Auf der Lauer – Tomas Kafka schaffte in Finnland den Sprung ins All-Star-Team. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de
Die tschechische Torhüterlegende Tomas Kafka nutzt die vermutlich letzte Chance auf ein ausländisches Engagement und wechselt in die schwedische Superligan. Obwohl sich der 32-jährige ehemalige Welttorhüter seinen Transfer etwas anders vorgestellt hatte, so soll der strauchelnde Großverein Balrog nun dennoch seine letzte große Herausforderung darstellen.
Mit Tatran Stresovice sackte Kafka bereits zehn tschechische Meistertitel ein. 2006 baumelte nach der WM in der Schweiz sogar eine Silbermedaille an seinem Hals. Der ambitionierte Wirtschaftsdetektiv galt als einer der stärksten Goalies der Welt und wurde als solcher auch des Öfteren geehrt.
Während seine Altersgenossen spätestens am Zenit ihrer Karrieren zumindest für ein oder zwei Jahre aber das Ferne suchten und meistens in der Schweiz, manchmal auch in Finnland oder Schweden zu überzeugen wussten, musste Kafka auf ein solche Kür verzichten. Seine berufliche Karriere bei einem renommierten Wirtschaftsprüfungsunternehmen ermöglichte einen solchen Umzug nicht.
In der Saison 08/09 stand Kafka sogar vorm definitiven Karriereende. Eine arbeitsbedingte Verschnaufpause nutzte sein Backup nach Maß. Der Nachwuchsler verdrängte den Altmeister aus dem Kasten des tschechischen Meisters und auch dessen Position in der Nationalmannschaft wurde plötzlich in Frage gestellt.
Um dennoch Spielpraxis zu bekommen und schrittweise den Weg zurück zu finden, wechselt Kafka sogar vorübergehend zum Abstiegskandidaten Bohemians. Und sein Plan ging auf. 2008 war Kafka bei der WM im eigenen Land wieder die Nummer eins im tschechischen Tor. 2010 gab es in Finnland sogar Bronze zu holen und der Veteran wurde ins All-Star-Team des Turniers berufen.
Glückliches Händchen – Kafka wird bei Balrog einiges an Fortune benötigen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de
Wenige Tage nach der WM kontaktierte Kafka ausgewählte Vereine wie Pixbo, Helsingborg oder Falun mit der Botschaft, sein Arbeitgeber habe einem auf wenige Monate befristeten “Urlaub” zugestimmt, welchen er nun als letzte Chance im Dienste eines schwedischen Titelkandidaten verbringen wolle.
Und Kafka hatte klare Vorstellungen: “Ich wollte eine Mannschaft mit Ambitionen, die in den Play-off etwas reißen möchte,” erklärte der Goalie dem Server florbal.cz. “Ich habe deshalb jene Teams angesprochen, die nicht die stärksten Torhüter im Kader haben und warte ab.”
Doch die Begeisterung der Topvereine hielt sich in Grenzen. “Ich hatte sie in eine Art ‘Sophies Wahl’ gebracht, also ob sie das Selbstvertrauen ihrer Goalies riskieren und mich für den kurzfristiger Erfolg herbeiholen sollen oder nicht,” gesteht sich Kafka ein. Dass die Wahl am Ende auf den Tabellenletzten Balrog B/S IK fällt, hätte der einst so umworbene Schlussmann vermutlich nicht gedacht.
“Ich hatte zwei Angebote aus der Superligan und eines von einem Aufstiegskandidaten aus der 1. Division,” erklärt Kafka und wirkt entschlossen aus seinen etwas mehr als zehn Spielen in der stärksten Liga der Welt das Beste zu machen. “Ich bin 32 Jahre alt und eine solche Chance wird vielleicht nicht ein zweites Mal kommen,” freut sich der Routinier auf den zu erwartenden Abstiegskampf. (jk)
Interview mit Tomas Kafka nach dem WM-Viertelfinale gegen Estland, als er erst im Penaltyschießen zum Einsatz kam und Tschechien glücklich ins Halbfinale durchrutschen ließ:
Ergänzende Quellen: florbal.cz, tatran.cz













