Tristesse und Enttäuschung im deutschen Team – Baumgarten, Scholz, Neumann (v.l.n.r.) und Co. bleibt nur noch das Spiel um Platz drei. /Foto: Florian Büchting /unihockey-pics.de
Finale gegen Ungarn oder unbedeutendes “Freundschaftsspiel” gegen Österreich – Diese Frage wurde im abschließenden Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Russland geklärt. In einer zerfahrenen und von vielen Strafzeiten geprägten Partie zerplatzte der Finaltraum der deutsche Equipe durch einen kollektiven Black-out zum Start des Schlussdrittels.
Eine Überraschung gab es bereits vor dem Spiel. Das Trainerteam Kratochvil und Heine setzte seine Rotation auf der Goalieposition fort. Mit Seebergens Mordhorst saß im dritten Spiel zum dritten Mal eine andere Torhüterin zwischen den Pfosten. Nach Recks überzeugender Leistung in der Partie gegen Ungarn war diese erneute Rochade nicht unbedingt zu erwarten. Obwohl alle Kräfte auf zwei Reihen gebündelt wurden, verschlief das Team die ersten Minuten. Folgerichtig ging Russland früh in Führung (5.). Eine Überzahlsituation brachte dann die Möglichkeit zum Ausgleich und obwohl deren Aufbau lange lethargisch und ideenlos wirkte, gelang wie aus dem nichts eine einstudierte Passstaffete, die Engel im Slot verwerten konnte – 1:1 (11.). Nur zwei Minuten später fing Engel einen Pass bei einem russischen Freischlag ab, tankte sich nach vorn und traf schließlich per Drehschuss zur erstmaligen Führung – Dabei sah die russische Torhüterin nicht sonderlich gut aus. Kurz darauf unterlief allerdings auch Mordhorst ein Fehler, als sie einen langsamen Schuss durch die Beine passieren ließ (2:2, 16.).
Der zweite Abschnitt startete mit Überzahl Deutschland. Bis auf einen Fernschuss brachte die jedoch nichts ein, außer einen gefährlichen russischen Konter nach einem unnötigen Fehlpass Neumanns. Wenige Minuten später bekam man erneut die Gelegenheit im fünf gegen vier. Diesmal forcierte man den Aufbau über die linke Seite, wo Gacon aus der Ecke Scholz im Slot fand, die keine Probleme hatte, einzuschießen (28.). Zwei Minuten später folgte das nächste Powerplay, in dem man nicht an das vorherige anknüpfen konnte und meist ungefährlich blieb. Kurz darauf stellten dann auch die Russinnen ihre Überzahlkünste zur Schau, nachdem Baumgarten auf der Bank Strafbank Platz nehmen musste. Der russische Powerplay-Aufbau wirkte aber ähnlich unstrukturiert wie deren gesamtes Spiel, sodass Mordhorst kaum in Bedrängnis geriet.
Gleich zum Start des Schlussdrittels musste man dann aber einen Paukenschlag hinnehmen. Praktisch vom Bully weg brachten zwei Sololäufe die Russinnen binnen 56 Sekunden in Front. Die deutsche Equipe hatte sich einfach überrennen lassen, schien mental noch in der Kabine. Waren sie im zweiten Abschnitt noch klar unterlegen, wirkten die Russinnen nun viel aktiver und auch zwingender, Deutschland lief meist nur hinterher und wurde nur noch durch Konter gefährlich. Dazu kamen noch zahlreiche Unkonzentriertheiten, sodass man froh sein musste, zehn Minuten vor dem Ende noch in Schlagdistanz zu sein. Dann wurde das deutsche Spiel wieder zielstrebiger, Russlands Goalie Troshina steigerte sich aber ebenfalls, sodass es bei dem knappen Rückstand blieb. In der 55.Minute folgte dann das zweite russische Powerplay, als Entelmann zwei Minuten kassierte. Dieses wirkte deutlich strukturierter als der erste Versuch im zweiten Abschnitt und wurde nur durch viel Glück ohne Gegentor überstanden. Kurz darauf musste dann Neumann runter – bei nur noch drei Minuten Spielzeit. In den turbulenten Schlusssekunden gab es noch eine Strafe gegen Russland sowie gegen das deutsche Team. Am Spielstand änderte sich jedoch nichts mehr.
Damit ist der Finaltraum und die Hoffnung auf eine Revanche gegen Ungarn geplatzt. Gegen ein oftmals unkoordiniert agierendes russisches Team hätte es lediglich eines strukturierten und zwingenderen Spielaufbaus mit präziserem Passspiel gebraucht, um die vorhandenen Räume besser zu nutzen. Stattdessen entschied ein russischer Doppelschlag, symptomatischerweise nach Einzelaktionen, eine Partie, die man niemals hätte verlieren müssen. Damit trifft man morgen Mittag im Spiel um Platz drei wieder auf Österreich. Das folgende Finale zwischen Russland und Ungarn wird man hingegen nur von der Tribüne aus erleben. Auch wenn man vom deutschen Team imn Vorfeld keine Wunderdinge erwarten durfte, so ist die verpasste Endspielteilnahme doch eine herbe Enttäuschung.
Deutschland – Russland 3:4 (2:2, 1:0,0:2)
(tn)













