Das „Wachstumswunder“

Stoll: "Haben viel an der Außenwirkung gearbeitet." - Szene aus der Ernst-Grube-Halle Leipzig, vor dem Finale des Final Four 2009. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Die neuen Mitgliederstatistiken der IFF zeigen: Deutschlands Zahlen steigen konstant auf hohem Niveau. Mittlerweile hat man Norwegen als fünfstärkste Kraft fast abgelöst. Wo liegen die Gründe für dieses kontinuirliche Wachstum und was bedeuten die aktuellen Zahlen für die angestrebte Aufnahme von Floorball Deutschland in den DOSB? Floorballmagazin fragte nach, bei Verbandspräsident Prof. Oliver Stoll. Und der stellte eine überraschende Rechnung auf – Danach hat der Verband schon vielmehr Mitglieder, als die Statistik sagt.

Laut IFF sind bei Floorball Deutschland 6.500 Mitglieder gemeldet (Stand: 30.09.2010). Das sind 580 mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr – immerhin eine Steigerung von 9,8 Prozent. Im internationalen Vergleich haben nur Ungarn (+ 11,85 Prozent) und Südkorea (+26 Prozent) ein stärkeres Wachstum. Damit rangiert Deutschland also nur noch knapp hinter Norwegen (6602 Mitglieder, + 1,7 Prozent) auf dem sechsten Rang, was die Mitgliedsstärke betrifft. Das kontinuierliche Wachstum hat Tradition: In den letzten drei Jahren betrugen die Steigerungsraten 11,5, 18,5 und 24,4 Prozent.

Floorballmagazin fragte bei Floorball Deutschland-Präsident Prof. Oliver Stoll nach, wo er die Gründe für diese konstante Entwicklung sieht. Dabei nannte er drei Aspekte:

1. Außenwirkung: „Wir haben in den letzten beiden Jahren viel an der Außendarstellung unserer Sportart gearbeitet.“ Als Beispiel nennt er die Umbenennung: „Floorball…das macht viele Kinder und Jugendliche einfach schon von der Begrifflichkeit her neugierig.“

2. Maßnahmen zur Mitgliederentwicklung: „Bewusste Initativen wie der ´Floorball-Förderverein` bringen uns zahlenmässig schnell nach vorn. Aktuell rechne ich damit, dass wir bis Ende des Jahres alleine hier 1.000 neue Mitglieder hinzugewonnen haben. Diese sind zwar in aller Regel passive Mitglieder, trotzdem können sie auch noch als Promotoren für unsere Sportart wirken und damit neue, aktive Mtiglieder gewinnen.“

3. Frischer Wind: Damit meint er zuvorderst die beiden neuen Vorstandsmitglieder Jörg Podlinski und Andreas Ritter. Ersterer hat den lange verwaisten Posten für Breitensport und Entwicklung übernommen und „sein Netzwerk, insbesondere in der Kooperation mit dem CVJM hat schnell sichtbare Ergebnisse gebracht.“ Dazu lobt Stoll ausdrücklich die Arbeit innerhalb der verschiedenen Landesvorbände, z.B. NRW und Berlin/Brandenburg.

Und was heißt das für das Bestreben von Floorball Deutschland zur Aufnahme in den DOSB?

Will Ende 2011 mit Floorball Deutschland in den DOSB - Präsident Prof. Oliver Stoll. /Foto: Floorball Deutschland

Stoll: „Das heißt konkret, dass wir unser Ziel, nämlich das Knacken der 10.000- Mitgliederhürde sicherlich bis Ende nächsten Jahres – und bis dahin muss dies auch geschehen sein, sollten wir im Dezember 2011 mit unserem Antrag auf Aufnahme in den DOSB zur Abstimmung stehen –  erreicht haben werden. Das war sicherlich ein großer Kraftakt, mit dem wir in den letzten beiden Jahren systematisch zu tun hatten.“ Um die Hürde aber tatsächlich zu knacken, muss im Laufe diesen Jahres und 2011 ein noch größerer Kraftakt folgen: Denn um von jetzt 6.500 Mitgliedern auf 10.000 zu kommen, muss man in den nächsten 13 Monaten 3.500 neue Mitglieder akquirieren – Das entspräche einer Steigerung von 53 Prozent! Wie soll das denn funktionieren?

„Am 1.Januar 2010 waren es 6.200 Mitglieder. Dazu kommen 1.000 im Förderverein und weitere 1.000 neue Aktive bis heute. Das macht 8.200 und den Rest schaffen wir nächstse Jahr“, erklärt Stoll die etwas komplexe Mitgliederrechnung, die nicht in allen Punkten komplett schlüssig erscheint. Unterm Strich bleibt also festzuhalten: Keine 53 Prozent Steigerung, doch aber über 20 Prozent sind laut Stoll nötig, um die angestrebte 10.000´er-Marke Ende 2011 zu erreichen – Auch das ist ein großer Kraftakt.

Außerdem besteht ja noch die andere Hürde. Dazu Stoll: „Jetzt müssen wir aber auch noch zwei weitere Landesverbände in die jeweiligen Landessportbünde bekommen. Daran arbeiten wir aktuell mit dem Präsidenten des Landesverbandes Berlin, Adrian Mühle,  intensiv. Die Idee ist, dass der Landesverband Berlin aufgeteilt wird in einen Berliner und Brandenburger Landesverband, die dann jeweils in die LSBs aufgenommen werden könnten. Die Voraussetzungen hierzu werden aktuell geschaffen. Auch im Saarland könnte ein solcher Landesverband, wenn es ihn denn gäbe, relativ schnell die Aufnahmehürde schaffen. Hier sondieren wir gerade unsere Kontakte mit dem CVJM.“

Der Präsident abschließend: „Sollte uns dies – also die Aufnahme zweier weiterer Landesverbände in die LSBs auch bis Mitte kommenden Jahres –  gelingen, dann sehe ich der DOSB-Delegiertenversammlung im Dezember 2011 gelassen entgegen.“

Man darf gespannt sein, ob der Verband seine ehrgeizigen Ziele auch umsetzen kann. Für eine weiterhin positive Entwicklung der Sportart in Deutschland wäre es ihm nur zu wünschen.

(tn)

Ergänzende Quellen: floorball.org