Good Boys

Mit Siegen gegen Polen, Ungarn und sogar Norwegen tankte die U19 neues Selbstvertrauen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Mit Siegen gegen Polen, Ungarn und sogar Norwegen tankte die U19 neues Selbstvertrauen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Die deutschen Junioren rückten ein wenig in den Schatten der glänzenden Damen – zu unrecht. Denn die U19-Herren hatten sich beim Polish Cup, dem bisher anspruchsvollsten Testlauf vor der Heim-WM im Mai, in bestechender Form präsentieren können. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Bundestrainer Kristof Klein über ein nachhaltig prägendes Wochenende.

Floorballmagazin: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum für manche überraschend positiven Auftritt beim Polish Cup. Hattet ihr als Trainergespann mit Uwe Wolf ein solches Ergebnis erwartet?

Kristof Klein: Vielen Dank, Jan. Wir sind sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft. Jeder einzelne Spieler hat seine Chancen nutzen und seine Leistungsfähigkeit nahezu optimal abrufen können. Wir wissen aber auch, dass noch einige Aufgaben auf uns warten, beispielsweise werden wir im mentalen Bereich noch viel nachholen und haben hier professionelle Unterstützung gefunden. Eine Heim-Weltmeisterschaft ist eine ganz andere Situation, auf die wir uns noch speziell vorbereiten werden – wir rechnen mit vielen Zuschauern und dementsprechend höherem Lautstärkepegel. Das bedeutet auch, dass unsere non-verbale Kommunikation einen Schlüssel zum Erfolg darstellen wird. Zu unseren beim Polish-Cup erzielten Resultaten ist zu sagen, dass diese natürlich auch eine Belohnung für die intensive und lange Vorbereitungszeit aller Beteiligten darstellen. Wir haben uns von Spiel zu Spiel auf den jeweiligen Gegner vorbereitet, so dass jeder einzelne Spieler sehr motiviert agierte.

Unser Fazit – mit einem dritten Platz war im Vorfeld keinesfalls zu rechnen. Unser Focus lag auf den Spielen gegen Ungarn und Polen, welche wir verdient für uns entscheiden konnten. Sehr wichtig ist auch, dass sich trotz der hohen Intensität – schließlich absolvierten wir fünf Spiele über die komplette Spielzeit in nicht einmal drei Tagen –  kein Spieler ernsthaft verletzte.

Gleich zum Auftakt der 4:3-Paukenschlag gegen die favorisierten Norweger. Nach zwei Drittel stand es schon 4:0 und ein bärenstarker Nils Hallerstede hat das Comeback der Skandinavier verhindern können. Was nimmt man aus einem solchen Spiel mit?

Vor allem Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Des Weiteren hat dies den Zusammenhalt in der Mannschaft enorm gesteigert – für den weiteren Turnierverlauf mit Sicherheit eine positive Tatsache. Unser Goalie Nils Hallerstede hat – wie unsere beiden anderen Torhüter Tobias Hoffmann und Gary Blume in den anderen Partien auch – den Sieg auf jeden Fall mehrfach festgehalten. Unsere Defensivleistungen waren vor allem im Auftaktspiel gegen Norwegen sehr gut.

Gegen Tschechien (2:15) und die Schweiz (3:12) gab es dennoch wenig zu holen, für die WM waren das aber vermutlich unbezahlbare Erfahrungen, oder?

Wir sind gegen beide Gegner nicht untergegangen, unser Team ging trotz der relativ deutlichen Niederlagen erhobenen Hauptes vom Feld. Und das meiner Meinung nach absolut zu Recht, weil wir sogar gegen diese beiden Nationen phasenweise spielbestimmend waren. Leider zahlte sich das bisher nicht in den Resultaten aus. Das ist keinesfalls tragisch, sondern eine realistische Zielstellung.

Die Erfahrungen, die wir aus diesen Spielen mitnehmen konnten, waren dennoch sehr wichtig. Das höhere Tempo, die härtere Zweikampfführung und vor allem die effektivere Chancenverwertung waren die Hauptunterschiede im Vergleich zu Deutschlands U19.

Kapitän Erik Schuschwary zieht ab gegen Norwegen – Deutschland gewinnt 4:3. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Der 7:5-Erfolg gegen Ungarn und insbesondere das 3:2 gegen die heimischen Polen, den vermeintlichen Angstgegner der deutschen Auswahl, machten Lust auf mehr. Dank welcher Eigenschaften konnte man sich vom jeweiligen Gegner absetzen?

Zunächst muss ich sagen, dass sich Ungarn im Vergleich zum Hasseröder Nations-Cup im September deutlich gesteigert hatte und somit schwieriger für uns war, das Resultat deutlicher zu gestalten. Unserem Team ist es dennoch gelungen, sich kontinuierlich zu steigern – im jeweiligen Spiel. So war es eine logische Konsequenz, dass wir gegen Ungarn in jedem Drittel als Sieger vom Feld gingen – bis auf das 2. Drittel, welches Unentschieden endete. Polen war abschließend – auch auf Grund der bisherigen intensiven Spiele – ein richtig gelungener Abschluss. Wir sind überzeugt, dass wir gegen Ende des Spiels die cleverere Mannschaft waren, da wir unsere konditionellen Vorteile gegenüber dem Gastgeber ausspielen konnten. Vor allem in den letzten zehn Minuten agierten wir sehr kontrolliert und blieben die dominantere Mannschaft. Unsere Spieler hatten im Turnierverlauf das entsprechende Vertrauen in sich, ihre Fähigkeiten sowie die Fähigkeiten ihrer Mitspieler aufgebaut. Wir sind ein unglaublich intaktes Team geworden, in dem jeder bereit ist, sich für den Anderen einzusetzen.

Als nächstes steht das Trainingslager in Weißenfels im April an. Bis dahin sind es über zwei Monate, wie soll es die Mannschaft schaffen, diesen Schwung, der scheinbar pünktlich da ist, mit in die finale WM-Phase zu nehmen?

Diese Pause wird von entscheidender Bedeutung für das Abschneiden bei der Weltmeisterschaft sein. Es ist ja nicht so, dass die Spieler spielfrei haben: In ihren Vereinen haben sie nun die Möglichkeit, die zahlreichen positiven Erlebnisse aus dem Polish Cup mitzunehmen. Wir als Trainer und auch die Eltern unserer Spieler sind natürlich gefordert, den Spielern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, so dass diese bereit sind, optimale Prüfungsleistungen und sportliche Höchstleistungen kurz nacheinander erfolgreich zu absolvieren. Wir sind sehr zuversichtlich, dass uns dieser Spagat gemeinsam gelingen wird.

Gibt es ein korrigiertes Ziel für die Weltmeisterschaft im eigenen Lande?

Wir legen uns nicht auf lediglich ein Ziel fest. Das wäre sehr vermessen und könnte zu Unzufriedenheit führen. Aus diesem Grund gibt es für uns mehrere Ziele, die wir erreichen wollen. Jedem Spieler wollen wir die Chance geben, die einmalige Atmosphäre einer WM im eigenen Land auf dem Spielfeld zu erleben und seine Nominierung für den WM-Kader zu bestätigen.

Während der Gruppenphase werden wir uns auf das jeweilige kommende Spiel maximal fokussieren und optimal vorbereiten. Anschließend ist jedes Spiel ein K.O.-Spiel, in dem es darauf ankommt, unsere spielerische Stärke und mannschaftliche Geschlossenheit zu demonstrieren. Wir sind überzeugt, dass die Mannschaft zu vielem fähig ist. Das hat sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille beim Polish-Cup eindrucksvoll bewiesen. Nun müssen wir damit rechnen, dass sich unsere Gegner professionell auf uns vorbereiten werden. Wir freuen uns sehr auf die Weltmeisterschaft und hoffen auf maximale Unterstützung von allen Beteiligten. Dann ist Vieles möglich. (jk)

Video-Medley der Verantstalter des Polish Cups:

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