Heimische Gefilde

Fanny Gatzke jubelt im dritten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe-com

Die Wege von Floorballspielerinnen und Floorballspielern sind oft unergründlich. Nach einer unvorhersehbaren Europaodyssee kehrte Fanny Gatzke 2008 zurück in heimische Gefilde und feiert zwei Jahre später die erste Meisterschaft des neuformierten Mitteldeutschen Floorball Clubs. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit der 22-Jährigen über erfüllte Titelträume und die Herausforderungen der Damen Bundesliga.

Hi Fanny, als wir uns beim zweiten Halbfinale der Herren in Leipzig über den Weg liefen, meintest du noch, ihr hättet ja sowieso nichts zu verlieren. Ein paar Tage später seid ihr Deutscher Meister. Kam das wirklich so unerwartet?

Hej Jan. Von Beginn an hieß unser Ziel das Finale zu erreichen. Dass sich das für unser Team schwieriger gestalten sollte, als in der letzten Saison, entschied sich nicht nur durch zahlreiche Abgänge und Verletzungen wichtiger Spielerinnen, sondern natürlich auch durch das allgemein ausgeglichenere Niveau der Liga. Beide Halbfinalspiele gegen Hamburg/Seebergen konnten wir nach einer deutlichen Rücklage glücklich für uns entscheiden, was sich letztendlich als eine perfekte Vorbereitung für die anstehenden Finals herausstellte. Meiner Meinung nach hat es der Favorit und Titelverteidiger schwerer sich in der Serie direkt in zwei Spielen zu behaupten – letztes Jahr bekamen wir die eiskalte Dusche und dieses Jahr wollten wir die Revanche. Um den Kreis zu schließen waren wir formal schon Silbermedaillengewinner, also hatten wir nichts zu verlieren, da wir unser Ziel bereits erreicht hatten. Was kommen sollte war also ein dickes Sahnehäubchen.

Was hat in der Endspielserie den Unterschied ausgemacht? Weißenfels konnte ja mit einem Sieg im zweiten Spiel die Serie zunächst ausgleichen.

Ich hätte bereits vor den Finals gewettet, dass es drei Spiele geben wird. Nachdem wir das erste für uns entschieden haben, folgte eine schwere Woche. Wir wollten mit aller Kraft eine Wiederholung der letzten Saison verhindern und waren somit sehr enttäuscht das zweite Match so abgegeben zu haben. Letztendlich hatten wir wirklich nichts mehr zu verlieren und schafften es in der letzten Partie uns nicht zu sehr auf den, mit dem Sieg vom Vortag im Rücken, gestärkten Gegner zu fokussieren, sondern ohne Krampf aufzulaufen und unser Spiel zu finden. Das schien der Schlüssel zu sein, denn es hat funktioniert. Die entscheidenden Faktoren waren objektiv betrachtet unsere Tore in den Drangphasen der SG, eben diese waren für den Gegner im ersten und dritten Spiel ziemlich schwer zu verdauen.

Im entscheidenden dritten Spiel stand es sehr früh 0:2 gegen euch. Was ging dir dabei durch den Kopf?

Bereits in den Halbfinalbegegnungen haben wir teilweise deutliche Rückstände aufholen und  daraus als Team große Stücke an mentaler Stärke gewinnen können- den Kopf nicht hängen lassen, sondern an unser Spiel glauben. Das konnten wir mitnehmen und haben das erste sowie das entscheidende Spiel drehen können. Vielleicht brauchen wir es so und genau das ging mir durch den Kopf. Getreu dem Motto – wer 1:0 führt…

Mit vier Toren und drei Vorlagen setzte sich Gatzke in den Playoffs als produktivste Abwehrspielerin durch. / Foto: Rudolf Schuba. floorball-europe.com

Und die Feier danach war ausgelassen?

Die Frage beantwortet sich von selbst, besonders wenn sich nach all der Anspannung Spielerinnen, Freunde, Fans und Trainer in den Armen liegen. Das kannte man ja aus vergangenen Tagen in Halle noch etwas anders. Mit unserem diesjährigen Titel ist diese Euphorieschranke gefallen und ganz Grimma konnte noch bis tief in die sonntägliche Nacht Siegeshymnen von uns hören. Die Fan-Megaphone haben demzufolge nicht nur während des Spiels ihre Aufgabe hervorragend erfüllt.

Wenn wir nur wenige Jahre zurückblicken, finden wir heraus, dass einiges passiert ist. Den damaligen Serienmeister aus Halle gibt es nicht mehr und die Leipziger Löwinnen sackten ab. Aus den beiden Rivalen und weiteren Partnervereinen, insbesondere den Wikingern Grimma, entstand der MFBC. Was erwartest du von deinem Verein für die Zukunft?

Ich denke das kann ich mit dem Schlagwort „Konstanz“ beantworten. Das Team ist im Laufe der Saison oft durch Höhen und Tiefen gegangen, hat sich aber zweifelsohne gefunden. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass all die Arbeit die hinter dem Namen MFBC steckt langfristig mit solchen Erfolge im Damen- als auch im Herrenbereich belohnt wird. Wir sind mit der Auslagerung aus Leipzig und Halle sicher keinen einfachen Weg gegangen, aber die Strukturen, die wir in Grimma vorfinden, sind für unseren Sport im Bezug auf Unterstützer und Hilfsmittel eine große Erleichterung.

Glaubst du eine Teilnahme an der EC-Quali wäre drin?

Die Gespräche zum Thema Europacup werden in den nächsten Wochen laufen.

Die Damenliga tut sich schwer ihren Anspruch als „Bundesliga“ auszubauen. Eigentlich vegetiert sie von Jahr zu Jahr und hofft früher oder später auf einen neuen Aufschwung. Tut das aktuelle System dem Damen-Wettberwerb in Deutschland gut oder sollte man es umkrempeln und vielleicht etwas regionaler aufteilen? Was würdest du empfehlen?

Natürlich sind fünf Mannschaften keine Grundlage für einen bundesweiten Wettbewerb, jedoch wäre eine regionale Aufteilung meiner Meinung nach ein Rückschritt, dafür mangelt es an der Zahl aktiver Damen. Mir steht es wirklich nicht zu über Vor- und Nachteile dieser Bundesliga zu debattieren – dazu fehlt es mir leider an Kenntnissen, die der Verbesserung dienen können und die sollte man bringen, bevor man am aktuellen System etwas auszusetzen hat. Ich würde gerne an Damenmannschaften deutschlandweit appellieren sich den Weg in die höchste Liga zu trauen – eine Saison wird es brauchen, um an das Niveau heranzutreten, aber bereits im zweiten Jahr sind Überraschungen möglich, das haben vergangene Liganeulinge bestätigen können.

Gatzke mit Raumgewinn vor Patzelt. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Die Saison 2007/2008 hat dich ordentlich wandern lassen. Erst bei Zug United an der NLA geschnuppert und den Rest der Saison in Schweden gezockt – was war das für eine Saison und wie hat sie dich geprägt?

Diese Zeit hat für mich spielerisch wie persönlich Höhen und Tiefen gehabt. Mit großen Erwartungen habe ich den Schritt in die höchste Liga der Schweiz gewagt und musste feststellen, dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt. Viele Versprechen wurden gemacht und einfach nicht gehalten, was mich sehr irritiert hat. Glücklicherweise war ich nicht die einzige Spielerin, die ihren Unmut äußerte und nahezu alle ausländischen Akteure kehrten im Laufe der Saison dem Verein ihren Rücken und in ihre Heimat zurück. Ich bekam die Chance einer nach Schweden in ihren Mutterverein zu folgen und dies stellte sich als die beste Entscheidung heraus. Kontrastiver hätten sich beide Aufenthalte nicht gestalten können und die Zeit in Schweden war gut, um das verschwundene Selbstvertrauen wieder aufbauen zu können. Im Nachhinein möchte ich jedoch keine Erfahrung missen, denn der Lernprozess war in jeglicher Hinsicht richtungsweisend.

Wo liegen jetzt deine Prioritäten? Du absolvierst eine Ausbildung zur Logopädin, richtig?

Nachdem ich aus Schweden wiedergekommen bin, war mir lange unklar, ob ich überhaupt wieder zurück auf das Unihockeyparkett, wie es ja damals noch hieß, möchte. Glücklicherweise habe ich neu Vertrauen gefunden und bekam die Möglichkeit meine berufliche Zukunft mit dem Spielen zu verbinden. Ich habe versucht den Floorballtraum im Ausland zu leben und habe merken müssen, dass es für mich nicht funktioniert – Prioritäten sind definitiv der Abschluss, Freunde und Familie und irgendwann der Sport. Ich bewundere Leute, die es schaffen ihren Fokus langfristig auf eine Sache legen zu können, doch mir wäre es zu einseitig.

Und abschließend noch mal persönlich… wie hart wird es für Peter zuhause, wenn er nur Silber holt? Hattet ihr eine Wette laufen, wer weiter kommt?

Ach, zum Glück bietet das Leben ja mehr Facetten und Gesprächsthemen als den Ausgang der Saison. Konkurrenz sollte auf dem Feld stattfinden, das muss man nicht mit über die Türschwelle tragen (schmunzelnd).

Fanny, danke sehr…

Jan, vielen Dank für das Interesse.

(jk)