Zwei finnische Seiten für eine Deutsche

Schwesternduell: Madeleine Voigt im Zweikampf mit ihrer kleinen Schwester Maria Voigt, die 2010 für die U19 Damen Nationalmannschaft auflief. /Bild: F. Büchting

Während der WM finden sich immer wieder lustige, verblüffende und interessante Geschichten. So geschehen im Medienraum in der Hartwall Areena. In einem der zahlreich ausgelegten Hefte und Magazine fand sich eine zweiseitige Story über die Deutsche Madeleine Voigt, die nun in der 2. Division der finnischen Herren Liga mitspielt.

Im offiziellen Magazin des Salibandyliito, dem finnischen Verband, fand sich in der Ausgabe 04/2010 beim Durchblättern während eines langweiligen Vorrundenspiels ab Seite 64 ein zweiseitiger Bericht über die gebürtige Weißenfelserin und Ausnahmespielerin Madeleine Voigt. Überrascht und erfreut über solch eine mediale Aufmerksamkeit für eine deutsche Spielerin, ließ Floorballmagazin das Interview übersetzen und stellt es hier mit freundlicher Genehmigung von Salibandy-Magazin online.


„Unter Männern – Maddi behauptet sich in Männerdomäne“

Nach dieser Saison werden die Gegner von Imatran Voima aus der 2. finnischen Herren Division (3. Liga) gelernt haben, dass man sich weder von dem Geschlecht noch von der Nationalität täuschen lassen sollte. Madeleine Voigt, die vor zwei Jahren von Deutschland nach Finnland zog, bekam im Sommer ein Angebot bei den Damen von NST in der 1. Damen Liga zu spielen. Doch die 21-jährige  Maddi lehnte ab und entschied sich für einen anderen Weg. Sie spielt nun in der 2. Herren Division von Imatra. Im gleichen Team spielt auch ihr Freund, der auch der Grund für ihren Umzug nach Finnland war.

Interview

Salibandy: Wieso bist du ursprünglich nach Finnland gekommen?

Madeleine Voigt: „Ich bin meinem Freund Lasse und einer guten Freundin, Andrea Gerdes, im Juni 2009 nach Finnland gefolgt, als sie nach hier gingen. Ich habe Lasse in Weißenfels kennengelernt. Andrea ist eine alte Mitspielerin aus Weißenfels, sie wohnt und spielt jetzt in Mikkeli.“

Im Sommer fragte dich der Damen Erstligist NST, ob du für ihn spielen willst. Wieso wolltest du lieber für die 2. Herren Division auflaufen?

M. V.: „Wir leben in Imatra und die Trainingseinheiten und Heimspiele von Imatran Voima sind alle in der gleichen Stadt. Hätte ich bei NST gespielt, hätte das zu viel Zeit in Anspruch genommen. In Imatra liegt alles näher beieinander.“

Hast du schon einmal in einer Männermannschaft gespielt?

Hier noch im Dress von Hatsina beim Sparkassen Cup 2009: Madeleine Voigt/ Bild: F. Büchting

M. V.: „Nicht in einem Männerteam, aber zumindest bei den A Junioren von Imatran. Außerdem hab ich früher für das U16 Junioren Team des UHC Weißenfels gespielt.“

Wie ist es, mit Männern zu spielen?

M. V.: „Es ist in Ordnung. Das ganze Team hat mich akzeptiert. Es gibt keine Nachteile im Spiel, außer dass es ab und zu physisch härter zur Sache geht. Ich habe noch keine blöden Sprüche auf dem Feld gehört. Ich habe die letzte Saison sehr genossen, als ich für das Imatran Juniorenteam gespielt habe. Leider waren die Jungs viel zu schüchtern, mit mir zu reden.“

Maddi hat ihr erstes Tor gegen den Lokalkontrahenten SB Troopers geschossen. Was war das für ein Gefühl?

M. V.: „Ich war überrascht, dass der Ball wirklich den Weg ins Tor gefunden hatte. Ich schrie dann überglücklich auf Deutsch ‚Wir haben ein Tor geschossen‘. Aber alle haben mich nur angestarrt.“

Wo liegt der Unterschied zwischen deutschem und finnischem Floorball?

M. V.: „Ich denke, das Niveau in der 2. Damen Division ist schlechter als in Deutschland. Die 2. Herren Division könnte man mit der deutschen FBL vergleichen.“

Was machst du sonst noch so hier in Finnland?

M. V.: „Ich nehme an einem Finnischkurs teil, der viermal in der Woche in Joutseno stattfindet. Und Freitags absolviere ich ein Praktikum als Physiotherapeutin in einem Altersheim.“

Wie ist denn dein Finnisch bis jetzt?

M. V.: „Langsam, aber ganz gut.“

Hat das beste deutsche weibliche Talent denn irgendwelche Ziele und Hoffnungen für die Zukunft?

M. V.: „Nein, keine besonderen Ziele. Ich spiele Floorball, weil es mir Spaß macht. Natürlich will ich mit der deutschen Nationalmannschaft zur Damen WM in der Schweiz. Wir werden sehen, was passiert.“

Das Nationalteam spielt Anfang Februar in Spanien um die WM-Qualifikation. Wie siehst du deine Chancen, dort dabei zu sein?

M. V.: „So wie es zur Zeit aussieht, stehen meine Chancen gut. Die Kosten sind leider recht hoch, da ich für jedes Camp aus Finnland anreisen muss. Derzeit suche ich nach Sponsoren, die mir helfen könnten, es zu finanzieren, in der Deutschen Nationalmannschaft zu spielen.“

Was magst du am meisten an Finnland?

M. V.: „Die großartige Natur, der leckere Lachs, natürlich meinen finnischen Freund und das gute Floorball-Niveau. Eigentlich mag ich alles.  Auch die vielen netten Menschen hier.“

Infobox

Die Initiative kam von den Spielern

Der Trainer von Imatran Voima, Jari Piiparinen sagt, dass Maddi’s Auflaufen für das Männerteam zu keinen Diskussionen im Team führt. Zumindest gibt es keine, die dagegen sind. Der Trainer weiter: „Maddi trainierte den Sommer über mit uns. Als die Saison begann, hatten wir einen kleinen Kader. Die Jungs fingen an zu fragen, ob sie denn nicht für uns spielen könnte.“ Er beschreibt sie als einen umgänglichen Spieler, der einfach anzuleiten ist. Sie brauchte eine spezielle Spielerlaubnis durch den Salibandyverband, aber das verlief reibungslos. „Maddi ist schnell und technisch versiert, zudem kann sie das Spiel lesen“, beschreibt der Trainer die Deutsche. „Wir kommunizieren auf Englisch. Wenn etwas unklar bleibt, dann übersetzt Lasse Heiskanen ins Deutsche.“ Im Spitzenspiel gegen das Topteam Savonlinna füllte Maddi ihre Position in der dritten Reihe komplett aus. Die schnelle und große Spielerin wurde nicht von den männlichen Kontrahenten überrannt. „Maddi fiel auf dem Spielfeld nicht auf, also denk ich,  ist alles gut gelaufen. Das war ein Spitzenspiel und Savolinna ist ein sehr physisches Team. Wenn man gegen uns gut mithält, hält man gegen jede Mannschaft in der Liga mit“, sagte Savolinna-Kapitän Timo Käck über Voigt.

Steckbrief

Madeleine “Maddi” Voigt

geboren: 17.5.1989 in Weissenfels
frühere Vereine: UHC Weissenfels, MFBC Wikinger Grimma
andere Informationen: Spielt seit acht Jahren Floorball.


(Übersetzung Joel Heine, Originaltext Hanna Knaappila)

Weitere Informationen: www.salibandy.net