Ruhe im Sturm

Trotz Hofmanns 17 Tore und 20 Vorlagen verpasste Döbeln das rettende Ufer und muss nun um den Klassenerhalt bangen. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Oliver Hofmann gehört zu den kreativsten Kräften der deutschen Floorballszene. Der 22-Jährige besticht mit Übersicht, Technik und Fitness. Sein Döbelner Heimverein durchlebt aber stürmische Zeiten und vertraut auf die Ruhe seines Topscorers. In der Abstiegsserie liegt der UHC gegen Chemnitz zurück und hofft auf ein spätes Comeback.

Hi Oli, die einen spielen um Medaillen, die anderen haben Urlaub, ihr müsst um den Erhalt kämpfen. Die erste Partie, euer einziges Heimspiel, ist mit 5:10 an Chemnitz gegangen. Was ist schief gelaufen?

Gute Frage. Ich persönlich finde es als Spieler immer schwer einzuschätzen, was warum passiert ist. Fakt ist – bis Ende des zweiten Drittels spielten Chemnitz und wir auf Augenhöhe. Die Wende erfolgte erst in den letzten zwanzig Minuten. Unser größtes Manko, die Chancenverwertung, brach uns hier, wie schon so viele Male, das Genick. Die Chemnitzer dagegen spielten weiter ein sehr druckvolles und vor allem diszipliniertes Aufbauspiel. Vielleicht waren es also die Nerven, vielleicht Glück, ich würde aber auch nicht bestreiten, dass die Floor Fighters ein sehr gutes Spiel gemacht haben.

Jetzt stehen euch im besten Falle noch zwei Partien auswärts bei den Floor Fighters bevor. Dabei liegt euch jetzt das Messer an der Kehle. Wie stehen die Chancen? Kann die Mannschaft mit diesem besonderen Druck umgehen?

Der Druck ist da, ganz ohne Frage. Nichtsdestotrotz haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass wir genau in solchen Momenten über uns hinaus wachsen können. Auch wenn unser Kader recht klein ist und wir auf jeden einzelnen zählen müssen, so lässt sich nicht verleugnen, dass die Maschinerie UHC Döbeln, wenn sie einmal richtig in Gang gekommen ist, ein Feuerwerk vom Stapel lassen kann. Ich bin also voller Hoffnung, dass am kommenden Samstag dies der Fall sein wird.

Natürlich ist noch alles offen, dennoch – Würde der Verein oder zumindest die 1. Mannschaft einen Abstieg zurück in die 2. Bundesliga überhaupt verkraften? Vermutlich würden sich viele Spieler, die bereits anderswo wohnen, auf die Suche nach einem Erstligisten machen, der für sie einen Platz findet.

Das könnte man durchaus vermuten. Jedoch war bereits vorher klar, dass uns einige Spieler verlassen bzw. ihrer sportlichen Karriere vorerst ein Ende setzen werden. Der Rest hat sich dazu bekannt zu bleiben und zur Not auch in der zweiten Liga zu spielen. Sollte uns der Abstieg wirklich treffen, wollen wir doch schließlich so schnell wie möglich wieder in der Königsklasse Fuß fassen. Ich persönlich würde meine Familie auch nicht für eine andere verlassen, nur weil ich zurzeit in einer anderen Stadt wohne.

Hofmann setzt sich gegen Tauchlitz durch. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Döbeln hatte bereits zum Aufstieg in die 1. Bundesliga 2006 einen der talentiertesten Kader. Das Team wirkte sehr homogen und euren Schusskünsten konnte damals im besten Falle Weißenfels konkurrieren. Im Verein selbst gab es einen Plan, dass man binnen dreier Jahre wird an die Spitze aufschließen wollen. Das Potenzial hatte man auf jeden Fall. Nun ist man aber Tabellenletzter und muss um den Ligaerhalt bangen. Wieso hat man in der Zeit nicht mehr aus dem Talent machen können?

Schwer zu sagen. Ohne Frage hatten und haben wir einen Kader voller Potential. In den ersten Jahren mussten wir jede Menge Lehrgeld bezahlen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass uns jedes Jahr wichtige Spieler verlassen haben, deren Ersatz nicht bzw. sehr schwer zu finden war. Größtes Problem war meiner Meinung nach, dass wir mit einem großen Teil der Spieler bereits in der Kinderliga angefangen haben und uns bis in die 1. Bundesliga gespielt haben. Allerdings kamen nur sehr wenige, in den letzten Jahren sogar gar keine Spieler hinzu, die für frischen Wind sorgen konnten. Es ist einfach schwer sich weiter zu entwickeln, wenn man die Spieler im Training seit sieben Jahren und mehr kennt. Letzten Endes haben wir auch in meinen Augen ein großes Defizit bezüglich Kontinuität. Jeder in unserer Mannschaft weiß, was wir zu leisten im Stande sind. Doch irgendwie schaffen wir es nur selten, dieses Potential wirklich abzurufen.

Es ließ sich auch lange Zeit vermuten, dass die Mannschaft lediglich einen erfahreneren Trainer braucht. Die Kombination Döbeln und David Makin wirkte zu Beginn sehr viel versprechend. Warum scheiterte diese Beziehung so früh? Und seid ihr auf der Suche nach einem neuen Trainer, um Uwe Wolf wieder als Spieler nutzen zu können?

Als Trainer war David Makin zu Beginn ohne Zweifel ein Aufschwung, der Aufwind, auf den wir solange warteten. Taktisch wie auch technisch konnten wir jede Menge von ihm profitieren. Nichtsdestotrotz verfolgten wir verschiedene Ziele, die am Ende dann den Bruch bedeuteten. Uwe Wolf war als Spieler genauso eine Stütze wie er jetzt als Trainer für die 1. Mannschaft ist. Ich glaube es ist schwer einen vergleichbar ausgebildeten Trainer zu finden, der gern in Döbeln Fuß fassen wollte. Falls es jedoch dazu kommen würde, denke ich, dass er sich sicher liebend gern wieder das Trikot überstreifen würde. Und wer Uwe kennt, weiß, dass er ohne Schläger und Ball nicht kann.

Vielen nach, ist die Zeit reif, die höchste Spielklasse wieder auf neun oder zehn Teams aufzustocken, was aber natürlich vor Beginn einer Saison entschieden werden müsste. Was hältst du von dieser Idee und was täte der 1. Bundesliga sonst noch gut?

Eine Aufstockung wäre auf jeden Fall sehr interessant und ich würde sie sehr begrüßen. Mehr Mannschaften bedeutet mehr Spiele und dementsprechend mehr Praxis für jeden. Somit wäre sicherlich ein Leistungszuwachs zu verzeichnen. Bei der Frage, was der Bundesliga noch gut tun könnte, bin ich allerdings überfragt. Vielleicht sollten die Schiedsrichter, auch wenn es sehr schwer ist, eine noch fundiertere Ausbildung erhalten. Immerhin sind sie nicht ganz unbeteiligt an den Spielen.

Hofmann, Franze und Haase hoffen auf bessere Zeiten. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Wenn einem das Abstiegsgespenst durch die Halle spukt, ist das final4 überhaupt noch ein Thema? Eigentlich könntet ihr dort doch einen beeindruckenden Erfolg feiern.

Wir betrachten es von der sportlichen Seite. Floorball ist eben ein Spiel bei dem es immer einen Verlierer und einen Gewinner geben wird. Von daher ist das final4 bei uns nicht vom Tisch. Wir haben es bis ins Halbfinale geschafft und dementsprechend werden wir dort auch auftreten. Auch wenn wir in der Liga im Keller spielen und mit dem Abstieg zu kämpfen haben, so werden wir uns beim Abschluss der Saison nicht verstecken und zeigen was wir können. Das Finale ist auf jeden Fall anvisiert.

Und beim Thema Nationalmannschaft muss man nicht lange um den heißen Brei reden – du wärst ein Kandidat, bist aber nicht drin, warum?

Ich persönlich glaube nicht, dass ich zur Zeit die Leistung bringen kann, die für die Nationalmannschaft angemessen wäre. Ich studiere in Leipzig und spiele in Döbeln. Da bleibt das Training hin und wieder auf der Strecke. Klar wäre ein Wechsel in ein Leipziger Team möglich, doch dafür liebe ich viel zu sehr meinen Heimatverein. Nicht zuletzt waren die letzten Trainingslager auch recht kurzfristig berufen, dementsprechend musste ich trotz Einladung aufgrund des Studiums absagen. Außerdem gibt es auch eine große Anzahl an anderen talentierten jungen Spielern in Deutschland.

Oliver, besten Dank und gute Nerven!

Ich danke auch und hoffe auch weiterhin auf eine so hervorragende Arbeit des Floorballmagazins. Alles Gute!

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