Noch nicht im Floorball Ruhestand

Alles andere als im Floorball Ruhestand ist Michael Lachenmaier - Workaholic, Schiedsrichter Observer, IFF Beauftragter und Ziehvater des deutschen Floorballs in vielen Belangen. /Bild: unihockey-pics.de

Der Floorball Verband Hessen führte im Oktober ein ausführliches Interview mit Michael Lachenmaier, dem ehemaligen Vizepräsident Leistungssport von Floorball Verband Deutschland. Es kamen unter anderem Themen der Jugendarbeit, systematische Entwicklung und die Zukunft von Floorball in Deutschland und der Welt sowie Olypmia zur Sprache. Floorballmagazin veröffentlicht eine verkürzte Version.

Floorball Verband Hessen: In welcher Funktion bist du nun beim Deutschen Floorball Verband tätig bzw. wie bleibst du dem deutschen Floorball für die Zukunft erhalten? Wie und wann bist du eigentlich zum Floorball gekommen? Warst du selbst ein aktiver Spieler?

Michael Lachenmaier: Aktuell habe ich keine offizielle Funktion bei Floorball Deutschland. Aber in Absprache mit dem Vorstand erledige ich noch einige Dinge, die von mir angefangen und noch nicht beendet wurden, so wie jüngst die Einführung des Floorball Deutschland Cups für Damenteams. Zusätzlich stehe ich dem Vorstand, RSK, SBK, der MEK und Stefan Erkelenz der sich aktuell um die Nationalteams kümmert beratend zur Seite und versuche einen möglichst gleitenden Übergang zu ermöglichen. Es ist auch geplant, dass ich bei der Organisation der U19 WM nächstes Jahr mithelfe. Zusätzlich bin ich als Observer im Norden tätig und nebenbei noch Insruktor. Außerdem bin ich noch als Jurymitglied für die IFF bei diversen internationalen Events unterwegs. Ich bin also nach wie vor nicht im Floorball Ruhestand.

Ich habe vor knapp 20 Jahren während meines Studiums in Clausthal Floorball, das damals noch Stockey genannt wurde, kennengelernt. Los ging es mit nationalen und internationalen Mixed-Turnieren, später habe ich mit einigen Kumpels den Clausthaler Verein gegründet. Das war das erste Mal, dass ich irgendwo den Job des Präsidenten inne hatte. Wir sind in die Kleinfeld Regionalliga Nord eingestiegen und sind auch einmal Meister geworden. Ein Jahr waren wir zusätzlich als Spielgemeinschaft mit Braunschweig in der Bundesliga dabei. Später bin ich zum VfR Seebergen gewechselt und habe dort noch ein paar Jahre gespielt.  Zusätzlich habe ich von Beginn an eine Schiedsrichterlizenz besessen. Von 2001 bis 2004 waren ich und mein Partner das erste deutsche IFF Schiripaar.  2001 war ich Gründungspräsident des Niedersächsischen Unihockey Bundes (NUB), des dritten Landesverbandes des damaligen DUB und habe diesen Posten bis Anfang 2009 ausgeübt, von 2006-2010 war ich zudem Vizepräsident von Floorball Deutschland.

Floorball Verband Hessen: An dieser Stelle ergibt sich natürlich eine ganz wichtige und logische Frage – was sind die Hauptziele im Deutschen Floorball in der nahen Zukunft? Was sind primäre Ziele, was ist langfristig geplant?

Michael Lachenmaier: Hier bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Es ist die Aufgabe des Geschäftsführenden Vorstandes und vor allem des neugeschaffenen Gesamtvorstandes, in dem zusätzlich noch die Präsidenten der Landesverbände und die Vorsitzenden der Kommissionen von Floorball Deutschland sitzen, diese Ziele zu definieren.   Aber selbstverständlich sind die Durchführung der U19 WM und die Aufnahme in den DOSB die wichtigsten Aufgaben für das nächste Jahr.

Floorball Verband Hessen: Das Stichwort “ Olympische Sportart“ ist sehr wichtig für alle, die mit Floorball zu tun haben. Die Verantwortlichen in Deutschland kämpfen um die Aufnahme unserer Sportart in den Deutsche Olympische Sportbund, die Verantwortlichen des IFF um die Aufnahme von Floorball in die große internationale olympische Familie. Wie will man eigentlich diese Ziele erreichen?

Michael Lachenmaier: Die IFF ist aktuell unter anderem Mitglied der Associtation of IOC Recognized International Sports Federation (ARISF). Der Verband, der vom IOC anerkannten Sportverbände, die zur Zeit nicht zum Olympischen Programm gehören. Deren Präsident, Jan Fransoo, war Gast auf dem letztjährigen Presidents and Secretary Generals Meeting der IFF. Selbstverständlich waren die Vorraussetzungen, um ins Olympische Programm aufgenommen zu werden, ein wichtiges Thema. Ein Weltverband muss 100 nationale Mitgliederverbände haben, um Teil der Sommerspiele zu werden. Die IFF hat über 50. Es ist also noch ein langer Weg.  Zusätzlich legt das IOC die Sportarten für das jeweilige olympische Programm sehr frühzeitig fest, schließlich müssen die Organisatoren die dafür nötigen Sportstätten erst noch bauen. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass Floorball vor 2028 im Programm der Olympischen Sommerspiele sein wird.

Zur Aufnahme in den DOSB sind unter anderem 10.000 Mitglieder und acht anerkannte Landesverbände Bedingung. Aktuell haben wir derer sechs.  Berlin als siebter Verband stößt bald dazu. Als achter Landesverband ist Brandenburg im Gespräche, dort sind die Bedingungen am einfachsten zu erfüllen. Bezüglich der Mitgliederzahl würde ich zum Jahresende auf gut 8.000 inklusive der Mitglieder des Fördervereins schätzen. Es sieht bezüglich einer Mitgliedschaft im nächsten Jahr nicht schlecht aus. Die fehlenden Mitglieder sollen einerseits über das normale Wachstum und verschiedene Zusammenarbeiten , wie mit dem  Förderverein, erfolgen. Letzterer ist wirklich sehr wichtig! Die weiteren, nicht quantitativen Vorraussetzungen werden fast alle erfüllt. Darüber hinaus hat unser Präsident in den letzten Jahren sehr viel sportpolitische Arbeit gemacht, so dass ich ziemlich sicher bin, dass wir die nötige Zustimmung der DOSB Mitglieder erhalten.

Floorball Verband Hessen: Wenn Du auf die letzten Jahre zurückblickst: Was hat sich im deutschen Floorball alles verändert? Was gab es Positives und Negatives? Gibt es auch Dinge, mit denen Du z.B. gar nicht zufrieden bist?

Michael Lachenmaier: Verändert hat sich alles. Als ich angefangen habe, waren die regulären Tore in Deutschland unbekannt. Es wurde mit Ausnahme von Konstanz, die spielten in der Schweizer Liga, ausschließlich auf die kleinen Mixed Tore gespielt. In der Schweiz hatten die Torhüter noch Schläger, in Deutschland gab es noch keine einzige Liga, ja noch nicht einmal einen nationalen Verband. Diese Veränderungen zu beschreiben würden den Rahmen bei Weitem sprengen.

Was mich in den vergangenen Jahren oft genervt hat, so waren dies die vielen Grabenkämpfe, die dann oft ganze Verbände in Zwistigkeiten hineingezogen haben. Dies kostete wertvolle Zeit und hat die Entwicklung unserer Sportart verzögert. Zum Glück ist das in den letzten Jahren deutlich besser geworden, inzwischen ziehen fast alle an einem Strang.

Floorball Verband Hessen: Was hat sich in den letzten Jahren in den deutschen Landesverbänden getan? Wie entwickelt sich Floorball in den einzelnen Regionen? Was sind Unterschiede in der Herangehensweise im Westen und im Osten der Republik?

Michael Lachenmaier: Allgemein vom Osten und Westen zu sprechen ist nicht sinnvoll. Innerhalb des Ostens gibt es enorme Unterschiede. Floorball ist in Sachsen und Sachsen-Anhalt bekannt, zusätzlich noch in Berlin und Umgebung. Dort ging die Entwicklung allerdings von Westberlin aus und war völlig anders gerichtet und ist somit nicht mit den beiden vorher genannten Bundesländern vergleichbar. Auch in Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sieht es völlig anders aus, da ist noch nicht viel geschehen. Was viele den „Osten“ nennen, sind somit eigentlich nur zwei Bundesländer. Auch im sogenannten Westen sind die Entwicklungen recht unterschiedlich. Ich würde von den Regionen Nord, West und Süd sprechen.

Floorball ist in der ehemaligen BRD zuerst entstanden, fasste nach der Wende in Teilen der DDR schnell Fuß. Das ist bei vielen in Vergessenheit geraten. In der BRD wurde hauptsächlich an Universitäten gespielt. In Sachsen und Sachsen-Anhalt hat man allerdings als erstes auf die Jugend gesetzt und systematisch gearbeitet. Man ging an die Schulen und gründete Jugendteams und schaffte es so besser zu entwickeln. Norddeutschland hat als erster nachgezogen und 2000 eine Jugendliga und im Jahr danach einen eigenen regionalen Spielbetrieb eingeführt. Der Westen und der Süden haben erst einige Jahre später nachgezogen. Dies erklärt, warum der Osten und Norden aktuell bezüglich Mitglieder vorn liegen und der Osten bei den Topteams der Erwachsenen die Nase vorn hat.

Es ist also keine Frage von Ost oder West. Die Länder, die auf die Jugend setzten,werden davon profitieren. Das gilt sowohl für Landesverbände als auch für die einzelnen Vereine. Ohne gute Jugendarbeit und systematische Schularbeit wird in Zukunft nichts zu gewinnen sein.

Floorball Verband Hessen: Deutschland ist eines der wenigen Floorball-Länder Europas, in dem noch eine offizielle Kleinfel-Meisterschaft stattfindet. Wie wichtig ist KF für den deutschen Floorball?

Michael Lachenmaier: Das Kleinfeld und die deutsche Kleinfeldmeisterschaft sind sehr wichtig und sie ergänzen die deutsche Meisterschaft (das Großfeld) hervorragend. Wer nicht dafür sorgt, dass funktionierende Kleinfeldligen existieren, kappt oder bremst das Wachstum in seiner Region. Für neue Vereine ist es sehr schwer direkt ins Großfeld einzusteigen. Neue Vereine oder Abteilungen brauchen einen möglichst einfachen Spielbetrieb mit möglichst kurzen Wegen. Bei einigen entwickelt sich nach einiger Zeit der Ehrgeiz und Leistungswille, die sind dann bereit mehr zu investieren und sie steigen dann ins Großfeld um. Schlagartig nur aufs Großfeld zu setzen würde den “Nachschub” an neuen Vereinen und somit das Wachstum deutlich reduzieren. Es mag ein Zufall sein, aber als Sachsen und Sachsen-Anhalt schlagartig den Spielbetrieb komplett aufs Großfeld umstellten, endete ihr davor sehr starkes Wachstum schlagartig. Heute setzen diese Verbände wieder auf ein Miteinander beider Varianten.

Eine offizielle Meisterschaft im Kleinfeld gibt es nur in wenigen Nationen. Aber seien wir doch ehrlich, jeder Spieler in Deutschland weiß inzwischen den Stellenwert einer Kleinfeldmeisterschaft einzuordnen. Ein Gegeneinander von Großfeld- und Kleinfeldfans, wie wir das in der Vergangenheit hatten, gibt es nicht mehr. Ich bin froh, dass wir das erreicht haben. Vereine, die einen Kleinfeldtitel gewinnen, profitieren davon. Sie erhalten oft Aufmerksamkeit der Medien und der Kommunen. Letztendlich hilft ihnen das und bringt sie sogar dazu, spätestens mittelfristig aufs Großfeld umzusteigen, diese Erfahrung habe ich oft gemacht.

Bei seiner Verabschiedung aus dem NUB-Vortstand. /Foto: Jan Hoffmann, Floorball Niedersachsen

In vielen Nationen gibt es keinen offiziellen Kleinfeldspielbetrieb. Die Folge ist, in solchen Ländern entsteht  ein Kleinfeldspielbetrieb abseits des Verbandes in Form einer wilden Liga. Ein Blick zum Beispiel nach Schweden zeigt das deutlich. Ich glaube nicht, dass wir diesen Weg einschlagen sollten.

Floorball Verband Hessen: Du warst während Deiner Tätigkeit sehr oft im Ausland unterwegs. Welchen Stellenwert hat der Deutsche Floorball nämlich im Ausland?

Michael Lachenmaier: Deutschland steht im Fokus. Floorball wird erst dann den nächsten Entwicklungsschritt machen, wenn sich der Sport in einer der großen Sportnationen durchgesetzt hat. Erst dann wird die mediale und damit verbunden auch die wirtschaftliche Bedeutung deutlich steigen können. Dies ist der IFF und sehr vielen nationalen Verbänden genau bewusst, wir werden so als eine Art schlafender Riese angesehen. Auch deshalb hat uns die IFF trotz aller Irrungen und Wirrungen in der Vergangenheit immer wieder unterstützt. Inzwischen haben wir international wieder einen recht guten Ruf. Selbstverständlich geht es vielen nicht schnell genug, aber die geleistete Arbeit wird gesehen.

Die Redaktion behielt sich Kürzungen vor. Das Original-Interview kann hier nachgelesen werden.

(Das Interview führte Dimitri Sendetski)

Kommentare

  1. … früher oder später wird wohl jedem die Lust genommen, Verantwortung zu tragen. Danke unihockey-bild/-portal, -freunde, und -permanentkommentarmotzer …

    Wirklich lieben Dank an Micha für den wohl grössten persönlichen Beitrag an die deutschlandweite Entwicklung des Floorballsports!! Keiner rackert sich schon so lange, so engagiert und kompetent für diesen Sport ab! Und besonders erwähnenswert ist, dass er es tut, ohne persönliche Vorteile für sich oder den eigenen Verein daraus zu erwirtschaften.
    Hoffentlich bleibt er dem FVD noch lange erhalten in der einen oder anderen Position, wenn auch im Hintergrund…