Facebook und die Bundesliga

Facebook gilt mittlerweile als zentrales Instrument der Betreuung und Erweiterung der eigenen Fangemeinde sowie Mitgliederbasis. Das Floorballmagazin nahm den Umgang der acht Bundesligisten mit jenem größten sozialen Netzwerk der Welt unter die Lupe und stellte erheblichen Verbesserungsbedarf fest.

Mit dem Anbruch der Meister- sowie der Relegationsrunde nähert sich die deutsche Königsklasse ihren Höhepunkten. Spieler und Fans aus der ganzen Bundesrepublik, ja sogar über die Grenzen hinaus, werden sich über die anstehenden Partien austauschen wollen. Die Fertigkeiten der Vereine sich an diesem Prozess zu beteiligt, von ihm sogar zu profitieren, unterscheiden sich aber drastisch.

Dabei spielt die Vernetzung des Vereins mit seinen Bezugsgruppen eine wesentliche Rolle im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Auch Sponsoren und Förderer achten mittlerweile auf Web-2.0-Potenziale jeglicher Art. Journalisten nutzen Newsfeeds sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter als aktuelle Informationsquelle. Und soll Floorball generell die breite Masse erreichen, kommt man ein einem besonders cleveren Umgang mit dem Web 2.0 sowieso nicht mehr vorbei.

Das Floorballmagazin prüfte die offiziellen Präsenzen (alias Facebook-Seiten) der acht MaXxPrint-Bundesligisten und bewertete diese in fünf Kategorien (Stand: 23.02.2011 – 18 Uhr): Grafik (Ist die Seite visuell ansprechend gestaltet?), Inhalt (Erfahren Bezugsgruppen interessante sowie aktuellen Neuigkeiten?), Mehrwert (Was bietet jene Facebook-Page über das Angebot der Vereinswebsite hinaus an?), Reichweite (Wie groß ist die Community?) und Medien (Welche Medienformate bietet die Seite an).

Platz 1: Red Devils Wernigerode
Die Red Devils aus Wernigerode sind mit 366 Facebook-Fans eindeutig der Primus im Oberhaus. Die grafische Umsetzung wirkt aber zunächst etwas lustlos – im individualisierbaren Banner prangt lediglich ein müdes Logo, das als Miniaturbild unfein beschnitten wird, und Postings werden selten mit Illustrationen ergänzt. Inhaltlich liefert die Pinnwand überwiegend aktuelle Inhalte, die jedoch auch von Dritten eingepflegt werden können und sich praktisch nur um die Bundesligamannschaft drehen. Ihre besondere Stärke entfaltet die Seite der Teufel im medialen Bereich, wo Fans auf ein umfassendes Arsenal an Bildern und Videos zugreifen können.
Grafik: 3.0
Inhalt: 3.0
Mehrwert: 4.0
Reichweite: 2.0
Medien: 2.0

Gesamtnote: 2.8

Platz 2: BAT Berlin
Berlins Aufbau der neuen Facebook-Seite ging Hand in Hand mit der Umsetzung einer neuen Corporate Identity des Vereins. Dementsprechend abgestimmt und aufgeräumt wirkt der visuelle Auftritt im Netzwerk noch. Auch die einzelne Inhalte und Postings werden regelmäßig sowie einheitlich gepflegt und eingebettet. Bis auf wenige Hinweise zu Radio- oder TV-Berichten begleitet die Seite aber lediglich das Programm der Vereinswebsite. Über einige repräsentative Bilder hinaus gibt es für den Fan keinerlei multimediale Unterhaltung. Die Quote von 262 Fans in einer 3-Millionen-Metropole dimmt ebenfalls den ansonsten ansprechenden Auftritt.
Grafik: 2.0
Inhalt: 2.0
Mehrwert: 3.5
Reichweite: 3.0
Medien: 4.0
Gesamtnote: 2.9

Platz 3: Floor Fighters Chemnitz
Auch die Floor Fighters sind bemüht ihrem Auftritt eine individuelle Note zu verpassen und erreichen mit 272 Seelen die zweithöchste Fananzahl der Liga. Verdient macht sich hierum nicht nur das umfassende Bildarchiv, sondern auch die individuelle Betreuung von Mitgliedern. In diversen Details wirkt die Präsenz aber noch ein wenig unsauber und unbeholfen – Rechtschreibfehler, Administratoreninfo auf der Pinnwand, „tote Reiter“ (leere aber weiterhin aktive Felder) u. ä.
Grafik: 2.5
Inhalt: 3.5
Mehrwert: 3.0
Reichweite: 3.0
Medien: 3.0
Gesamtnote: 3.0

Platz 4: MFBC Red Kites
Ähnlich wie die Red Devils macht man sich auch beim MFBC zunächst wenig Mühe die Seite grafisch zu individualisieren und kantet unter anderem sein eigenes fesches Logo ab. Dass einer der größten deutschen Floorball-Vereine dann gerade mal auf 121 Fans kommt, enttäuscht auf ganzer Linie. Dabei bieten die Red Kites den vielleicht ansprechendsten Newsfeed der Liga an. Dieser beinhaltet nämlich nicht nur Meldungen über die Bundesliga-Herren, sondern ebenfalls beispielsweise über den erfolgreichen Damenbereich oder über Geschehnisse außerhalb des Vereins, wie Auftritte von Nationalmannschaften. Umso ungeschickter wirkt es, dass man diese aufregende Vereinswelt nicht mit attraktiven Medieninhalten ergänzt.
Grafik: 3.5
Inhalt: 1.5
Mehrwert: 2.5
Reichweite: 4.5
Medien: 4.5
Gesamtnote: 3.3

Platz 5: UHC Weißenfels
Der ehrwürdige Serienmeister ist zwar in der Liga erneut auf Titelkurs, im Web 2.0 tut man sich aber noch ziemlich schwer. Nicht nur, dass 190 Fans eines deutschen Titelträgers nicht würdig sein dürften, der Facebook-Auftritt der Weißenfelser wirkt außerdem unpersönlich und unterkühlt. Zwar bietet die Pinnwand durch einen automatischen Feed immer sofort auch die News der Vereinswebsite an, diese werden jedoch durch keinerlei Illustrationen oder jegliche Sonderinhalte ergänzt. Im Bildarchiv finden sich drei Ordner – einer mit Plakaten und zwei mit knapp ein Jahr alten Bildern von Ligapartien. Einen Lob verdient der UHC jedoch – kein anderer Verein hat sich bislang getraut, einen eigenen Reiter zu gestalten. Zwar ist dieser kein ästhetisches Meisterwerk und bietet in abgeschnittener Form lediglich ein Video sowie ein Jubel-Foto vom Meisterschaftsfinale 2010, der Ansatz aber stimmt.
Grafik: 4.0
Inhalt: 3.0
Mehrwert: 4.0
Reichweite: 4.0
Medien: 3.5
Gesamtnote: 3.9

Platz 6: ETV Hamburg
In Hamburg haderte man lange mit dem richtigen Format seiner Facebook-Präsenz und startete am 18. Februar erst seine Seite neu. Die Verantwortliche hätten jedoch lieber zunächst die Seite in unveröffentlichtem Zustand zurecht gestalten sollen, denn mit Ausnahme des hübschen Hamburger Abteilungswappens gibt es leider nichts weiter zu erwähnen – nicht einmal die 39 Fans. Beim nächsten Facebook-Check werden die Nordlichter aber sicher gewappnet sein.
Grafik: 5.0
Inhalt: 4.5
Mehrwert: 4.0
Reichweite: 6.0
Medien: 6.0
Gesamtnote: 5.1

Platz 7: SC DHfK Leipzig
Die Floorballer des SC DHfK Leipzig begnügen sich bislang mit einer einfachen „Offenen Gruppe“ bei Facebook. Auch die kann selbstverständlich als legitimes Instrument der Kommunikation dienen, praktisch aber nur intern – für die angemeldeten 41 Mitglieder. Für Öffentlichkeitsarbeit jeglicher Art, erweist dich dieses Format als absolut untauglich. Einen etwas besseren Ansatz bieten hierbei die Handballer des Vereins.
Grafik: 5.5
Inhalt: 4.5
Mehrwert: 4.5
Reichweite: 6.0
Medien: 6.0
Gesamtnote: 5.3

Platz 8: SSF Dragons Bonn
In Bonn wartet man noch ab – worauf, wissen nur die Drachen. Tatsächlich wurde vor wenigen Tagen erst eine „Gemeinschaftsseite“ (ein „gemeinnütziges Format“, das zahlreiche Anpassungs- und Kontrollmöglichkeiten der klassischen Seite vermisst) angelegt. Die 14 Fans durften sich bislang aber lediglich über zwei Postings freuen. Dabei spricht gerade der SSF Bonn eine besonders breite sowie junge Zielgruppe an und auch an Video- sowie Bildmaterial mangelt es keineswegs mehr. In Bonn hat man einen weiteren Punkt auf der To-Do-Liste.
Grafik: 6.0
Inhalt: 5.5
Mehrwert: 5.5
Reichweite: 6.0
Medien: 6.0
Gesamtnote: 5.8

Auch die Facebook-Seite des Dachverbandes Floorball Deutschland zeichnen ähnliche Schwächen und Stärken wie jene der Vereine aus. Der Verband besticht mit einem engagierten Umgang mit seiner 766-Personen starken Community, fordert Diskussionen heraus, informiert und interessiert sich. Nicht selten werden auch aktuelle Impressionen als Bilder oder Videos von Veranstaltungen wie der ISPO oder einer WM veröffentlicht. Im Bereich der praktischen sowie visuellen Seiten-Gestaltung tut man sich aber sehr schwer. Die Umsetzung des Corporate Design ist mangelhaft, einige Bereiche sind leer und die Seite ziert außerdem noch das alte Profil-Layout. Im Gegensatz zu den einzelnen Landesverbänden hat man aber zumindest den Nutzen verstanden.

Das Fazit unseres kleinen Überblicks ist ernüchternd. Der Großteil der Vereine ist sich bewusst, dass man mittlerweile auf eine Vernetzung innerhalb der Szene via Facebook nicht verzichten kann, übersieht aber größtenteils den sozialen Charakter des Instruments. Die Interaktion mit der Community sowie ansprechende Sonderinhalte, wie Gewinnspiele, Umfragen, Fanaktionen oder Blicke hinter die Kulissen, die eine Mitgliedschaft attraktiv machen würden, sind Mangelware.

Auch mediale Inhalte, die ein besonderes virales Potenzial bieten könnten und somit die Streuung der Seite sowie des Vereins vorantreiben würden, sind selten vorzufinden. Das Argument, man habe für ähnliche Aufgaben keine Zeit, ist längst überholt. Durch das einmalige Verknüpfen mit Datenbanken von Picasa oder YouTube lässt sich auch ohne viel Aufwand einiges auf die Beine stellen. Und schlussendlich bleibt den Vereinen früher oder später sowieso keine andere Wahl mehr. (jk)

Wie es PR-Profis beispielsweise bei Manchester City oder Real Madrid machen sowie 13 goldene Regeln für Facebook im Sport findest du auch in unserem Blog konterpass.de.

Kommentare

  1. Hey Andy, hätten wir auch noch die zweiten Ligen ins Visier genommen, hätte das vom Umfang her das Ausmaß des Artikels gesprengt. Aber bislang sieht es doch ganz erfolgreich für euch aus, dass ihr im nächsten Jahr wieder im Erstliga-Check auftaucht 😉 Viel Erfolg! (jk)