Prinzip Mentor

Während in manchen Bundesländern Mitgliederzahlen um fast 30% jährlich wachsen, stagnieren andere Regionen stark. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Unser Beitrag hat Wogen geschlagen. Wogen die sich nicht einschätzen ließen und Konsequenzen nach sich zogen. Im Fokus stand dabei plötzlich die Arbeit der Mentoren, die bislang als regionaler Antrieb im Schatten standen. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Oliver Stoll, dem Präsidenten von Floorball Deutschland, über ein bisweilen unzureichend gewürdigtes Modell.

FM: Herr Stoll, um gleich mit dem Wesentlichen zu beginnen, unsere Redaktion hatte einen Artikel veröffentlicht, in dessen Rahmen sie sich unter anderem auch zu der Arbeit der Mentoren äußerten. Sie hatten moniert, man habe Ihr Zitat in einen falschen Zusammenhang gebracht, ist das richtig?

Ja, in ihrem Beitrag kommt es so rüber, als ob ich den Mentoren Untätigkeit vorwerfe. Dies ist nicht korrekt. Alle Mentoren agieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die zweifelsfrei, auch seitens Floorball Deutschland, optimaler aussehen könnten, als sie zur Zeit sind. Alle Mentoren jedoch geben aus meiner Sicht ihr Bestes. Wahrscheinlich haben wir diese Arbeit bisher zu wenig gewürdigt bzw. zu wenig darüber berichtet.

Die Grundlage dieser Missdeutung war vielleicht auch das bislang allgemein fehlende Wissen über die Aufgaben der Mentoren, ihre Projekte und ihre Mitstreiter. Wie lautet also formell deren „Berufsbeschreibung“?

Mentor ist schon der richtige Begriff. Ein Mentor ist so etwas wie ein geistiger Ratgeber, jemand mit Erfahrung, der dies an jüngere, weniger erfahrene Mitstreiter weitergibt. Das ist auch die Grundidee. Unsere Mentoren sollen für ihre Regionen die Aktivitäten in der Entwicklung des Floorballsports beobachten und bei Bedarf auch promoten bzw. begleiten. Finanzielle Mittel für spezifische Projekte, z.B. zur Gründung neuer Vereine und deren Erstausstattung, können beim DUB beantragt werden. Nach Sichtung und Begutachtung der Anträge kommt es dann eben zur Förderung. Hierzu haben wir jährlich in gewissen Grenzen Mittel bei der IFF beantragt und zum Teil auch genehmigt bekommen.

Aus wem setzte sich dieses Team bislang zusammen und wie war deren Arbeit gewichtet?

Bislang haben dies regionenspezifisch die Herren Heinz-Günter Seitz, Roland Albrecht, Philipp Mertens und als Leiter des EWK Christian Baureis in ihrer Verantwortung gehabt.

Oliver Stoll / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Wann genau lief diese Projekt denn an und was sind die bisherigen Resultate? Ist der Anstieg der Mitgliederzahlen in gewissen Regionen eine Folge dieses Engagements?

Die EWK existiert meines Wissens schon einige Jahre. Wenn ich mich nicht irre, war mein Vorgänger Dominique Staiger hier einer der zentralen Promotoren der Gründung dieser Kommission.

Mit der Überprüfung der Wirksamkeit solcher Maßnahmen bzw. des Nachweises eines monokausalen Zusammenhangs zwischen Maßnahme und  Mitgliederzuwachs ist das natürlich so eine Sache. Wir bewegen uns hier ja nicht in einem universitären Forschungslabor, in dem man alle möglicherweise auftretenden Stör- und Moderatorvariablen kontrollieren kann. Dies hier ist die Realität im Feld! Eine gewisse Wirksamkeit dieses Modells möchte ich, vorsichtig gesprochen, zumindest nicht ausschließen. Ich denke einige Regionen haben sich in der Vergangenheit sehr gut entwickelt. Unsere Mentoren, die in diesen Regionen aktiv sind, haben daran ganz sicher ihren Anteil.

Nun muss man sich aber nicht viel vormachen, der Dachverband bleibt unterbesetzt. Eine finanzielle Vergütung wird noch eine Zeit lang kein Mittel sein, Helfer anzulocken. Was wäre denn ein Argument? Wie kann der Dachverband solche Posten schmackhaft machen und wieso hat es bislang nicht geklappt?

Bislang geht das nur über die so genannte individuelle, intrinische Motivation, also den eigenen Antrieb, etwas für eine Sache zu tun, die einem persönlich viel Spaß macht und die individuell eine hohe persönliche Bedeutung beinhaltet. Der gesamte Dachverband ist so aufgestellt und ich habe vor jedem dieser Mitarbeiter großen Respekt. Dieser hohe persönliche Einsatz vieler dieser Kolleginnen und Kollegen führt mitunter dazu, dass sich auch schnell so etwas wie Burnout-Syndrome bemerkbar machen können. Dieses hohe ehrenamtliche Engagement ist also auch kein ungefährliches. Das weiß ich als Psychologe natürlich und diese Tatsache nehme ich auch sehr ernst. Aus diesem Grund ist die Mission „Mitgliedschaft im DOSB“ diejenige, die wir versuchen so schnell wie möglich umzusetzen. Dies sind wir nicht nur dieser tollen Sportart gegenüber schuldig, sondern auch dem Schutz der Gesundheit und dem Wohlergehen aller Mitstreiterinnen und Mitstreiter in ganz Floorball-Deutschland. (jk)

Kommentare

  1. Ich denke man kann (ohne es natürlich wirklich beurteilen zu können) Phillip Mertens vorsichtig gute Arbeit unterstellen. Es ist schön zu sehen, dass hier in NRW (+ Niedersachsen) echt noch Schwung in der Entwicklung steckt…

  2. PS: gibt es (sagen wir mal von den letzten 2 bis 3 Jahren) Übersichten, wie sich die Mitgliederzahlen so auf die Bundesländer verteilen?