Deutschlands Gruppengegner – Die starken Balten

Es ist unbestritten DAS Schlüsselspiel in Richtung Viertelfinale – Das Duell Deutschland gegen Estland am Sonntag (13 MEZ, 14 Uhr Finnland). In dieser Partie ist die deutsche Equipe Außenseiter. Denn die Esten haben ein starkes Team und profitieren von ihrem großen Nachbarn.

Finnland hat unbestritten einen großen Einfluss auf die Floorball-Infrastruktur des nördlichsten Balten-Staates. So versucht man dort beispielsweise sich in Sachen Trainer- und Schiedsrichterausbildung am großen Nachbarn zu orientieren. Auch die Nachwuchsarbeit trägt inzwischen Früchte, die Zeiten als die estnische Liga nur als Bierliga für finnische Veteranen diente, sind vorbei.

In den estnischen Medien erhält Floorball verhältnismäßig viel Anerkennung. So werden die Leistungen der Nati u. a. mit denen des Volleyball-Nationalteams verglichen. Die letzten Ergebnisse vor der WM können sich tatsächlich sehen lassen: Dem starken baltischen Nachbarn Lettland, immerhin Fünfter der letzten Titelkämpfe, rang man ein 4:4 ab, gegen den finnischen Salibandyligisten Pori verlor man zweimal nur knapp (4:6 und 5:6). Estlands Coach Jari-Petri Anttila spricht vom besten Kader aller Zeiten.

Wie groß das Selbstbewusstsein innerhalb des Teams wirklich ist, zeigt die Tatsache, dass man insgeheim sogar vom Halbfinaleinzug träumt. Das man den Großen ein Bein stellen kann, bewiesen die Esten schon 2008. Damals verloren sie ihr Gruppenspiel gegen die Schweiz nur knapp mit 6:7. Den Verantwortlichen ist aber klar bewusst, dass vor diesen Träumereien noch die hohe Hürde Deutschland wartet – Auch die Esten sehen in diesem Duell das Entscheidungsspiel ums Viertelfinale.

Analyse – Team Estland

Stärken: Das Team ist homogen, spielt mit drei nahezu gleich starken Linien. Zudem achtet man laut Co-Trainer Risto Lall darauf, dass die Spieler in den einzelnen Blöcken einen ähnlichen Stil spielen: Das übergeordnete Ziel ist dabei Ballbesitz und Spielkontrolle. Der Mix aus erfahrenen und jungen Spielern (sechs unter oder max. 21 Jahre alt) passt.

Schwächen: Die Erwartungshaltung ist recht hoch. Wenn der Trainer vom „besten Kader aller Zeiten“ spricht und insgeheim vom Halbfinale geträumt wird, erzeugt das natürlich einen gewissen Druck. Diesem standzuhalten, wird nicht einfach und könnte dafür sorgen, dass das Team, speziell im entscheidenden Match gegen Deutschland, verkrampft. Die Ausrichtung auf Spielkontrolle könnte den Deutschen entgegen kommen – Mit pfeilschnellen Stürmern wie den Muchas kann man auf seine Chancen zum Kontern lauern.

Schlüsselspieler: Die Talme-Brüder. Henrik, mit 31 Jahren der ältere der beiden, ist bei AIK eine feste Größe im Sturm (schon 13 Punkte, genau so viel wie Fredrik Holtz) und war bei der WM 2008 mit 13 Punkte (4+9) Topscorer der Esten. Sein Bruder Kristian (27) spielt ebenfalls bei AIK und ist für einen Verteidiger auch offensiv sehr gefährlich. Das belegen u.a. seine fünf Tore bei der WM 2008.

Prognose: Qualitativ ist Estland besser besetzt als die deutsche Equipe. Allerdings sind die Unterschiede nicht so groß. Stimmt die Tagesform bei Deutschlands Schlüsselspielern, ist ein Sieg möglich. Ohne Zweifel sind die Esten aber der heißere Kanditat fürs Viertelfinale.

(Dimitri Sendetski, tn)

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