Qualifikation mit Spannung

Eine Österreicherin vor einem Meer estischer Spielerinnen: Kein seltener Anblick bei der Qualifikation in Polen. /Bild: unihockey-pics.de

Polen, Ungarn und die Slowakei qualifizierten sich in der parallel ausgetragenen Qualification Europe II im polnischen Rakoniewice. Da sich die mediale Aufmerksamkeit jedoch auf das Qualifikationsturnier mit deutscher Beteiligung in Spanien konzentrierte, wirft der folgende Kommentar einen Blick zur WM-Quali der osteuropäischen Floorball-Nationen.

„Ja, ich gebe es zu: Als ich in Polen angekommen war und die Fotos der deutschen Nationalspielerinnen und des medialen Anhangs auf Facebook gesehen habe, kam auch bei mir die Frage auf, warum mein Reiseziel unbedingt Rakoniewice lauten musste. Dass ich auf Palmen und Strand in dem polnischen Dorf südlich von Poznan wohl verzichten müsste, war mir bewusst. Aber egal, eigentlich fährt man – gerade als Medienvertreter – gar nicht zu einer WM-Qualifikation, um den Strand zu geniessen oder sich im Jacuzzi zu aalen. Es geht ja um den besten Sport der Welt, den man in einer mehr oder weniger schönen Sporthalle den ganzen Tag geniessen darf, um sich dann abends in die Bearbeitung von Fotos, Berichten und Beantwortung von Anfragen zu stürzen. Davon hatte Polen schon rein quantitativ mehr zu bieten, denn sechs anwesende Teams bedeuteten fünf Tage mit jeweils drei Partien pro Tag. Aber qualitativ? Ein Blick auf die blanken Zahlen lässt an sich nichts Besonderes erwarten: Dass sich Polen vor der Slowakei und Ungarn für die WM in der Schweiz qualifiziert, liest sich ähnlich unspektakulär wie die Ergebnisse aus Benidorm, wo im Vorfeld klar war, dass Deutschland und Dänemark gegen die restlichen Teams kaum verlieren können und es letztlich nur auf eine Partie, den Showdown zwischen den Niederlanden und Spanien ankommt. Doch Rakoniewice hatte mehr zu bieten. Die Garantie dafür war vor allem die vierte Partei im Bunde: die estischen Damen. Nach dem ersten Turniertag mussten die Baltinnen einen herben Rückschlag auf dem Weg nach St. Gallen verdauen, hagelte es doch gegen Ungarn eine unter dem Strich knappe 2:6-Niederlage. Ausserdem erzielte ein fünftes Team einen Achtungserfolg – nach einem zügigen Auftakt mit 5:0 Toren nach 21 Minuten tat sich Polen gegen Slowenien sehr schwer, das letztliche 7:1 für den Gastgeber war deutlich knapper, als man dies vor dem Turnier von dem unbeschrieben Blatt Slowenien erwarten durfte.

Am zweiten Tag erzielte die Slowakei in einem engen Spiel den nicht unbedingt zu erwartenden Achtungerfolg – nach dem Sieg gegen Estland hatten die Magyarinnen grosse Probleme, spielten mit 12 angereisten Feldspielern, von denen sich eine der besten Akteurinnen, Nora Susztak, die in der schwedischen Division 1 spielt, verletzte, von Spiel zu Spiel müder und zollten somit dem harten Programm ohne Ruhetage Tribut. Polen rann über Österreich, die später genauere Erwähnung finden, und Estland fegte nach Startschwierigkeiten Slowenien aus der Halle. Der erste Tag, an dem auch die Alpenrepublik mal zu erwähnt werden kann, war der dritte Turniertag. Am Ende der Partie Ungarn gegen Österreich prangte ein 34:0 auf der Anzeigentafel. Für Statistiker ist das das höchste Ergebnis, das jemals bei einem offiziellen IFF-Länderspiel der Damen erzielt wurde und ist somit ein neuer Rekord. Dieser „historische Moment“ kam allerdings auch dadurch zustande, dass der Austria-Coach Erik Holm Melby von seinen anfangs acht Feldspielern und zwei Torhütern nur noch auf insgesamt sieben Akteure zurückgreifen konnte. Am Abend traf Polen dann mit Estland auf den ersten Stolperstein, nachdem sie in den ersten beiden Partien die beiden einfachen Gegner Österreich und Slowenien auf dem Programm hatten – und stolperten somit das erste Mal über die Baltinnen. Am Ende mussten die Gastgeberinnen glücklich sein, mit dem 4:4 überhaupt einen Punkt ergattert zu haben.

Damit stand Polen am vorletzten Tag gehörig unter Druck Ungarn zu besiegen, um nicht die WM-Qualifikation zu verspielen. Die Estinnen, gerade zuvor nach zwei engen Dritteln gegen die soliden Slowakinnen mit 2:6 unterlegen, sahen ihre Hoffnungen in Ungarn aber enttäuscht, ihrerseits durch ein schlechters Abschneiden . Ungarn spielte unterirdisch und lag bereits nach gut zehn Minuten mit 0:5 zurück, im späteren Verlauf passte sich Polen dem Niveau der Partie an. Am Ende stand ein polnischer 6:0-Sieg in Folge auf der Anzeigentafel. Die solideste Mannschaft des Turniers war die Slowakei, die gleichzeitig als wohl einziges Team auf ein wirklich WM-taugliches Torhüter-Duo zurückgreifen konnte. Am letzten Turniertag verspielten sie eine Führung gegen Polen, verloren letztlich mit 6:7. Das hatte aber aufgrund der vorher feststehenden Setzliste keinen Effekt, beide Teams waren bereits für die Schweiz qualifiziert. Als drittes Team lösten letztlich die Ungarinnen das Ticket. Allerdings konnte sich Estland unerwartet lange Hoffnungen machen, doch noch im Dezember auf „Dienstreise“ zu gehen. Ungarn spielte im entscheidenden Spiel gegen Slowenien extrem nervös. Selbst als Ungarn 4:0 führte und die bisher offensivschwachen Gegner schon hätten fünf Tore schiessen müssen, um den Schweizer Traum zu zerstören. Am Ende erzitterte sich Ungarn ein 8:3.

Estland bleibt im Dezember zu Hause – und das, obwohl das Team sicherlich deutlich höheres Potential hat als eine niederländische Nationalmannschaft, die den Sprung in die WM durch eine potentiell schwächere Quali-Gruppe schafften. Ein Faktum, über das man mittelfristig auch modustechnisch nachdenken sollte.“

Platzierung Qualifikation Europe II:

1. Polen (qualified)
2. Slowakei (qualified)
3. Ungarn (qualified)
4. Estland
5. Slowenien
6. Österreich

(Ein Kommentar von Florian Büchting)

Kommentare

  1. Nachtrag der Redaktion: In einigen Berichten über die Damen Qualifikationen und im vorliegenden Kommentar kann der Eindruck entstehen, dass die Qualifikationsrunden nach Ost- und Westeuropa unterteilt werden. Jedoch ist es in diesem Jahr nur Zufall gewesen, dass vornehmlich osteuropäische Mannschaften in der Qualification Europe II spielten. Tatsache ist, dass sich die Teilnehmer der Qualifikationen Europe I und Europe II nach einem von der IFF festgelegten Schema zusammensetzen, dass auf der Platzierung bei der vergangegen WM basiert.