Anekdoten aus der goldenen Stadt

Rechts, links, rechts - "Karlander" bittet Steineck zum Tanz. Der kann nicht folgen. /Foto: Bildarchiv Czech Open; AllStarFoto.com

Unbestritten sind die Czech Open in jedem Jahr DAS Highlight des Sommers. Es ist diese spezielle Mischung aus großartigem Sport und dem ganz speziellen Flair von Prag, die das Turnier nicht nur zum größten sondern auch unbestritten besten der Welt machen. Bei dieser Konstellation steht außer Frage, dass sich auch abseits des allgemeinen Fokus kuriose Geschichten ereignen. Floorballmagazin hat einige gesammelt.

Eigentor nach Plan

Der schwedische Erstdivisionist Munka-Ljungby avancierte mit seinem abgeklärten, typisch skandinavischen Spiel im Laufe der ersten KO-Runden zum heißesten Anwärter auf den Titel in der Herren-Kategorie. Ursprünglich hatte man sogar in der Elite starten wollen, war bereits angemeldet. Eine Woche vor Turnierbeginn bestätigte jedoch ein weiteres Superligan-Team seinen Start, Munka-Ljungby fiel heraus und „musste“ somit bei den Herren starten. Dumm nur, dass man, offenbar in der Annahme, bei den Elite-Herren ohnehin recht frühzeitig auszuscheiden, den Rückflug bereits Sonntag Mittag gebucht hatte – vor dem Herren-Finale.

Was also tun? Man entschied sich schließlich, dass Viertelfinale am Samstag Abend freiwillig zu verlieren, jedoch nicht ohne dem Gegner vorher zu demonstrieren, dass man im Normalfall gewonnen hätte. Und so kam es, dass man beim Stand von 4:3 zehn Sekunden vor dem Ende ein Eigentor fabrizierte. Das anschließende Penaltyschiessen schenkte man ebenfalls ab und sich selbst damit noch einen feuchtfröhlichen Abend. Für Nutznießer FbS Bohemíans war dann eine Runde später ebenfalls Endstation.

Respekt

Das Ergebnis des letzten Vorrundenspiels von BAT Berlin gegen die Tschechen von Torza Sorry lautete 4:1. BAT sicherte sich damit Platz zwei, Torza blieb nur der letzte Rang. Allesamt Fakten, die schnell vergessen sein werden. Eine Erinnerung aber bleibt bestehen:

Torzas Torwart ist ein großer Mann, vielleicht Ende dreißig. Er wirft sich jedem Schuss mit seinem recht eigenwilligen Stil entgegen, er sitzt etwas tief. Trotzdem fällt sein Handicap nicht weiter auf. Man muss genau hinsehen, um zu erkennen, dass sein linkes Bein amputiert ist. Nach dem Spiel – er hat sein Team mit einigen Paraden vor einer höheren Niederlage bewahrt – sitzt er erschöpft am Boden. Als sich beide Teams abklatschen, richtet er sich jedoch auf. Er hat immer noch genügend Energie, um auf einem Bein hüpfend, dem Gegner seinen Respekt zu erweisen. Vor dieser Leistung kann man sich nur verneigen.

Torzas Goalie in Grundposition - Auf den ersten Blick fällt sein Handicap nicht auf. /Foto: Tom Nebe

Laola und „Clap-Clap“

Wo hatten die Organisatoren eigentlich diese Animateure herbekommen? Eine Frage, die einem beim Finale zwischen Pixbo und Sirius mehr als einmal heimsuchte. Unermüdlich schallten die Rufe des Hallensprecher-Duos durch die Tesla Arena. In Stufe eins wurde das Publikum im Minutentakt zum Klatschen aufgefordert („Clap-Clap!!!“). Das Organ des Sprechers gab den Takt vor, die große Masse stieg mit den im Eingang ausgegeben Applaus-Hilfen (Material: gefaltete Pappe) bereitwillig ein. Interessanter Nebeneffekt: Das synchrone Klatschen der Riesenfächer sorgte für gehörigen Zugwind. Ob dieser einen Einfluss auf die Flugbahn der Bälle hatte?

Als Pixbo im letzten Drittel dann Oberwasser bekam, starteten die Unterhalter vom Dienst – mit leichter Tendenz pro Pixbo ausgestattet – Stufe zwei. Nun wurde das Publikum im Minutentakt zum koordinierten Aufstehen animiert. Laolatime. Der Höhepunkt war schließlich eine Welle, die es dreimal durchs weite Rund. Den Geräuschpegel nach Pixbos letztem Penalty kann man sich sicher vorstellen.

Who is Karlander?

Seit Februar steht Daniel Calebsson nun schon als Neuzugang bei Pixbo Wallenstam fest. Um ihn als Galionsfigur herum soll das Projekt Pixbo 2.0 realisiert werden, mit dem der Traditionsklub an seine erfolgreichste Zeit Anfang des neuen Jahrtausends anknüpfen will. Alles gut und richtig. Offen bleibt nur noch die Frage, warum Calebsson in Prag unter dem Namen Karlander auflief. Ein Synonym als Erfolgsgeheimnis? Nach den Transferkosten kein Geld mehr für Beflockung? Man kann nur mutmaßen. „Karlanders“ Tänzchen gegen Goalie Steineck im Finale gegen Sirius war in jedem Fall des Highlight des Penaltyschiessens.

(tn)