Um Haaresbreite

Die Zeit lief gegen Grimma - Ihren 3:0-Treffer durfte Franziska Stöckel noch bejubeln, danach begann der Gegner aufzuholen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Im zweiten Gruppenspiel der EuroFloorball Cup Quali verpasste der deutsche Meister denkbar knapp einen Sensationserfolg gegen Norwegens Krösus Tunet. Schon mit 4:1 führten die Damen von Coach Ralf Kühne nach dem ersten Spieldrittel, bevor die Skandinavierinnen mit sechs Gegentreffern konterten. Die Partie gegen Fredrikshavn wird nun über das Schicksal des MFBC Wikinger Grimma entscheiden dürfen.

Grimma muss auf seine Stammkräfte Sophie Kühne (Knieverletzung) und Susanne Straßburger (krank) verzichten, startet aber trotzdem furios. Nachdem Ulrike Müller und Anne-Marie Mietz das Aluminium hinter Schlussfrau Live Forsmark markieren, holen beide ihre Torausbeute nach. Erst findet Müller die einsam gelassene Mietz im Slot, die zur überraschenden Führung einnetzt, bevor sich die Vorlagengeberin selbst durch die Mittelzone durchstochert und im Alleingang zum 2:0 erhöht. Tunet wirkt orientierungslos und träge, Grimma hingegen überzeugt durch Zweikampfstärke in den Hinterreihen und mit einem einfachen aber schnellen Aufbauschema, dem die Norwegerinnen nicht nachkommen.

Auch nicht beim 3:0, als sich Mietz nach einem langen Ball im gegnerischen Eck verschanzt, ihre Kolleginnen den Slotbereich verdichten und Franziska Stöckel nach einem Querpass erhöht. Tunet kann zwar mit einem verdeckten Distanzschuss verkürzen, Neuzugang Juliane Hoffmann stellt den angenehmen drei Tore Vorsprung nach einem Freistoß aber wieder her.

Im Laufe des zweiten Spielabschnitts fängt das Bild aber an, sich langsam an zu wandeln. Das Spiel wird rustikaler, Tunet bindet auch die bislang auf die Bank verbannte dritte Reihe ein und kommt zunehmend zu Chancen, insbesondere durch Einbrüche von den Seiten aus, bei denen die Grimmaerinnen nicht nachkommen. Goalie Daniela Thomas, später zurecht zur „Player of the Match“ beim MFBC geehrt, stoppt zunächst weitere Anschlusstreffer, einen Doppelschlag in der 37. und 38. Spielminute kann sie aber nicht mehr verhindern.

Erst erreicht ein schneller Querpass Pia Molberg am rechten Pfosten, die unhaltbar einnetzt, bevor Siri Havre einen Fehlpass der mittlerweile sichtbar ermüdeten Grimmaer Abwehrreihen in einen präzisen flachen Abschluss und zum 4:3-Anschluss ummünzt. Von da an führt größtenteils nur noch Tunet Regie. Der MFBC kommt nur noch sporadisch zu Abschlusschancen, in der besten Scheitert Mietz im Alleingang an Forsmark. Die knapp 200 Zuschauer ahnen Böses.

Im Schlussabschnitt steigert sich der Druck Tunets noch einmal. Die insbesondere im ersten Spielabschnitt vor Kraft und Spielwitz strotzenden Hinterreihen der „Wikinger“ finden nun keine Passwege mehr und wirken in unübersichtlichen Situation zu inkonsequent. Tunet schnürt die Hausherrinnen geduldig ein und bejubelt nach einer Direktabnahme aus dem Slot heraus in der 49. Spielminute den Ausgleich. Dietels strenge 2-Minuten-Strafe für einen Ellbogen-Check wird dann sogar mit dem 4:5 gewürdigt. Weniger als eine Minute später hoppelt der Lochball zu lange vorm MFBC-Tor rum, Pia Molberg bedankt sich zum 4:6 und entscheidet vorzeitig die Partie.

Grimma ist weiterhin bemüht und diszipliniert, braucht aber im Vorwärtsdrang weiterhin zu lange, um Forsmark mit einem Schuss in Bedrängnis zu bringen. Tunet erhöht nach einem Konter durch die Mitte zum 4:7, Anne-Marie Mietz korrigiert in der Schlussminute mit einer präzisen Direktabnahme zum abschließenden Endstand von 5:7.

Der MFBC enttäuschte keineswegs gegen den Favoriten bot einen weiteren Lichtblick des deutschen Floorballs. Die jungen Damen beeindruckten mit technischem Vermögen, Spielintelligenz und Zweikampfstärke. Dies aber leider größtenteils nur 25 Minuten lang bis im zweiten Spielabschnitt langsam aber sicher die Puste ausging und Tunet verspätet auf Betriebstemperatur kam. Der Turniersieg und die damit verbundene Qualifikation rückt nun in eine weite aber immer noch erreichbare Ferne. Grimma muss hierfür heute den dänischen Meister in die Knie zwingen, viele Tore schießen und dann noch auf Schützenhilfe hoffen. (jk)

MFBC Wikinger Grimma – Tunet IBK 5:7 (4:1,0:2,1:4)
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Kommentare

  1. Tja, so eine Führung über die Runden zu bringen ist halt auch ne Kunst, gerade gegen erfahrenere Gegner… aber trotzdem, starker Auftritt, weiter sooooooo!