Der große Zwerg

Der Pokal bleibt ein Hoffnungsträger. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Der Pokal bleibt ein Hoffnungsträger. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Vergangene Woche rühmte der Weltverband Deutschland als jenes Land mit dem stärksten Mitgliederwachstum. Der Weg von 8.200 zu 10.000 Lizensierten ist nicht mehr allzu weit, der Eintritt in den DOSB das Ziel schlechthin. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Mathias Liebing, Vize-Präsident von Floorball Deutschland für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Floorballmagazin: Die ISPO wirkte dieses Jahr um einiges lebendiger als in der Saison zuvor. Welchen Nutzen verspricht sich alleine Floorball Deutschland von dieser Veranstaltung?

Mathias Liebing: Die ISPO ist eine hervorragende Präsentationsplattform für die Sportart. Seit 2007 können wir in München zeigen, dass sich mit Floorball auch in Deutschland ein erstzunehmender neuer Spielsport entwickelt. Denn wir dürfen nicht vergessen – Floorball ist trotz unserer mittlerweile erreichten Verbreitung noch relativ unbekannt. Die ISPO hat ganz sicher bisher zu einer Verbesserung beigetragen, zudem sind über Jahre teils sehr gute Kontakte zu potentiellen Partnern und Sponsoren entstanden. Kontakte, die sich in der Mehrzahl aber auch erst in einigen Jahren auszahlen werden. Denn gerade für die großen Firmen sind wie noch ein wenig zu klein.

Die Vermarktung der Sportart und ihrer Wettbewerbe ist im letzten Jahr weiter fortgeschritten, insbesondere durch die Partnerschaft mit MaXxPrint. Mit welchen Ansprüchen sind in dieser Phase der Floorball-Entwicklung Werber und Förderer zu suchen? Und gilt dies auch für Vereine?

Mit MaXxPrint und A&O Hostels haben wir zwei Hauptsponsoren, die zu uns passen. Das Feedback, welches ich nach etwa einem guten halben Jahr bekomme, ist positiv – bei A&O wird registriert, dass immer mehr Vereine und Spieler das Hostelangebot bei Auswärtsfahrten nutzen. Und MaXxPrint konnten wir mit der erhöhten Präsenz im Internet helfen. Das schöne ist dabei, dass beide Partner mit uns etwas entwickeln wollen. Sie haben die Sportart kennengelernt und einen wachsenden Spaß daran, mit uns gemeinsam etwas zu entwickeln. Wollen wir hoffen, dass sich dieser Spaß auch in der kommenden Saison fortsetzt und das mit einem “Hauptsponsor Pokal” auch der letzte Toppartner gefunden wird.

Eines dürfen wir bei aller Euphorie im Zuge der Sponsorensuche und Bindung von einmal gefundenen Partnern nicht vergessen: Wir sind noch eine recht kleine Sportart, wir erreichen noch keinen Massenmarkt und sind noch nicht im Fernsehen präsent. Also müssen wir kreativ sein und hier und da auch mal Kompromisse eingehen. Von Verbandsseite und über die Sportvermarktungsagentur Contacts & Sports, für die ich arbeite, versuchen wir in jedem Fall alles, was das Voranbringen der Sportart angeht. Wenn auch weiterhin Vereine und Spieler mitziehen, dann sind wir mit der Sportart Floorball, einer jungen Zielgruppe und viel Perspektive für Sponsoren einfach ein geiler Partner.

Der Weg zum Massensport ist beschwerlich. Aber was steht für den Verband auf der To-Do-Liste, um die breite Öffentlichkeit zu erreichen? Gibt es vielleicht noch Steine, die man sich selbst vor die Füße schmeißt?

Die Verbandsziele sind klar – wir müssen den Sport über Schulen und Vereine unter Kindern verbreiten und dieses Wachstums in den Vereinsspielbetrieb überführen. Daneben ist es wichtig, dass wir etwa über die Aufnahme in den DOSB auch die formalen Strukturen für die Sportart schaffen. Und in meinem Bereich, den wir mit der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeitskommission und mit Unterstützung von Contacts & Sports beackern, ist es wichtig, dass wir über gute und gut besuchte Veranstaltungen Aufmerksamkeit für Floorball bei Kindern, deren Eltern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Sponsoren und der Presse schaffen. In diesem Zusammenhang sind Events wie das final4 aber auch internationale Veranstaltung wie die U19 WM im Mai in Weißenfels oder WM-Qualifikationen wichtig. Mittelfristig ist es ein Ziel, dass wir mehr TV-Relevanz bekommen. Das kann aber nur mit Unterstützung der Sponsoren klappen. Bei dieser Entwicklung haben wir auch inhaltliche Unterstützung vom Weltverband und den internationalen Top-Sponsoren. Erst bei der Herren-WM in Helsinki habe ich mit dem Marketingchef des finnischen Verbandes fast eine Stunde bei einem Glas Milch über das Thema gesprochen.

In wiefern versucht der Verband Verknüpfungen mit anderen Sportarten umzusetzen? Der einstige Boom in Skandinavien oder Tschechien war größtenteils auf die Eishockey-Affinität der Länder zurückzuführen. Deutschland hat auch eine spannende Hockey-Tradition.

Das Verhältnis zu den verwandten Sportarten ist so gut wie nie. Vom Deutschen Hockey Bund bekommen wir hoffentlich Besuch bei der U19 WM in Weißenfels und meines Wissens fangen immer mehr Eishockeyvereine an, Floorball als Trainingsvariante zu nutzen. Wenn hier in der Realität, also auf der Ebene der Vereine vor Ort, immer mehr aktive Partnerschaften entstehen, ist das sicher der richtige Weg. Inwiefern diese enge Verbindung auch zum Feldhockey möglich sein wird, muss sich zeigen. Da es mit Hallenhockey ja eine eigene Winter- und Hallenvariante gibt, bin ich da skeptisch. Aber am Ende sind es ja ohnehin zwei unterschiedliche Sportarten, die ihren Platz haben. Das ist ja wie in der Medienentwicklung: Nur weil das Internet erfunden wurde, musste das Fernsehen ja nicht abgestellt werden.

Man spricht häufig von medialer Präsenz. Hierbei leisten viele, wahrlich nicht alle, Verein was sie können, aber welche Kanäle, insbesondere im Bezug auf TV, werden für Floorball Deutschland in nächster Zeit interessant sein müssen und warum?

Ganz ehrlich – wenn wir dauerhaft eine Präsenz im Fernsehen wollen, müssen wir dafür zahlen. Wenn dazu perspektivisch Sponsoren bereit sind, weil sie dadurch eine breitere Zielgruppe ansprechen, ist das Fernsehen nicht mehr weit weg. Unabhängig davon müssen wir auf Verbands- und Vereinsebene fleißig bleiben – das heißt, gute Internetseiten basteln, ordentliche Spieltage umsetzen und Medienkontakte pflegen. Der Erfolg kommt dann, auch wenn es dauert, von allein. In Folge der regelmäßigen Pressearbeit, die wir bei WM-Auftritten unserer Nationalteams seit 2007 machen, haben wir ein echtes bundesweites Interesse geschaffen. So wollten zuletzt von der WM-Quali der Damen acht Zeitungen eine teils sehr umfassende oder sogar tagesaktuelle Berichterstattung haben. Darunter die Süddeutsche Zeitung und der Münchner Merkur.

Mit der U19-Junioren-WM steht ein weiteres internationales Event vor der eigenen Tür. Welche Chancen erkennst du in dieser Veranstaltung und was wird konkret geplant?

Da wir als Ausrichter der WM sehr spät für den norwegischen Verband eingesprungen sind und das Projekt mit ehrenamtlichen Verbandsstrukturen anpacken, müssen wir viel improvisieren. Sollte unsere Planung, was wirtschaftlich noch von ein bis zwei Sponsorenzusagen und Fördermittelentscheidungen abhängt, funktionieren, dann machen wir mit der WM auch finanziell einen Riesenschritt. Aber das ist nur das eine – wir haben mit der WM die Chance, den Sport in Deutschland in beeindruckender Qualität zu präsentieren. Ich hoffe, dass viele Vereine die Möglichkeiten nutzen und mit ihren Jugendteams nicht zuletzt nur am Wochenende nach Weißenfels kommen. Unser Ziel ist es, dass so viel wie möglich Kinderaugen die WM sehen. Darüber hinaus werden wir von der Event-Erfahrung profitieren, sofern sich aus jedem Verein in Deutschland noch ein paar Helfer finden. Apropos, Volunteers können sich auch weiterhin bewerben. Um die 100 sind es inzwischen, mindestens 160 hätten wir gern, um in einem Zweischicht-System zu arbeiten.

Das final4 findet dieses Jahr in Ingolstadt statt. Wie kam es zu diesem “Umzug” aus Leipzig und wird die Veranstaltung in den nächsten Jahren “mobil” bleiben?

Wir hätten mit der U19 WM in der ersten Maiwoche in Weißenfels und dem final4 am zweiten Maiwochenende zwei Topveranstaltungen hintereinander in Mitteldeutschland gehabt. Mindestens ein Event hätte darunter gelitten. Und dazu kam das ernsthafte Interesse von Vereinen und Verbänden zum Ausdruck, dass final4 als Szeneevent auszurichten. Insofern wird das final4 in den kommenden Jahren wandern. Darüber schaffen wir es nicht zuletzt, dass bundesweit immer mehr Vereine und Verbände größere Veranstaltungen mit Unterstützung von Floorball Deutschland ausrichten. Diese Erfahrungen wirken sich im Ergebnis dann auf die späteren Liga-Heimspiele aus und helfen den Vereinen bei der lokalen Suche nach Sponsoren und bei der Medienarbeit. Ein wanderndes final4 ist also irgendwie auch Entwicklungsarbeit. Und nach den bisherigen final4-Auflagen und dem tollen Finale im Mai 2010 bin ich mir sicher, dass viele Floorballer dem final4 hinterherreisen werden. (jk)

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1 Kommentar vorhandenKommentieren
  1. Ein paar Anmerkungen zu diesem Interview:

    1)”Der Weg von 8.200 zu 10.000 Lizensierten ist nicht mehr allzu weit, der Eintritt in den DOSB das Ziel schlechthin”
    - Erinnert mich an zwei Zitate aus dem Studium: “Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast” und “Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung”.

    2)”Mit MaXxPrint und A&O Hostels haben wir zwei Hauptsponsoren, die zu uns passen. Das Feedback, welches ich nach etwa einem guten halben Jahr bekomme, ist positiv – bei A&O wird registriert, dass immer mehr Vereine und Spieler das Hostelangebot bei Auswärtsfahrten nutzen”
    - Das ist ja wirklich ein großer und wichtiger Erfolg für den DUB. Es sollte überlegt werden eventuell die Lufthansa mit ins Boot zu holen, um die enormen Strecken die in den Floorballbundesliegen absolviert werden, bewältigen zu können. Hostels für die vielen Übernachtungen sind ja anscheinend schon gefunden.

    3)”Mittelfristig ist es ein Ziel, dass wir mehr TV-Relevanz bekommen. Das kann aber nur mit Unterstützung der Sponsoren klappen. Bei dieser Entwicklung haben wir auch inhaltliche Unterstützung vom Weltverband und den internationalen Top-Sponsoren. Erst bei der Herren-WM in Helsinki habe ich mit dem Marketingchef des finnischen Verbandes fast eine Stunde bei einem Glas Milch über das Thema gesprochen.
    - Wusste jetzt nicht, dass es schon welche gibt…außer Bitterfeld TV Dienstag zwischen 4 und 5 Uhr morgens…Na ja aber wer will schon klein anfangen, wir haben ja schließlich kein ideologisches Brett vorm Kopf – Sport1 wir kommen….Und es riecht nach knallharten Verhandlungen. Ich leg noch einen drauf wenn die ersten finnischen Fernsehsender zur Prime Time das Topspiel der Bundesliga übertragen werden – ich habe Kekse gebacken.

    4) “Da wir als Ausrichter der WM sehr spät für den norwegischen Verband eingesprungen sind und das Projekt mit ehrenamtlichen Verbandsstrukturen anpacken, müssen wir viel improvisieren. Sollte unsere Planung, was wirtschaftlich noch von ein bis zwei Sponsorenzusagen und Fördermittelentscheidungen abhängt, funktionieren, dann machen wir mit der WM auch finanziell einen Riesenschritt. Aber das ist nur das eine – wir haben mit der WM die Chance, den Sport in Deutschland in beeindruckender Qualität zu präsentieren”
    - Das Wort improvisieren gilt sicherlich in Insiderkreisen als Credo des DUB´s. Ein improvisierte Organisation und so ein zwei Sponsorzusagen, spontane Fördermittel und das alles in der Weltstadt Weißenfels…die tausenden TV-Zuschauer (bis dahin steht der Vertrag mit Sport 1) gerade aus den alten Bundesländern werden in die Weißenfelser Hostels stürmen und voller Begeisterung zu Hause von ihren Erlebnissen berichten.

    Ich finde zu einer guten Arbeit gehört eine sachliche Einschätzung der Lage. Wer sich bewusst Dinge vormacht und schön redet, wird nie seine Ziele erreichen. Meine Empfehlungen an die Sportsfreunde vom DUB.
    - Ernst der Lage erkennen, ehrliche Fakten.
    - Weg vom überdimensionierten Denken.
    - Kooperation mit Verbänden, Vereinen und den Praktikern. Die scheinen aus meiner Sicht in der Führung etwas zu fehlen.

    Good luck

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