Europafenster: Torhüterduelle

Zwei entscheidende Figuren im Halbfinalduell zwischen Warberg und Stovreta - Scharfschütze Magnus Svensson (Warberg) und Top-Goalie Viktor Klintsten (Storvreta). /Foto: Jesper Matsson

10:1 und 8:1 sind Ergebnisse, die eine deutliche Sprache sprechen, insbesondere in einem Play-off-Finale. Trotzdem steht die Serie in Tschechien 1:1. In der Salibandyliiga ist SSV´s Siegesserie in den KO-Runden nach 24 Spielen gerissen, in der Swiss Mobiliar League kann Wiler schon den Champagner kalt stellen. Öfter als sonst waren die Goalies in der letzten Woche das Zünglein an der Waage.

Svenska Superligan

Storvreta hat die Serie gegen Warberg gedreht. Nach der unglücklichen Niederlage in Partie eins holte man sich den Heimvorteil mit einem 7:6-Sieg (zu den Highlights) in der Overtime direkt wieder zurück. Fredrik Holtz gehörte dabei mit drei Punkten (1+2) einmal mehr zu den entscheidenden Protagonisten. Auch Viktor Klintsten, der hochgelobte Goalie Storvretas, der im ersten Spiel nicht seinen besten Tag hatte, fand in der Sparbankarena seine Play-off-Form wieder und entschärfte 34 Geschosse. Spiel drei im Fyrishof zu Uppsala ging dann ebenso in die Verlängerung. Die Schlagzeile der Party könnte auch Magnus Svensson gegen Storvreta heißen. Endstand in diesem Duell – 4:5. Mit dem Viererpack hat sich der „Goldjunge“ aber an die Spitze der Play-off-Skorerwertung gesetzt, sein Warberg steht nun trotz seinen Treffern mit dem Rücken zur Wand. Für Fredrik Holtz, auch im dritten Spiel mit einem Treffer, ist der Traum vom Finale im Stockholmer Globen hingegen nur noch einen Sieg entfernt.

Das Projekt Titelverteidigung ist für AIK nach zwei Niederlagen am Stück in weite Ferne gerückt. So vergab man im zweiten Spiel der Serie in der heimischen Solnahalle trotz leichter Feldüberlegenheit die Riesenchance, sich drei Matchbälle zu erspielen. Beim dritten Vergleich im Tibble Sportzentrum zu Täby sahen die 1100 Zuschauer wieder ein ausgeglichenes Spiel, indem Bron-Sundbom vier Minuten vor dem Ende der unterm Strich entscheidende Treffer zum 5:4 gelang. Zweimal Hagberg und Jämtdal schraubten den Skore in den Schlussminuten noch weiter nach oben. Die Equipe um Rickie Hyvärinen, der just seinen Kontrakt bis 2013 verlängert hat, hält damit nun alle Trümpfe in der Hand, um zum zweiten Mal nach 2007 das Finale zu erreichen.

Ausgeträumt ist Kristian Holtz´ Traum von einem Familienduell mit Bruder Fredrik zur kommenden Superligan-Saison. Im entscheidenden Spiel gegen Mullsjö unterlag man mit 3:5. Diese letzte Chance hatte man sich zuvor noch mit einem spektakulären 15:9-Sieg über SSL-Absteiger Tyresö erarbeitet. Somit haben sich aber die Favoriten durchgesetzt – Linköping mit Hellgard und Jihde hatte sich bereits vor dem letzten Spieltag der Relegationsrunde den Aufstieg gesichert. Mora kann sich zumindest trösten, mit 39 Toren aus sechs Spielen die stärkste Offensive gehabt zu haben.

Play-off-Halbfinale Stand Spiel drei:

Caperiotäby FC vs. AIK IBF 2:1 (4:9, 5:3, 8:4)

Storvreta IBK vs. Warberg IC 2:1 (5:7, 7:6 s.d., 5:4 s.d.)

Swiss Mobiliar League

Die Rollenverteilung im Vorfeld der Finalserie der SML war klar, keine Frage. Niemand konnte aber eine derartige Dominanz Wilers erwarten. Die Bilanz des HC Rychenberg-Winterthur nach drei Spielen, zwei davon in der umfunktionierten Eishalle Deutweg zu Winterthur, fällt geradezu vernichtend aus – drei Niederlagen, 11:31 Tore. Wie überlegen die Maschine Wiler funktioniert, zeigte sich im dritten Spiel während einer fünfminütigen Überzahl Rychenbergs. Nach dem die Gastgeber im Powerplay den Ballbesitz verloren hatten, spielten vier Spieler des Meisters Katz und Maus mit bemitleideswerten Rychenbergern. Deren Kapitän Eichmann wurde es irgendwann zu bunt – Er haute dazwischen und bekam prompt zwei Minuten. Als schließlich Wilers Wittwer nach Ablauf seiner Strafe wieder aufs Feld stürmte, tat Eichmann es ihm gleich. Das Problem war aber, dass seine noch drei Sekunden länger lief. In so einem Fall ist das Regelwerk klar, sodass Eichmann die rote Karte sah und nun Rychenberg fünf Minuten Unterzahl spielen musste. Diese Chance ließ sich Wiler nicht nehmen und erzielte die Treffer zum 2:1 und 3:1 – die Vorentscheidung, am Ende stand es 9:3.

Matthias Hofbauer (vorn) und sein Bruder Christoph (im Hintergrund) stehen für die Offensivpower von Wiler-Ersingen. Christoph Hofbauer liegt mittlerweile mit 57 Punkten auch an der Spitze der Skorerwertung. /Foto: Damian Keller /unihockey.ch

Schlecht sieht es für Sandra Dirksens Titelträume aus. Nach dem Krimi im Halbfinale gegen Dielikon, als man mit drei Auswärtssiegen das Finale erreichte, scheint Piranha Chur nun einen entscheidenden Tick abgeklärter. Nach dem der Qualifikationssieger Spiel eins in heimischer Halle dank einer überragenden Anderegg, die an allen Treffern beteiligt war, mit 4:3 gewonnen hatte, holte man sich in Winterthur auch den zweiten Sieg und ist damit nur noch einen Schritt vom ersten Meistertitel seit zwanzig Jahren entfernt. Den Grundstein zum Auswärtserfolg legten die Churerinnen im zweiten Abschnitt als sie die 2:0-Führung der Red Ants zu einem 2:4 drehten. Dirksens Treffer zum 5:7 29 Sekunden vor dem Ende kam zu spät und war nur noch Ergebniskosmetik.

Play-off-Finale Herren Stand Spiel drei:

SV Wiler-Ersingen vs. HC Rychenberg-Winterthur 3:0 (11:4, 11:4, 9:3)

Play-off-Finale Damen Stand Spiel zwei:

Piranha Chur vs. Red Ants Rychenberg-Winterthur 2:0 (4:3, 7:5)

Salibandyliiga

24 Spiele in Folge hatte SSV Helsinki in den Play-offs der höchsten finnischen Spielklasse gewonnen. Diese Serie riss im ersten Spiel durch Kapanens Treffer für Erä in der siebten Minute der Overtime. Von der rechten Bande hatte der Scharfschütze einen Drehschuss in den linken Giebel hinter den überraschten SSV-Goalie Toivoniemi einschlagen lassen. Zuvor hatten sich die zwei Equipen wie erwartet nichts geschenkt. Zu Beginn des Schlussabschnitts hatte Helsinki mit einem Doppelschlag durch Manner und Kinnunen die Führung Eräs gedreht, ehe Lehtonen vier Minuten vor dem Ende den Ausgleich herstellte. Der Rest ist bekannt.

Henri Toivoniemi in Aktion - Mit seiner Fangquote von über 96 Prozent im zweiten Spiel der Finalserie gegen Erä war er der Matchwinner für den SSV. /Foto: Olli Laukkannen /paakallo.fi

Mit diesem Starterfolg Eräs ist die Finalserie richtig lanciert wurden. Vier Tage später erwartete ein angefressener Titelverteidiger den Herausforderer in der heimischen Pasilan-Halle. Kukkola brachte Erä nach sechs Minuten mit 1:0 in Front. Es sollte der einzige Treffer des Abends für die Gäste gewesen sein. Im zweiten Abschnitt drehte SSV die Partie durch Tore von Lax und Manner, im Schlussdrittel erhöhten wieder Lax und Forsten bis zur 55.Minute auf 4:1. Lax mit seinem dritten persönlichen Treffer und Fagerholm machten in der letzten Minute schließlich den Deckel drauf. Matchwinner war aber eindeutig Henri Toivoniemi. Das Schussverhältnis spricht nämlich eine andere Sprache als der Endstand von 6:1. Ganze 28-mal hatten die Eräs Scharfschützen aufs SSV-Tor gefeuert, 27-mal verhinderte die finnische Nationaltorwart einen Gegentreffer – eine Quote von 96,43 Prozent. Nationalmannschaftskollege Naumanen im Erä-Tor erlebte dagegen keinen allzu guten Abend und entschärfte nur 71 Prozent der insgesamt 21 SSV-Torschüsse. Somit ist die Serie wieder ausgeglichen.

Play-off-Finale Stand Spiel zwei:

Tapanilan Erä vs. SSV Helsinki 1:1 (4:3 s.d., 1:6)

Fortuna Extraliga

Verrückter als im Finale der Extraliga kann eine Serie kaum starten. Im ersten Spiel gab es für Altmeister Tatran in der heimischen Spartahalle richtig Prügel vom jungen Team Vitkovices. Angeführt von Brus, Tomasik und Kolos (jeweils drei Punkte) wurde der Qualifikationssieger in seine Einzelteile zerlegt und verlor 1:8. Besser hätte es für den Titelverteidiger nicht losgehen können – eine solche Klatsche hatte Tatran hingegen lange nicht erlebt.

Wer nun aber dachte, die Serie würde ein Selbstläufer für Vitkovice, sah sich getäuscht. Denn in der zweiten Partie in Ostrava waren es diesmal die Gastgeber, die ihr persönliches Waterloo erlebten und eine Ohrfeige nach der anderen kassierten. Die bemitleidenswerteste Figur des Abends war dabei Marcel Suchanek, Goalie von Vitkovice. Er musste zehn der 23 Schüsse Tatrans passieren lassen und seinem Gegenüber Thomas Kafka dabei noch zusehen, wie dieser einmal mehr seine Extraklasse bewies und 97 Prozent aller Torschüsse entschärfte. Wie schon im ersten Spiel hatte Vitkovice zehn Schüsse mehr als Tatran abgefeuert. Statt deren acht ging diesmal aber nur einer ins Netz. Der psychologische Vorteil dürfte nun ohne Zweifel wieder bei Tatran liegen.

Play-off-Finale Stand Spiel zwei:

Tatran Stresovice vs. 1.SC WOOW Vitkovice 1:1 (1:8, 10:1)

(tn)

Kommentare

  1. Eine absolute Legende. Mit Kafka in Topform wird Tschechien im Dezember eine gewichtige Rolle spielen!

  2. Nee, glaube nicht, dass der alte Sack bei der WM überhaupt noch dabei ist. Da gibt es doch mittlerweile bessere… denke immer noch an den Patzer gegen die Schweiz im Bronzespiel 2008. Sorry… 😉

  3. Das tschechische Trainergespann wird kaum um ihn herumkommen. Rytych und Barak allein sind zu jung und unerfahren. Der Patzer gegen die Schweiz war wirklich bitter, aber dafür ist er jetzt nur noch heißer!