„Das könnte passieren.“

Brust raus - Köln will sich nun im zweithöchsten Wettbewerb Deutschlands behaupten. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Ähnlich wie der SSF Bonn, steht auch der ASV Köln für den Floorball-Aufschwung im Westen der Republik. Die Herren des Großvereins schafften den Sprung in die 2. Bundesliga und gelten dort nach einigen namhaften Verstärkungen als Geheimtipp. Der reife Kader lässt aber auch Fragen in Richtung Zukunft offen. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Kölns Medienbeauftragter Manuela Spröwitz über eine besondere Aufbruchsstimmung.

Floorballmagazin: Mal ins Blaue gefragt, wie geht es den Floorballern und Floorballerinnen vom ASV in der Sommerpause?

Manuela Spröwitz: Ganz hervorragend. Auch bei uns hat natürlich die Vorbereitung auf die neue Saison bereits begonnen. Es ist wie überall. Manche mögen die konditionelle Schinderei, andere finden es grausam. Sowohl die Damen als auch die Herren tanken seit einigen Wochen abseits des Spielfeldes zusätzlich Kraft und Ausdauer. Nur unsere Kinder und Jugendlichen pausieren bis zum Ende der Sommerferien.

Die Herren erwartet ihre erste Saison in der 2. Bundesliga und nicht wenige vermuten, dass man dort sogar um die Aufstiegsspiele kämpfen könnte. Sieht man das in Köln auch so? Was sind die Ambitionen für 2011 und danach?

Das könnte tatsächlich passieren, denn wir haben ein gutes, homogenes Team. Die vergangene Regionalliga-Saison haben wir mit einer weißen Weste beendet. Auch bei knappen Spielständen haben wir einen kühlen Kopf bewahrt und letztendlich gewonnen. Das war wichtig und hat den Jungs sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Alle freuen sich riesig auf die Herausforderung „2. Bundesliga“. Wir wollen gute Partien abliefern und möglichst weit vorn landen. Es ist jedoch nicht unser erklärtes Ziel, in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Für die 1. Bundesliga benötigt man mindestens 15 starke Spieler, für die Floorball mehr als ein Hobby ist. Intensiveres Training, Auswärtsfahrten, finanzielle Eigenbeteiligung – nur einige von uns könnten und würden diesen Mehraufwand voraussichtlich in Kauf nehmen. Außerdem hat unser aktueller Kader ein durchschnittliches Alter von knapp 29 Jahren. Damit sind wir wahrscheinlich schon in der kommenden Saison die Senioren der Liga. Wir sind mächtig gespannt auf unsere Gegner und werden in jedem Match alles geben. Nach der Hinrunde sind wir schlauer und schauen weiter.

Die Hoffnung von morgen - Der Nachwuchs des ASV Köln. / Foto: Bildarchiv des ASV Köln

Die Mannschaft hatte bereits einen soliden Kader und kann nun unter anderem auch mit den gestandenen Größen Jan Ehmann und Janik Pfeiffer auf erfahrene Neuzugänge zugreifen. Wie kam es zu dieser Akquise und werden noch andere neue Namen erwartet?

Es ist eine feine Sache, wenn man mit einem Schlag drei Verstärkungen dieses Kalibers bekommt. Janik Pfeiffer (25), Hannes Mützelfeldt (23) und Goalie Jan Ehmann (24) sind natürlich eine qualitative Bereicherung für das Team. Das Trio bringt außerdem wichtige Bundesliga-Erfahrung aus Bremen mit. Janik ist zudem aktueller Nationalspieler und Jan hat ebenfalls einige Länderspiele für Deutschland bestritten. Alle drei haben in den vergangenen beiden Jahren bei unserem Liga-Konkurrenten und direkten Nachbarn TV Refrath gespielt. Die Lust auf etwas höherklassigen Floorball hat den Ausschlag für den Wechsel zum ASV Köln gegeben. Die Jungs wohnen und studieren in Köln. Daher bot sich der Vereinswechsel an. Dennoch sind wir sehr glücklich, dass sich Janik, Hannes und Jan für den ASV entschieden haben. Bonn ist nah und bekanntlich spielt das Team noch eine Etage höher. Unser Kader besteht derzeit aus 25 Spielern. Damit lässt sich sehr gut arbeiten. Weitere Verstärkungen sind derzeit nicht geplant.

Die Damen des Vereins lassen sich aber auch nicht lumpen. Platz drei bei den DM im Kleinfeld war eine angenehme Überraschung. Wie sehen dort die Pläne für die Zukunft aus?

Das hat uns auch sehr überrascht – natürlich im positiven Sinn. Unser Damen-Team existiert erst seit eineinhalb Jahren. Hauptsächlich besteht die Mannschaft aus Spielerinnen, die sich über das Floorball-Angebot des Hochschulsports kennengelernt haben. Daraus ist eine tolle Truppe gewachsen, die mit Daniel Mahnken einen top-motivierten und engagierten Trainer an ihrer Seite hat. Auch in der kommenden Saison werden die Mädels in der Regionalliga West (Kleinfeld) antreten. Zusätzlich werden sie im neuen Pokal-Wettbewerb „Floorball Deutschland Cup“ starten. Perspektivisch schielen wir Richtung Großfeld. Momentan sieht es aber leider nicht danach aus, dass in den kommenden ein, zwei Jahren eine Großfeld-Regionalliga West entsteht.

Unerwarteter Segen - Die Kölner Damen belegten bei der Kleinfeld-DM den dritten Platz. / Foto: Bildarchiv des ASV Köln

Und wenn man noch einen Blick auf den Jugendbereich wirft, dann weiß man endgültig, dass es in Köln aufwärts geht, oder?

Im Vergleich mit anderen Vereinen ist unsere Nachwuchsdecke relativ dünn. Insgesamt trainieren 25 Kids im Alter von sieben bis 16 Jahren bei uns. Die U11 ist mit 13 Spielern die stärkste Fraktion. In der kommenden Saison starten die drei Jugendmannschaften des ASV (U17, U15, U11) in den jeweiligen Jugendligen des NWUV. Die U17 wird dabei in einer Spielgemeinschaft mit dem TV Refrath spielen.

Unsere drei Jugendtrainer Moritz Moersch (22), Patrick Franke (19) und Hendrik Pohlers (34) investieren sehr viel Zeit und Geduld, um unsere Jüngsten voran zu bringen. Leider haben wir es noch nicht geschafft, unsere Floorball-Füße erfolgreich in eine Kölner Schule zu setzen. Daran arbeitet unser Abteilungsvorstand gerade. Sollte uns das gelingen, müssen wir uns um die Rekrutierung unseres Nachwuchses künftig weniger Sorgen machen.

Mit dem Großverein ASV Köln steht man ja auch auf einem starken Fundament. Was sind dennoch die größten Herausforderungen, die die Abteilung in nächster Zeit bewältigen muss?

Sicherlich hat der ASV in Köln und über die Stadtgrenzen hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Dennoch werden uns natürlich nicht alle Wünsche von den Augen abgelesen. Unser Budget ist nicht größer als das anderer Abteilungen und die Sponsoren stehen auch bei uns nicht gerade Schlange. Eine der größten Herausforderungen in den kommenden Monaten wird sein, neue Kinder und Jugendliche für unsere Abteilung zu gewinnen. Gleichzeitig benötigen wir weitere Hallenzeiten für unsere Kids. Die Kapazitäten in der Vereinshalle sind ausgeschöpft. Neue Lösungen müssen gefunden werden.

Die jüngste Herausforderung ereilt uns schon in wenigen Wochen – Am ersten September-Wochenende findet zum sechsten Mal das Floorball Festival Cologne statt. Sechzehn Teams aus acht Ländern wollen ein perfektes Turnier erleben. Diesem Anspruch wollen wir natürlich mehr als gerecht werden. (jk)