Wie in guten, so in schlechten Zeiten

Ole Neitz und seine Mannen erwartet in der 2. Bundesliga eine harte Probe. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Zusammen mit Hamburgs Pokalerfolg war der Abstieg der Bremer Bundesligisten vermutlich die größte Überraschung, die die 1.Bundesliga je zu verkraften hatte. Gegen den Außenseiter aus Bonn scheiterte man zweimal 3:4 und kam somit am Schicksal nicht vorbei. Das Floorballmagazin unterhielt sich Wochen nach dem Paukenschlag mit Kapitän Ole Neitz über anstehende Herausforderungen und Eiches neue Weltordnung.

Hi Ole, tut’s noch weh?

Nein, eigentlich nicht. Die meiste Zeit denke ich zum Glück und besonders bei dem guten Wetter an andere Sachen. Aber manchmal…

Was ging dir persönlich nach dem Schlusspfiff zum Ende des zweiten Spiels durch den Kopf? Hättest du etwas anders gemacht?

Ich glaube ich dachte etwas wie „Verdammt, das wars jetzt wohl tatsächlich“. Ich muss gestehen, dass ich mir die ganze Situation bis zum Ende der Partie nicht wirklich vorstellen konnte. Als es mit dem Schlusspfiff dann doch feststand, fand ich das in erster Linie verblüffend. Ich finde es in solchen Fällen sehr müßig sich zu fragen, ob man etwas anders hätte machen können. Ich hatte für jede Entscheidung, die ich getroffen habe gute Gründe und würde es in einer entsprechenden Situation wieder so machen. Was natürlich nicht heißt, dass ich nicht aus Fehlern lernen kann! Aber im Nachhinein ist man ja immer… und so.

Beide Partien gingen mit 3:4 verloren und hatten einen ähnlichen Verlauf. Was lief schief?

Wir haben es bis zum Schluss nicht geschafft in einen angemessenen Spielfluss zu kommen und konnten so nie unsere spielerischen Stärken wirklich ausspielen. Wenn man nur 3 Tore in einem Spiel schießt, braucht man sich natürlich nicht wundern, dass man verliert. Die Gegentore waren dann individuelle Unachtsamkeiten, aber die passieren im Spiel nun mal. Ich fürchte die Fähigkeit das eigene Tempo und Spiel dem Gegner aufzuzwingen, besonders wenn er spielerisch schwächer ist, anstatt sich umgekehrt selbst anzupassen, fehlt unserem Team in vielen Fällen leider noch.

Dabei habt ihr die Ligaphase mit einer starken Leistung in den Relegationsrunden abgeschlossen. Wieso konntet ihr diesen Aufschwung nicht mitnehmen?

Auch wenn jeder einzelne bei uns selbstverständlich fest entschlossen in die Relegationsspiele gegangen ist, hat man doch gemerkt, dass die Saison für manche vielleicht etwas zu lang war. Insbesondere vor dem Hintergund unserer langen Durststrecke. Natürlich will man sich selbst und allen anderen dann zum Schluss nochmal beweisen, was wirklich geht. Aber dieser Druck macht es auch nicht gerade leichter.

Eiche wird es schwer haben Leistungsträger zu halten - Topscorer Kleinhans zieht es angeblich in die Schweiz. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

2007/2008 wart ihr im Pokalfinale, 2008/2009 gabs die Eiche-Doku und ihr habt in der Bronzeserie um Edelmetall gekämpft und 2009/2010 kam plötzlich der Abstieg. Was hatte diesen Fall verursacht?

Der Abstieg ist natürlich auch für uns eine außergewöhnlich schlechte Leistung, dennoch würde ich nicht von besonders bemerkenswerten „Fall“ reden. Wir hatte immer unsere Aufs und Abs. Wir hatte bereits zur Saison 08/09 große personelle Veränderungen und eine kräftige Verjüngung der Mannschaft. Dass die anschließende Saison so gut lief, war ein Stück weit vielleicht überraschend, zeigt aber in erster Linie das grundsätzlich immer alles drin ist. Leider schließt das im Extremfall auch einen Abstieg mit ein.

Nun sind beide gefährdeten Erstligisten abgestiegen. Was bedeutet dies für die 1. Bundesliga und ihr Teilnehmerfeld und welche Chancen sprichst du Bonn zu?

Also ich werde uns in der 1. Liga vermissen (schmunzelnd). Insgesamt würde ich aber sagen, tut die offensichtlich realistische Chance abzusteigen der Liga gut. Es gibt ernsthaften Druck „von unten“ und die Liga wird noch spannender. Ohne Bonns Leistung in der Relegation schmälern zu wollen, fürchte ich doch, dass es äußerst schwer für sie sein wird in der 1. Liga zu bestehen. Umso mehr wünsche ich ihnen aber viel Glück und Erfolg!

Was zieht der Abstieg für euren Verein und das Team als Konsequenzen nach sich? Wird man im Stande sein den bereits engen Kader zu halten, um sich den Wiederaufstieg als Ziel vorzunehmen?

Wir werden in der 2. Liga mit dem Einsatz und Ehrgeiz weiter machen, wie bisher. Bis auf wenige Veränderungen steht das Team dafür im Goßen und Ganzen auch. Organisatorisch müssen wir vielleicht ein wenig umstellen, aber ansonsten läuft das schon. Der Wiederaufstieg ist ganz klar ein realistisches aber auch ehrgeiziges Ziel für die kommende Saison.

Der Kapitän bleibt an Bord - Ole Neitz hat den Wiederaufstieg fest im Visier. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Nun kann man definitiv davon sprechen, dass die erste Mannschaft den so genannten „Anschluss“ verloren hat. Wie wollt ihr es schaffen, langfristig wieder Aufwind zu bekommen und als Erstligist vorne mitzumischen?

Wie schon gesagt, mit einem jungen, freudigen Team wie wir es haben ist im Guten wie im Schlechten alles drin. Von daher wäre ich mir nicht zu sicher, ob der „Anschluss“ wirklich verloren ist. Wie schnell man an die Spitze kommen kann hat doch nicht zuletzt Hamburg diese Saison gezeigt. Da reichen bereits relativ geringe personelle Verstärkungen und das Team wächst insgesamt. Wieso sollte das bei uns nicht auch möglich sein? Wir haben einen große Jugendbereich und sind nach wie vor das „professionellste“ und stärkste Team in einer Region mit immer mehr Vereinen. Daraus werden sich mit Sicherheit mittelfristig Chancen ergeben. Vielleicht gerade aus der 2. Liga heraus.

Ole, besten Dank, und hoffentlich seid ihr bald zurück.

Ok, danke auch, wir sehen uns! (jk)

Kommentare

  1. Gute Einstellung, wir freuen uns schon auf spannende Spiele gegen Bremen!