Auf ein Wort, Antistar*!

Im Zentrum - Antener (2. v. l., zwischen Bichsel und Schmocker) erzielte in 30 Länderspielen für die Schweiz 37 Punkte. /Foto: Rudolf Schuba /floorball-europe.de

Es war Samstag Abend im Pressezentrum der Euro Floorball Tour im Zürcher Hauptbahnhof. Direkt im Anschluss der Partie der gastgebenden Schweizer gegen Schweden (3:9), bat Floorballmagazin den eidgenössischen Hoffnungsträger Emanuel Antener zum Interview. Und obwohl der quasi frisch vom Feld kam und wir seine wohlverdiente Dusche noch weiter verzögerten, entstand ein gutes Gespräch. Angefangen von der Analyse der klaren Niederlage, über die Chancen der Schweiz bei der kommenden WM in Finnland, bis hin zu seiner wechselhaften Saison in Schweden beantwortete der 22-jährige Stürmer alle Fragen freundlich und wortreich – Um nach getaner Arbeit endlich in Richtung Tram abzurücken. Vor ihm standen schließlich noch zwölf Minuten Fahrt bis ins Hotel.

Floorballmagazin: So kurz nach eurem zweiten Spiel im Zürcher Hauptbahnhof – Habt ihr euch langsam an die speziellen Gegebenheiten vor Ort gewöhnen können?

Emanuel Antener: Das ist eigentlich kein großes Problem. Wir wussten das es sehr speziell wird. Nicht von den Spielen her, aber vom ganzen drum herum – die Anreise mit der Tram, die Garderoben unter der Tribüne. Aber das ist für die anderen Teams genau das gleiche. Diese Dinge benötigt es auch, damit man so ein Event ermöglicht. Wir wissen, dass so etwas dazugehört, das ist nicht so ein großes Ding. Verloren haben wir deswegen jedenfalls nicht. (lacht)

Gegen Schweden ward ihr technisch und taktisch klar unterlegen. Sie wirkten zudem viel abgestimmter als ihr. Lag das an euren zusammengewürfelten Reihen oder ist dies ein genereller Unterschied, der da besteht?

Von beidem ein wenig. Es ist klar, dass vor allem offensiv, die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Spieler bei Schweden besser ausgereift sind. Sie haben auch mehr Möglichkeiten der Auswertung. Und über die Jahre hinweg haben sie sich einfach das größere Reservoir an qualitativen guten Spielern aufgebaut. Andererseits waren wir schon oftmals nahe dran. So zum Beispiel heute (24.04., d. Red.) im ersten Drittel, haben wir mindestens gleich gute Chancen wie sie, nur steht es 0:1. Und dann steht es 2:5 nach 40 Minuten, da waren sie vielleicht ein bisschen besser. Aber wenn es nach zwei Dritteln ausgeglichen ist, sieht es etwas anders aus. So ist es jedoch klar, dass wir nicht die Möglichkeiten haben, sie an die Wand abzuspielen und einen solchen Rückstand aufzuholen. Und wenn wir ihnen dann die Räume geben, weil wir öffnen müssen, nutzen sie das qualitativ gut aus.

Antener im Duell mit Schwedens Gillek - Teamkollegen unter sich. Beide spielen bei AIK Solna. /Foto: Florian Büchting /unihockey-pics.de

Ist das dann eher eure Nervosität oder die Abgeklärtheit der Schweden?

Ja, ich denke, es ist vor allem die Routine in diesen entscheidenden Situationen. Wir haben jetzt unser internationales Niveau so weit gekriegt, dass wir insgesamt gut mithalten können. Aber fast nach jedem Spiel sprechen wir über unsere Effizienz. Wir hatten gestern gegen Finnland die gleiche Situation wie heute gegen Schweden. Da hatten wir zwar den Start verschlafen, aber über das ganze Spiel hinweg dann deutlich mehr Abschlüsse, auch aus guten Positionen. Nur, wir hatten viele gute Abschlusspositionen und machten vier Tore und sie hatten weniger Schüsse aufs Tor und machten dennoch mehr Tore (in diesem Fall sieben, d. Red.). Und dass ist nicht einfach nur Zufall, genau in diesen Situationen sind sie eben noch deutlich abgeklärter.

Wie siehst du, acht Monate vor der WM, die Chancen der Schweiz? Bekommt ihre eure Effizienz bis dahin in den Griff?

Es ist klar, es muss viel stimmen und wir müssen hart arbeiten, um mit Schweden oder Finnland einigermaßen mitzuhalten und sie in einem einzelnen Spiel auch bezwingen zu können. Aber wenn wir diese Arbeit leisten, wenn wir richtig eingestimmt sind und besser aufeinander eingespielt…(überlegt kurz) Wir haben noch ein paar Trainingswochen zusammen. Wenn wir da noch etwas mehr Abstimmung in die Linien bekommen, dann trau ich uns doch zu, sie wieder einmal an den Rand einer Niederlage zu bringen.

Persönlich hast du eine sehr wechselhafte Saison hinter dir – mit einem starken Beginn, als zwischenzeitlicher Topskorer bei AIK Solna. Danach kam aber eine Verletzung, in deren Anschluss du nur noch sporadische Einsätze hattest. Warum hast du hinten heraus nur noch so wenig Spielzeit bekommen?

Das sind ein bisschen zweierlei Dinge. Das Eine ist, dass es am Anfang wirklich über Erwarten gut gelaufen ist. Ich habe da vielleicht nicht gerade über meinen Möglichkeiten, aber doch ziemlich nahe dran gespielt, vor allem was Effizienz und solche Dinge betrifft. Dazu haben wir auch eine extrem gute und starke Linie gefunden, die funktioniert hat. Und dann hat sich ein Spieler nach dem anderen verletzt. Zuerst (Fredrik) Djurling, als er zurückkam, war ich verletzt und als ich zurück war, fiel Kim Nilsson aus. Dadurch haben wir ein bisschen die Abstimmung und etwas an Qualität verloren. Ich selbst konnte durch die Verletzung mein anfängliches Niveau nicht ganz durchziehen. Ich muss aber sagen, dass ich auch nach der Verletzung im Frühling bis zum Ende der Qualifikation immer in den ersten zwei Linien gespielt habe. Nur habe ich da die Leistung vielleicht nicht mehr ganz so gebracht.

Sympatischer Interviewpartner - Antener zwischen Spiel und Dusche im Gespräch mit Floorballmagazin. /Foto: Rudolf Schuba /floorball-europe.de

In den Play-offs hat du dann kaum mehr gespielt.

Es ist ziemlich unglücklich gelaufen, personell gesehen. Wir hatten eine deutliche Strategie mit der Rollenverteilung der beiden Linien. Und weil ich meine Stärken eher in der Offensive habe, hat es knapp nicht in die erste Linie gereicht, sicher auch wegen meinen nicht genügend überragenden Leistungen im Frühling. Die zweite Linie war dann vor allem defensiv ausgerichtet, und da gab es auch stärkere oder zumindest defensiv bessere Spieler als mich.

Wo hast du eigentlich deine ungewöhnlich gute Spielübersicht gelernt. Bereits hier in der Schweiz oder in erster Linie während der vergangenen Saison in Schweden?

In Schweden habe ich vor allem gelernt, es konstanter abzurufen. Da habe ich mich an das dauerhaft hohe Niveau und das schnellere Spiel gewöhnt. Ich hatte schon vorher in der Nationalmannschaft oft so einzelne Einfälle oder sehr gute Momente, indem mir beispielsweise schöne raumöffnende Pässe gelangen. Aber dann war es auch oft so, dass ich überfordert war, weil ich das hohe Niveau einfach nicht gewöhnt war und deshalb dann auch viele Ballverluste und Risikopässe fabriziert habe. Einen großen Teil meines jetzigen Spiels habe ich mir jedoch in der Schweiz angeeignet, als ich in Köniz in einer Linie mit (David) Blomberg und (Daniel) Calebsson gespielt habe (die seinerzeit berüchtigte ABC-Linie, d. Red.).

Im Trikot von Köniz gelang Antener 2007 als Teil der ABC-Reihe der Durchbruch. /Foto: swissunihockey.ch

Wenn du abschließend den Querschnitt zwischen SML und SSL ziehen müsstest. Wie fiele der aus?

Die Breite ist in Schweden etwas ausgeprägter, die Spitze ebenfalls. Das heißt, in der Schweiz gibt es zwei, drei Topteams, allen voran Wiler, die auch in Schweden gut mithalten könnten. Aber dann kommt das breite Mittelfeld, das niveautechnisch schon klar tiefer liegt. In Schweden ist das Mittelfeld dagegen viel breiter. Die guten Teams der Schweiz könnten auch in Schweden um die Play-offs mitspielen, Wiler vielleicht auch um die Toppositionen. Aber so in der Breite ist die Verwässerung des Niveaus in der Schweiz natürlich viel ausgeprägter und in Schweden gibt es dagegen auch noch Spieler in den unteren Ligen, die es ziemlich drauf haben.

(tn)

* „Antistar“ war seinerzeit der Titel eines Porträts über Emanuel Antener in Ausgabe 33 des Schweizer Magazins unihockey.ch. Zu diesem Zeitpunkt spielte er noch bei Floorball Köniz und sorgte als Teil der ABC-Linie für Furore.