Mehr als Plan B

Auch im Halbfinalduell zwischen Wernigerode und Weißenfels machten Döring und Kalow eine gute Figur. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Von Spiel zu Spiel pfeifen sich Sebastian Döring und Steffen Kalow mehr und mehr in die Gunst der deutschen Bundesligisten. Der Dachverband schätzt das junge Genthiner Schiri-Paar als talentiertes Aushängeschild der Referee-Zunft und schickte dieses zur Feuertaufe in die Schweiz. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit der Hälfte des Duos über die etwas anderen Floorball-Träume.

Floorballmagazin: Hi Sebastian, mit deinem Genthiner Kollegen Steffen Kalow geltet ihr als Deutschlands aufstrebendstes Schiri-Paar. Wie kommt man auf diese schiefe Bahn?

Sebastian Döring: Servus Jan! Ist das so? Ich glaube wir sehen das etwas nüchterner. Der Weg dorthin ist hier in Deutschland glaub ich sehr ähnlich bei vielen Schiedsrichterkollegen. Ich habe vor sieben Jahren mit Floorball angefangen und zügig danach mit Steffen gemeinsam die ersten Spiele in der Regionalliga auf dem Kleinfeld gepfiffen. Es wurden halt welche gebraucht, die das übernehmen und wer einmal „ja“ sagt… Damals hat es noch nicht so viel Spaß gemacht, weshalb ich es auch während meiner Zeit als Spieler in Berlin etwas vernachlässigt habe. Erst als ich wegen einer wiederkehrenden Schulterverletzung nicht mehr aktiv spielen konnte,  habe ich mir mit Steffen überlegt, das Thema intensiver anzugehen. Irgendwann hat die Regionalliga nicht mehr ausgereicht und deswegen ist es jetzt Bundesliga. Wenn ich so drüber nachdenke, ist das mit der „schiefen Bahn“ vielleicht gar nicht so abwegig (schmunzelnd).

Im Februar ward ihr auch international unterwegs. In der Schweiz durftet ihr in der 1. Liga und bei den A-Junioren ran. Wie kam es zu diesem Ausflug und soll er zur Regel werden?

Die Idee kam nicht von uns, sondern vom FVD-Vize Michael Lachenmaier. Eigentlich wollten wir, da es unsere erste Saison auf Bundesliganiveau ist, damit warten, aber er hat uns schließlich überzeugt und alles mit dem Schweizer Verband in die Wege geleitet, wofür wir ihm ziemlich dankbar sind. Natürlich wäre es auch schön, wenn das regelmäßig durchgeführt werden könnte, aber auf Dauer ist das nicht zu finanzieren. Dennoch werden wir versuchen, es zumindest einmal pro Saison irgendwie realisieren zu können.

Was ist euch besonders im Gedächtnis hängen geblieben? Gab es beispielsweise Unterschiede im Umgang oder im Verhalten der Spieler?

Die Unterschiede zur deutschen Bundesliga und deren Spieler gibt es schon. Abgesehen davon, dass in der Schweiz technisch ein höheres Niveau gespielt wird, ist der Umgang zwischen Schiedsrichter und Spieler viel entspannter. Wir verstehen uns nicht als Regelhüter, sondern wollen ein schönes Spiel sehen, in das wir möglichst wenig eingreifen müssen. Die nötigen Entscheide, die wir machen mussten, wurden in der Schweiz aber auch akzeptiert. Hier in Deutschland haben wir zu viele verkappte Kapitäne auf dem Spielfeld, die stets ihre Meinung dazugeben möchten und ihren eigenen Spielführer die Arbeit nicht machen lassen. Smalltalk auf dem Feld? Gerne, wenn die Situation es zulässt. Aber nicht ständig Schiedsrichterentscheidungen kommentieren und anzweifeln, dafür gibt es eben Kapitäne und Trainer. Außerdem kommt auch kein Zuschauer, um sich Diskussionen auf dem Feld anzuschauen, sondern will mit einem guten Spiel unterhalten werden. Wenn ich hart genug trainiere, brauche ich nicht mit dem Schiedsrichter hadern, sondern kann die Antwort spielerisch geben. Ansonsten gibt es keinen weiteren Punkt, der speziell hängen blieb. Das ganze Wochenende war etwas Besonderes.

Die Schulter machte Döring einen Strich durch die Spielerkarriere. Mit der Pfeife geht's weiter. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Der Schweizer Verband stellte Observer, die euch im Nachhinein mit einem entsprechenden Feedback unter die Arme greifen sollten. War das hilfreich?

Ja, das war es auf jeden Fall und es war der ausschlaggebende Grund warum wir das gemacht haben. Leider gibt es in unserem Raum keine Observer, die nur dafür zuständig sind, Schiedsrichter zu beobachten. Wenn überhaupt, dann sind es erfahrenere Schiedsrichter, die sich ein Spiel anschauen und ihre Erfahrungen weitergeben. Das ist aber einerseits viel zu selten der Fall und andererseits auch nur bis zu einem gewissen Level hilfreich. Wenn es dann an die Details geht, kann ein geschulter Observer aus der Schweiz doch mehr sagen. Zumal wir zwei hatten, die in der SML observieren, einer sogar international für die IFF. Beide haben uns so auf gewisse Eigenheiten hinweisen können, die sich mit der Zeit eingeschlichen haben. Außerdem gab es interessante Tipps, wie wir uns auf dem Feld besser verkaufen können, ohne uns in den Vordergrund zu spielen.

Welche Verbesserungen würden denn aus eurer Sicht aktiver Schiedsrichter dem deutschen Schiri-Wesen gut tun und wären auch ohne Umwege umsetzbar?

Die Frage ist tricky. Wir hätten schon Verbesserungsvorschläge und ich glaube dem Verband mangelt es auch nicht daran, nur gibt es genug Leute die mitziehen? Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob wirklich alle Kollegen an den Kursen teilnehmen, weil sie Lust haben Schiedsrichter zu sein und das mit Überzeugung tun. Ich glaube wir sind auf einem ordentlichen Weg, den Schiedsrichter nicht mehr nur als Übel zu betrachten, sondern als wichtigen Teil des Spiels. Die Spieler erkennen unsere Leistung mittlerweile an und das macht die ganze Sache schon einfacher. Das ist zumindest unsere persönliche Erfahrung.

Jetzt muss der Verband die motivierten Schiris schnell ausfindig machen und mit denen in Kontakt treten, damit ein Austausch stattfinden kann. Nur so werden die Schiedsrichter sich genügend wahr- und ernst genommen fühlen, um dann auch über einen längeren Zeitraum mit Spaß an der Pfeife zu bleiben. Wenn es einen gemeinsamen  Austausch zwischen den Schiedsrichtern gibt, kann man vielleicht über ein Ausbildungs- oder Fördersystem nachdenken. Die zweite Liga Herren und Bundesliga Damen bieten mittlerweile sehr gute Spiele, um seinen Erfahrungsschatz als Neuling stetig auszubauen, ehe es an die kritischen Spiele der Bundesliga Herren geht. Aber dafür werden auch wieder Observer gebraucht, die nach einem gewissen Maßstab bewerten können.

Auch in Deutschland seid ihr mittlerweile eine beliebte Ansetzung. Was macht ein eingespieltes Paar denn aus?

Man merkt sehr wohl, ob ein Paar schon länger zusammen Spiele leitet oder erst seit kurzer Zeit gemeinsam pfeift. Das ist wie bei Spielern, denn es gibt Laufwege, die zu beachten sind. Weiterhin ist die Kommunikation auf dem Feld untereinander und zu den Spielern sehr wichtig. Zum Beispiel mache ich mich unglaubwürdig, wenn ich einem Spieler erzähle, dass er einen Fehler begangen hat und ein paar Situationen weiter lässt mein Partner das Spiel beim gleichen Vergehen weiterlaufen. An dieser Feinabstimmung arbeiten wir beide zum Teil noch heute. Eines muss man ja auch noch bedenken – wir haben keine Möglichkeit das zu trainieren. Uns bleibt nur, dass wir unsere Leistung nach jedem Spiel kritisch betrachten und versuchen, uns darüber zum nächsten Spiel zu verbessern. Nobody is perfect.

Wie sehen denn eure Pläne für die Zukunft aus? Soll es noch internationaler werden?

Noch internationaler hieße dann ja auf IFF Ebene. Das ist sicher ein langfristiges Ziel, aber durchaus noch einige Zeit entfernt. Außerdem drängt die Zeit nicht, denn wir haben mit den Kollegen Jörg Heuer und Steven Piorun bereits ein sehr gutes internationales Paar. Da es unsere erste Saison auf höchster nationaler Ebene ist, gibt es hier schon noch einige Ziele. Jetzt sind die Play-offs in vollem Gange und ein Halbfinale durften wir bereits leiten. Das Highlight wäre sicher ein Einsatz in einem Finale oder beim Final4 in Leipzig dabei zu sein. Doch das ist Aufgabe der Regel- und Schiedsrichterkomission sich darüber Gedanken zu machen und die Ansetzungen zu tätigen. Danach kommt die Zeit der Ausbildungskurse, Vorbereitungsturniere und dann gilt es unsere Leistung in der nächsten Saison zu bestätigen. Wenn wir das schaffen, sind wir voll im Plan.

Zum Abschluss mal ein Witz… „Der Teufel besucht Petrus und fragt ihn, ob man mal ein Floorballspiel Himmel gegen Hölle planen sollte. Petrus hat dafür ein Lächeln übrig: ‚Glaubst du, ihr habt auch nur die geringste Chance? Alle guten Floorballspieler kommen in den Himmel: Jihde, Kohonen, Hellgard, Kivilehto, Wolf, Quist,…‘ Der Teufel lächelt zurück: ‚Aber wir haben die Schiedsrichter!'“ Was denkst du, partyreif?

Hehe, super! Wo hast du den denn ausgegraben? Nach dem Saisonfinale und ein paar Bier zieht der sicher ein bißchen. In einem Schiri-Seminar bist du damit aber nicht der Held.

Basti, besten Dank!

Kein Problem, ich danke dir. Ciao… (jk)

Kommentare

  1. Ja, echt schönes Interview. Ich finds echt stark das ihr auch mal den wichtigen neutralen Part des Spiels interviewt. Das ist wirklich interssant zu hören, wie die Schiedsrichter das Spiel so in der Bundesliga erleben. Es gut das das Thema Reklamieren und Diskutieren mit den Schiedsrichtern angesprochen wird. Meiner Meinung nach ist es nämlich verdammt viel was in unserer höchsten Liga so unnötig diskutiert wird. Ich sehe das selbst in unserer BuLi Mannschaft. Besser wäre es mal einfach die Klappe zu halten und sich auf’s Spiel zu konzentrieren als sinnlos mit den Unparteiischen zu diskutieren. Ich geb zu das fällt schwer wenn Schiri’s wenig Erfahrung haben oder einfach nur schlecht – hat ja jeder mal seinen miesen Tag – pfeiffen. Aber ich glaub so was macht eigentlich auch einen Unterschied zwischen einem gutem und normalen Spieler aus. Sollte sich das bessern, können sich zudem die Fan’s freuen, denn dann sehen wir richtig guten Floorball (komisches Wort) in unserer ersten BuLi, wo Leistung am Spieler und nicht am Quatschen mit dem Schiri gefragt ist.