Die attraktivste Saison seit langem

Sascha Herlt (UHC, hinten) stört Adam Karlsson (Wernigerode, vorne). /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Morgen startet die Königsklasse mit neuem Namen in die neue Spielzeit: Nachdem jeder Verein in den “5 Fragen” einen Tag im Fokus stand, wagt das Floorballmagazin eine abschließende Analyse – Wer sind die Favoriten, wer muss runter, wer könnte zur Überraschung avancieren. Dazu gibt´s die Meistertipps der Redaktion.

Die Favoriten

Drei der acht befragten Vereinsvertreter (Berlin, Bonn, Chemnitz) tippten in den “5 Fragen” auf einen Dreikampf zwischen Wernigerode, Weißenfels und dem MFBC. Stefan Exner vom SC DHfK, Wernigerode-Trainer Peter Gahlert sowie UHC-Spielertrainer Martin Brückner sahen Weißenfels am Ende wieder vorn. Faktisch gibt dieses Meinungsbild die tatsächlichen Umstände ganz gut wieder. Betrachtet man den Verlauf der letzten Play-offs war es 2009/10 ein enger Vierkampf mit bekanntem Sieger. Hamburg fällt aufgrund der vielen hochkarätigen Abgänge (Koivisto, Westerholm, Kraus) zur neuen Saison allerdings aus dem Spitzenquartett raus. Bleiben also nur noch Wernigerode, Weißenfels und der MFBC.

Die Harzer haben sich gezielt verstärkt, holten mit Savolainen und Kiviletho hochkarätige Spieler, die zusammen mit Juha-Pekka Kuittinen eine sehr schlagkräftige zweite Reihe bilden werden. Für die Saison plant Devils-Coach Gahlert mit drei Linien zu spielen: Gelingt es, dass durchzuziehen, könnte Wernigerode diesmal zum Ende hin die nötigen Reserven haben, die bei der knappen Halbfinalniederlage gegen Weißenfels vergangenen April (6:7 n.V., 3:4) noch gefehlt haben.

Auch der MFBC hat sich, fast schon traditionell, finnische Verstärkung geholt: Wie Aapo Kärki und Olli Jokiranta (beide aus Lappeenranta) am Ende einschlagen, wird sich spätestens nach den ersten Spielen zeigen. Die interessanteste Personalie steht jedoch hinter der Bank. Mit der Verpflichtung von David Makin glückte dem MFBC der Überraschungscoup des Sommers. Gelingt es dem Schweizer, die Stimmung im Team positiv zu halten, wird seine Arbeit über die Saison Früchte tragen und könnte den MFBC nach langer Durststrecke wieder nach ganz oben befördern.

Aus Weißenfels vernahm man diesen Sommer nur leise Töne. Die Abgänge der Leitfiguren Tim Böttcher und Sebastian Bernieck (beide nach Davos) schmerzen. Als Kompensation wurden Matthias Siede (vom MFBC) sowie Florian Hürlimann (von den Jona-Uznach Flames) verpflichtet. Für den Serienmeister, der 2009/10 seinen siebten Titel am Stück holte, spricht die enorme Erfahrung, die beispielsweise die Brückners und Blankes verkörpern und das Selbstverständnis der Serienmeisters. Ob das einmal mehr reichen wird, ist fraglich, allerdings hatte man auch schon im letzten Jahr mit einer Wachablösung gerechnet…

Die Relegationskanditaten

Sowohl Chemnitz als auch Bonn werden es in der Königsklasse schwer haben. Bei den Sachsen hängt viel von der Qualität des neuen Finnen Jarkko Kumpulainen (von Happee Jyväskylä) ab. Schließlich muss er den Weggang von Jussi Pietilä, den es aus Studiengründen nach Jyväskylä zog, kompensieren, da der Kader wohl sonst zu dünn für die Bundesliga ist. Ähnliches gilt für Bonn. Die haben die Schlagfertigkeit ihres Teams allerdings in der Relegation eindruckvoll unter Beweis gestellt, müssen zudem keine schweren Abgänge verkraften. Trotzdem darf jeder Punktgewinn der Dragons als kleine Überraschung gewertet werden – Sie gehen als klarer Außenseiter in die neue Spielzeit.

Das Überraschungsei

Diesen Titel teilten sich im letzten Jahr Wernigerode und Hamburg. Beide bestätigten in der Saison die vorher gemutmaßte Leistungsfähigkeit. Wer in dieser Spielzeit zum Überraschungsteam avancieren könnte, ist allerdings weitaus schwieriger vorherzusagen. Die Top drei sind, wenn nichts Außergewöhnliches passiert, in Stein gemeißelt. Wer wird komplettiert also das Play-off-Quartett? Am Ende stehen die Chancen nicht schlecht, dass es wieder Hamburg wird. Und das wäre angesichts der einschneidenden Abgänge doch eine ziemliche Überraschung.

Was kann Hamburg leisten? Radek Kraus (Mitte) wird nicht mehr helfen können. /Foto: Christian Stark

Zum Abschluss: Die Meistertipps der Redaktion

Jan Kratochvil: “Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird das Trio Wernigerode, Weißenfels und MFBC den Meister stellen. Die Red Devils sind wohl offensiv am stärksten aufgestellt, der UHC hat wiederum versucht, seine defensiven Hausaufgaben zu machen und Leipzig wirkt ausgeglichener und ist nun außerdem im Tor sehr gut besetzt. Wer genau sich den Pott schnappt, werden vermutlich die Mannschaftsentwicklung und der längere Atem über die Saison hinweg entscheiden.”

Marie Schneider: “Auf den Red Devils liegen nach der Bekanntgabe der Zugänge aus Finnland hohe Erwartungen, den Titel aus Weißenfels loszureißen. Neuer Ligasponsor, Liganeuling Bonn und ein potentieller neuer Meister machen die anstehende Spielzeit zu einer der attraktivsten seit langem.”

Tom Nebe: “Letzte Saison waren sie als Aufsteiger schon kurz vorm Finale, 2010/11 werden sie es packen: Die Neuverpflichtungen bringen dem Team endlich zwei richtig gefährliche Linien, sodass Wernigerode den Titel in den Harz holen wird.” (tn)

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