Im Rahmen aller Möglichkeiten

Vor knapp 300 Zuschauern kämpfte der MFBC Wikinger Grimma um die Final-Tickets. / Foto: Johannes Waschke, johannes-waschke.de

Der MFBC Wikinger Grimma verpasst bei der EFC-Quali im eigenen Land den Sprung zum Finalturnier des EuroFloorball Cups, erfüllt aber sein Optimalziel des dritten Rangs. Der Auftritt des deutschen Meisters war trotz einiger Stolpersteine ein erster Lichtblick fürs deutsche Floorball in der neuen WM-Saison, schürte Hoffnungen und legte Standards fest.

Sportlich gesehen hat der MFBC seine Pflicht erfüllt und hätte man sich das Horror-Drittel gegen Fredrikshavn erspart, vielleicht sogar übertroffen. Gegen CUF Leganes dominierte die Garde unter Coach Ralf Kühne das Spielgeschehen und der spanische Meister musste seiner Torhüterlegende Raquel Rodrigues Hernandez die Hände küssen, dass es beim milden 0:5 blieb.

Favoriten bleiben Favoriten

Die Herzschlagpartie gegen den Turniermitfavoriten Tunet lotste Grimma sogar an den Rand einer Sensation. Bereits mit 4:1 führte der deutsche Meister zu Beginn des zweiten Spielabschnitts, kassierte aber sechs Mal in Folge ins eigene Netz und unterlag den geduldigen Norwegerinnen mit 5:7. Das schwächste Drittel im gesamten Turnierverlauf erwischte der MFBC zum denkbar ungünstigsten Augenblick – zum ersten Spielabschnitt gegen Fredrikshavn. Das 0:5 nach zwanzig Minuten wucherte nur noch in ein mäßiges 0:7 aus und begrub definitiv alle Hoffnungen auf eine Finalturnier-Teilnahme in Lettland. Am letzten Spieltag würden die Däninnen ihren Auftritt perfekt machen und den zu gemächlichen Norwegerinnen dank eines weiteren 4:0-Blitzstarts mit 5:2 das Finalturnier-Ticket ausspannen.

Gegen die Liechtensteinerinnen vom UHC Schaan ließ Grimma von Beginn an wenig anbrennen, führte über den gesamten Spielverlauf Regie und feierte einen klaren 6:1-Erfolg. Gegen den niederländischen Meister HDM tat man sich am letzten Spieltag zunächst etwas schwerer, zog aber während des zweiten Spielabschnitts von 2:2 auf 5:3 davon und verabschiedete sich am Ende mit einem eindeutigen 8:4 von der diesjährigen internationalen Bühne.

Erhobenen Hauptes - Der MFBC überzeugte, hat aber noch viel Arbeit vor sich. / Foto: Johannes Waschke, johannes-waschke.de

Nächste Standortbestimmung

Die sportliche Standortbestimmung ist alles andere als schwierig. Von Ländern wie den Niederlande, Spanien oder Liechtenstein hat man sich bereits eindeutig absetzen können. Schlimm wär’s, wenn nicht. Dänemark und Norwegen sind aber mindestens eine Klasse weit weg und mittelfristig scheinbar uneinholbar. Schön wär’s, wenn doch. Gegen die Skandinavierinnen bewies der MFBC Spielwitz, Charakter und ebenbürtiges Talent. Die physischen Voraussetzungen und die Heterogenität des Kaders machten dem deutschen Meister aber dennoch den dicksten Strich durch die Rechnung.

Für die verdienten Kräfte Silke Unger und Juliane Kürzel soll es das nun gewesen sein. Mit einem internationalen Event auf heimischem Boden darf man sich tatsächlich guten Gewissens verabschieden. Zumal insbesondere die jungen Wilden, Ulrike Müller, Anne-Marie Mietz, Sonja Dietel oder Daniela Thomas, überzeugten und Lust auf mehr machten.

Orgapflichten erfüllt

Die Turnierorganisation kann ebenfalls auf einen positiven Eventverlauf zurückblicken. Spannende Spiele, gute Infrastruktur, engagierte Helfer und ein DJ, der alle Nationen-Cups und Final-Four-Turniere in den Schatten stellt. Und auch wenn keine offizielle Website Interessierte mit den üblichen Informationen über den Turnierverlauf versorgte, so konnte floorball.org diese Lücken zumindest statistisch schließen. Außerdem kann man mit knapp 300, meist lautstark unterstützenden Zuschauern zu Stoßzeiten mehr als zufrieden sein. Das war nämlich auch die IFF selbst, obwohl auch für sie zunächst nicht alles reibungslos ablief.

“Am Vormittag mussten wir den Hallensprecher etwas zurechtweisen, der sprach kein Englisch und konnte die fremden Namen nicht lesen,” moniert zunächst Jan Jirovsky, Entsandter der IFF, bevor er die Verhältnisse wieder zurecht rückt und die Organisation lobt. “Nachdem wir auch noch auf ein paar andere Kleinigkeiten hinwiesen und eine neue Moderatorin das Mikro übernahm, entwickelte sich die Veranstaltung von Spiel zu Spiel und am Abend war das hier ein absolutes Top-Event”.

Der MFBC Wikinger Grimma bewies also, dass es sich mehr als lohnen kann, doch den Berg zum Propheten zu holen. Nicht nur, dass das eigene Vereins-Budget geschont wird, die internationale Szene kann sich in Deutschland nämlich pudelwohl fühlen. Und die Erfahrungen, welche vor allem die jungen Spielerinnen insbesondere aus den zähen Duellen, mitnehmen, bleiben unbezahlbar. (jk)

Tabellen, Statistiken und Ergebnisse des Grimmaer Quali-Turniers findest du hier.

Ergänzende Quelle: floorball.org