Startschuss für die Damen

WM als Ziel – Deutschland muss erstmal die Qualifikation schaffen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.com

Am vergangenen Wochenende fand in Halle das erste Sichtungslager der deutschen Damen-Nationalmannschaft unter dem neuen Trainerstab statt. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Head-Coach Simon Brechbühler über die Herausforderungen der Vorbereitung auf die Qualifikation für die WM 2011 und die Tücken der Entwicklung des Damenbereichs in der Bundesrepublik.

“Der erste Eindruck war sehr positiv” stellt Brechbühler nach dem ersten gemeinsamen Termin der deutschen A-Damen fest. Ähnlich wie bei den Herren musste der Trainerstab insbesondere bei den durch die Vereinstrainer nachnominierten Spielerinnen einige kurzfristige Absagen verkraften.”All die Spielerinnen, die aber erschienen sind, zeigten sich topmotiviert und waren wissensbegierig. Wir hoffen in Zukunft eine noch längerfristigere Planung zu haben und auch allfällige Abmeldungen so früh wie möglich zu erfahren und diese auf ein Minimum zu reduzieren.”

Das Potenzial der Mannschaft soll nicht das Problem sein, meint Brechbühler. “Vor allem junge Spielerinnen aus der Bundesliga haben uns überzeugt. Es gilt nun die richtige Mischung zu finden. Wir können auf fast allen Positionen eine gute Auswahl treffen.” An einem ersten Schnitt wird man aber nicht vorbeikommen. “Es werden leider auch einige Spielerinnen über die Klinge springen müssen, welche mit ihren Spieleigenschaften die gesuchten Anforderungen noch nicht vollständig erfüllen.” Den Trainerstab unterstützten organisatorisch diverse geladene Kräfte, wie beispielsweise sechs Studenten der Hallenser Universität, Physiotherapeuten, Nationaltorhüter Patrick Schmidt und weitere Gäste.

Floorballmagazin: Servus Simon, das erste Sichtungslager ist vorüber. Kurz und knapp, hat es deine Erwartungen erfüllen können?

Simon Brechbühler: Meine Erwartungen wurden zum größten Teil erfüllt, in einigen Bereichen sogar übertroffen. Die Organisation und das ganze Umfeld klappte für’s erste Mal ganz ordentlich. Und auch die Trainings gingen sehr positiv über die Bühne.

Zu den von euch Nominierten waren auch Spielerinnen geladen, die von ihren Trainern empfohlen wurden. Welche von diesen konnten euch derart überzeugen, dass ihr sie auch zum nächsten Zusammenzug wieder einladen werdet? Und wie sah der Selektionsprozess aus?

Welche Spielerinnen wir zum nächsten Zusammenzug wieder einladen, steht heute noch nicht abschließend fest. Wir können aber sagen, dass einige Spielerinnen durchaus überzeugt haben und sich auch gute Chancen ausrechnen dürfen ins Team vorzustossen. Wir haben am Samstag Tests gemacht und anschliessend die Spielerinnen das ganze Wochenende über beobachtet. Wir haben Positionen ausgetestet und die Spielerinnen teilweise auch bewusst vor neue und unbekannte Situationen gestellt. Diese Anforderungen wurden ganz unterschiedlich gelöst. Wir konnten aber einen guten Eindruck kriegen, welche Spielerinnen sich fürs Team aufdrängen und welche zurzeit eher weniger.

Gibt es Schlussfolgerungen, wo das Trainerteam die wichtigsten Baustellen erwartet? In welchen Bereichen muss die deutsche Auswahl zulegen, wenn man wieder an einstige Konkurrenten wie Dänemark oder Polen aufschließen will?

Ich kann keine Vergleiche mit Polen oder Dänemark ziehen, ich weiss nicht wo diese Nationen stehen. Was ich aber sagen kann, wir haben ein großes Gefälle im Team und wir haben nur sehr wenige komplette Spielerinnen. Es gibt viele Spielerinnen die haben zahlreiche Stärken, aber auch ihre Schwächen. Nun gilt es, den Spielerinnen ihre Stärken bewusst zu machen und darauf aufzubauen, gleichzeitig aber auch an den Schwächen zu arbeiten. Hier merkt man einfach, dass in Deutschland die Spielerinnen nicht eine mehrere Jahre dauernde professionelle Nachwuchsausbildung durchmachen und deshalb nicht in allen Bereichen gleich gut ausgebildet sind. Woran man sicher allgemein arbeiten muss ist im Bereich der Ballführung und Ballsicherheit, da können wir uns noch steigern und verbessern. Das taktische Verständnis und Aufnahmefähigkeit ist dafür bei einigen Spielerinnen schon sehr ausgeprägt vorhanden. Wir werden nun den Spielerinnen individuelle Trainingstipps geben und versuchen sie so auf ein höheres Level zu bringen.

In der WM-Quali soll wieder gejubelt werden. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.com

Nun hadert man in Deutschland etwas mit dem Zustand des höchsten Damenwettbewerbs, der 1. Bundesliga. Die Teilnehmerzahl für 2010/2011 wird auf fünf geschätzt, Zukunft ungewiss. Gibt es einen Modus, den ihr als Bundestrainer präferieren würdet?

Am vorherigen Wochenende fanden Gespräche zwischen den Nationaltrainern und Vertretern des Verbandes statt. Aus Sicht der Nationalmannschaft ist es unabdingbar, dass die Bundesliga bestehen bleibt. Aber mittelfristig gesehen ist es auch wichtig, dass Nachhaltigkeit einkehrt und die Vereine in die Nachwuchsarbeit investieren. Es wurden verschiedene Modelle besprochen und in den nächsten Wochen folgen weitere Diskussionen mit den betroffenen Vereinen. Erst danach werden konkrete Vorschläge in die Tat umgesetzt.

Ein Thema der letzten Wochen war auch die Auslastung von U19-relevanten Spielerinnen. Wie sollen die Regeln hierbei aussehen und welche Rolle spielt die U19-Nationalmannschaft in der Bildung des A-Kaders?

Die U19-Nationalmannschaft ist das Juniorinnenkader der Damenauswahl. Hier sollen Spielerinnen an ein internationales Niveau herangeführt werden. Mittelfristig könnte es aber schwierig werden, den direkten Sprung ins A-Kader zu schaffen. Hier muss man sich überlegen, wie man diese Spielerinnen nach der U19 weiterbetreuen will. Es gibt einige wenige Spielerinnen, welche für beide Kader in Frage kommen. Bei solchen Spielerinnen ist es ganz wichtig, dass eine langfristige Planung erstellt wird, damit diese Spielerinnen für beide Teams berücksichtig werden können. Das Ziel ist es jedoch, dass sämtliche Spielerinnen, welche U19 sind, bei der nächsten U19-WM auch dabei sind. Ich bin zuversichtlich, dass hier die beiden Betreuerstäbe gut zusammenarbeiten und am selben Strick ziehen.

Die Saison ist praktisch vorbei. Wann stehen die nächsten Termine an und wie wird die individuelle Vorbereitung der Nationalspielerinnen gestaltet?

Nun sollen die Spielerinnen erstmal Pause machen und dann verletzungsfrei ins Sommertraining starten. Sie erhalten von uns individuelle Trainingspläne und Zielsetzungen. Wir wollen langsam aber stetig Fortschritte machen. Im September gibt’s die nächste Standortbestimmung und bis dahin soll noch mal ein großer Schritt nach vorne gemacht werden.

Simon, besten Dank!

Danke dir. (jk)

Teilnehmerinnen des Sichtungslagers (Halle, Mai 2010):
Svenja Zell (Red Lions Frauenfeld, CH)
Cindy Weber (Floor Fighters Chemnitz)
Katja Leonhardt (Floor Fighters Chemnitz)

Lisa Bartsch (UHC Weißenfels)
Laura Neumann (UHC Weißenfels)
Nathalie Köllner (UHC Weißenfels)
Sara Patzelt (UHC Weißenfels)
Pauline Baumgarten (UHC Weißenfels)
Jenny Horn (UHC Weißenfels)
Nancy Gatzsch (UHC Weißenfels)
Magdalena Tauchlitz (UHC Weißenfels)
Andrea Gerdes (Hatsina, FIN)
Frederike Scholz (TSV Bordesholm)
Lisa Merle Entelmann (VfR Seebergen)
Franziska Mietzsch (SV Chemie Genthin)
Laura Hönicke (SSV Heidenau)
Kristin Chmelik (SSV Heidenau)
Franziska Kuhlmann (SSV Heidenau)
Kathleen Schmelzer (SSV Heidenau)
Carolin Piorun (BAT Berlin)
Berit Paulsen (Westfälischer FC)
Carolin Henze (TV Refrath)
Anika Mähler (FB Riders Dürnten-Bubikon-Rüti, CH)
Juliane Hoffmann (VfR Seebergen)
Katja Timmel (Red Ants Winterthur, CH)
Michaela Nusser (PSV München)
Antje Schmidt (MFBC Wikinger Grimma)
Sonja Dietel (MFBC Wikinger Grimma)
Susanne Straßburger (MFBC Wikinger Grimma)
Anne-Marie Mietz (MFBC Wikinger Grimma)
Josephin Gacon (SC Eintracht Berlin)
Lisa Glaß (MFBC Löwen Ladies Leipzig)
Claudia Mende (MFBC Löwen Ladies Leipzig)
Corinna Müller (MFBC Löwen Ladies Leipzig)
Antje Schmidt (MFBC Löwen Ladies Leipzig)
Ivonne Marschall (FC Stern München)
Carina Grass (ESV Ingolstadt)
Annalena Funk (SV Ochsenhausen)
Stefanie Ammann (SV Ochsenhausen)
Ingrid Ebensperger (PSV München)

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