJK Holzbüttgen aus?

Hofferbert, Hahnen, Jesse: Manchmal sind es zwar Zufälle, aber vor allem das Engagement einzelner Vereinsmitglieder, die dazu führen, dass eine unbekannte Sportart mehr und mehr Fuß fasst. Nachdem die Spieler des 1. UHC Düsseldorf, ein damaliges Gründungsmitglied des DUB, nach ihrem Studium in die Welt zogen, landete einer von ihnen in Kaarst-Holzbüttgen. Hier traf er auf sehr engagierte Sportler, die dem Floorball-Rausch sofort erlagen. Als Folge gab es neben einer reinen erwachsenen Freizeittruppe, die niemals daran dachte an Meisterschaften teilzunehmen, auch eine Jugendmannschaft, welche von Edi Winkler von Beginn an betreut und trainiert wurde. Dieses Team nahm dann 2003 erstmals am Spielbetrieb des NWUV teil. Im Jugendspielbetrieb waren die größten Erfolge die zweimalige Qualifikation für die Deutsche U17 Meisterschaft.

Seit 2008 ist diese Truppe in den Herrenligen unterwegs. Nach anfänglicher Eingewöhnungsphase in der Verbandsliga konnte das junge Team die Leistung auf dem Kleinfeld kontinuierlich steigern, blieb in der Rückrunde ungeschlagen und wurde letztendlich Dritter. In dieser Saison spielen wir mit zwei Kleinfeldteams und einem Großfeldteam. Einen großen Beitrag dazu hat auch die freundliche Unterstützung lokaler Sponsoren geliefert, durch die es möglich war, Trikotsätze und vor allem eine eigene Bande zu sponsern.

Wie entwickelt sich Floorball aus Eurer Sicht in der Region West? Was schätzt ihr und wo muss noch Gas gegeben werden?

Insgesamt hat Floorball in NRW eine sehr positive Entwicklung gemacht. Anfangs waren es hauptsächlich Studenten aus Hochschulsportgruppen die den Herrenspielbetrieb wachsen ließen. In den letzten Jahren wurde immer mehr Wert auf Jugendarbeit gelegt, was sich an der wachsenden Zahl an Jugendligen und Teams messen lässt. Einige diese Talente sind nun auch im Erwachsenenbetrieb anzutreffen.

Mittlerweile gibt es neben den Kleinfeldligen eine Großfeldliga, in der von Spieltag zu Spieltag das Niveau steigt. Allerdings sind hier viele Spieler doppelt unterwegs, was schon mal zu Terminproblemen führt. Hier sollte man sich vielleicht stärker auf eine Spielweise, am besten wohl Großfeld, konzentrieren, statt sich in zu vielen Ligen zu verzetteln.
Nachholbedarf besteht in NRW im Wesentlichen im Bekanntheitsgrad von Floorball generell.

Aktuell ist es noch sehr schwierig bei Hallenzeiten Vorrang gegenüber etablierten Sportarten zu bekommen. Eine sehr gute Möglichkeit wäre hier wohl eine noch stärkere Kooperation mit Sportlehren an den Schulen, um die Basis zu vergrößern.

Eure Herren mischen in der Regionalliga West wie im Großfeld, so auch im Kleinfeldbetrieb mit und halten sich im sicheren Mittelfeld auf. Wie sehen die Ambitionen für die Zukunft aus? Schielt man insgeheim nach der 2. Bundesliga?

Mit der Mischung aus jungen Talenten und der Erfahrung und Klasse einiger älterer Spieler haben wir eine gute Mischung. Da davon auszugehen ist, dass die jüngeren in den nächsten Jahren körperlich noch etwas zulegen, ist mit zunehmender Spielpraxis auf dem Großfeld auch die 2. Bundesliga eine Überlegung wert.

Im Kleinfeld hat Holzbüttgen ebenso wie Bonn oder Südkamen gleich zwei Teams in der Liga. Dies macht folgendes deutlich – wenn in einem Verein erst einmal mit Floorball begonnen wird, ist der Zuspruch so groß, dass sich schnell mehrere Mannschaften bilden können. Daraus werden  sich dann automatisch gute Spieler heraus kristallisieren, mit denen es auch  nicht unmöglich seid wird, sich in den nächsten Jahren für die Playoffs der Deutschen Kleinfeldmeisterschaft zu qualifizieren.

Auch im Pokal trifft man auf euren aufstrebenden Verein. Dort wart ihr bereits zweimal dabei, scheitertet aber beide Male am Zweitligisten SSF Bonn, der sich dieses Jahr Hoffnungen auf den Aufstieg in die 1. Bundesliga macht. 2008 noch mit 3:7, 2009 mit 1:19. Wie sehen die Pläne für das nächste Jahr aus?

Zu Bonn hat Holzbüttgen eine besondere Beziehung. Seit 2009 tragen die Zwillingsbrüder Jochen und Peter Hahnen, die viele Jahre für Bonn gespielt haben und auch in dieser Saison beim Zweitligameister Stammspieler sind, zusätzlich das grüne Trikot. Auch gab es zwei Jahre lang eine Spielgemeinschaft Bonn/Holzbüttgen, die 2008 Verbandsligameister wurde. Als dann 2008 jedoch die Jugend in den Herrenbereich aufrückte, konnte man endlich ein eigenes Team stellen.

2008 waren die Bonner als Deutscher Kleinfeldmeister in die Unihockeyprovinz Holzbüttgen gereist und waren überrascht, so viele Probleme zu bekommen. Zwischenzeitlich hatten sie sogar den Ausgleich hinnehmen müssen. Beim zweiten Aufeinandertreffen schienen sie gewarnt und traten mit ihrem um zusätzliche Spieler aus Köln und Hochdahl ergänzten Zweiligateam an. Mit einem leichteren Los dieses Jahr sollte aber zumindest die 2. Runde durchaus möglich sein.

Das Aushängeschild der DJK ist aber eigentlich die Jugendarbeit des Vereins, die in der Region West zur absoluten Spitze gehört. Die Abteilung wächst und die U11-Mannschaft thront in der Konkurrenz etablierter Vereine wie Bonn, Münster oder Köln ungeschlagen auf Platz 1 der NWUV-Liga. Was macht ihr richtig?

Wir wissen nicht, ob wir irgendetwas richtig machen. Richtig ist, dass wir aktuell einen sehr starken Zuspruch bei den Kindern unter 11 Jahren haben. Dies resultiert zum einen aus der sehr guten Zusammenarbeit mit der Holzbüttgener Grundschule. Hier wurde vor einigen Jahren überlegt, wie man die Kinder auch nach der Schule zur sportlichen Betätigung bringen kann. Es wurden Schläger und Bälle angeschafft und ehrenamtliche Trainer der DJK haben mit den Kindern gemeinsam am frühen Nachmittag, in der freiwilligen Betreuungszeit,  Floorball gespielt.

Zum Zweiten liegt es ganz einfach an der guten Mundpropaganda. Kaarst mit dem Stadtteil Holzbüttgen ist eine relative kleine Stadt und so spricht es sich schnell herum, wenn Kinder bei einer bestimmten Sportart Spaß haben. Gezieltes Ansprechen der Sportlehrer an allen Kaarster Grundschulen brachte dann auch hier weiteren Erfolg. Mittlerweile trainieren in dieser Altersklasse rund 25 Kinder regelmäßig mit.

Die Lücke zwischen der U11 und unserer ersten Mannschaft wollen wir demnächst füllen, da unsere erfolgreiche U11 in der nächsten Saison in die U13 wechselt. Die Spieler haben gerade auf die weiterführende Schule gewechselt, sodass wir auch hier hoffen, weitere Spieler anwerben zu können.
Wir glauben, dass wir in der Jugendarbeit, ebenso wie die anderen Mannschaften aus NRW auf dem richtigen Weg sind. Es ist schon toll, dass in diesem Jahr bereits acht Mannschaften in NRW in der U11-Liga spielen.

Momentan freuen wir uns über unsere Erfolge und hoffen, dass es noch ein wenig so bleibt. Beim final4-Talenteturnier im Mai in Leipzig wollen wir selber erst einmal sehen, ob wir auch mit den Teams außerhalb von NRW mithalten können. Hier sind wir sehr gespannt drauf!

Außerdem ist das öffentliche Auftreten des Vereins vorbildlich, insbesondere seine Präsenz im World Wide Web. Die ideenreiche und hervorragend gepflegte Website wird neuerdings von einer attraktiven Facebook-Seite ergänzt. Es gibt Bundesligisten, die von Euch noch einiges lernen könnten. Wie wichtig ist euch diese Öffentlichkeitsarbeit und wie organisiert ihr sie?

Glücklicherweise gibt es einige Leute, die das Know-how und die Motivation besitzen, eine solche Seite aufzubauen und zu pflegen. Insbesondere Phillip Jesse investiert hier sehr viel seiner Freizeit. Er koordiniert sämtliche Arbeiten und sorgt für eine stets aktuelle Website. Dazu gibt es diverse Helfer, die unmittelbar nach den Spieltagen Berichte und Fotos abliefern, um alle Interessierten auf dem Laufenden zu halten.

Gerade bei einer „Noch“-Randsportart wie Floorball ist Öffentlichkeitsarbeit natürlich sehr wichtig. Wir versuchen auch unsere Heimspieltage durch Plakate zu bewerben und dadurch für lokale Sponsoren interessant zu werden.

Über unsere Homepage finden auch immer wieder neue Gesichter zu unserem Training, unter anderem der ehemalige Schweizer Bundesligaspieler Daniel Mettler, der aufgrund des Trainings in Holzbüttgen und der Kontakte zu Bonn nun für die SSF in der 2. Liga stürmt. Nicht zuletzt, freut es uns auch, dass Ihr vom Floorballmagazin auf diesem Wege auf uns aufmerksam geworden seid. (jk)

Mehr Informationen über den DJK Holzbüttgen findest du auch auf der Website des Vereins sowie in seiner offiziellen Facebook-Gruppe.

Kommentare

  1. Danke für die schöne Veröffentlichung. Kleiner Hinweis: Es ist DIE DJK Holzbüttgen (=Deutsche Jugendkraft)und die Bilder sind aus dem Bildarchiv aus Holzbüttgen nicht aus Holzbüttel :)

    Beste Grüße aus Unihockeytown Holzbüttgen!
    http://www.floorball-holzbuettgen.de

  2. Schöner Artikel!

    Super, an dem Engagement im Nachwuchsbereich kann man sich so einige Scheiben abschneiden..

    Ich finde es gut, dass ihr über Floorball überall in Deutschland berichtet.