Fortuna unterstützt nicht nur die Entwicklung der Sportart sondern bietet auch die passenden Quoten. / Foto: Screenshot von ifortuna.cz
Das tschechische Floorball steht am Rande eines einmaligen Wettskandals. Ein Spiel der Fortuna Extraliga soll gezielt manipuliert worden sein. Für die einen steckt System dahinter, wobei auch der gönnerhafte Wettanbieter seine Mitschuld tragen soll, andere sprechen von Vorverurteilung und übler Nachrede.
Verband will Karten offen legen
“Floorball kann nicht so tun, als ob nicht passiert wäre”, erklärte Verbandspräsident Filip Suman am vergangenen Donnerstag dem tschechischen Server florbal.cz, der wiederum den Ball ins Rollen brachte und nun täglich über die Entwicklungen rund den vermeintlichen Wettskandal berichtet.
“Wir wurden bereits in der Vergangenheit von diversen Wettbüros auf diverse Fälle hingewiesen. Der Verdacht hatte sich aber bislang nie bestätigt. In diesem Fall wurden wir bereits vorab informiert”, sagt Suman. “Die Umstände waren diesmal so besonders, dass die Wettbüros wussten, es handelt sich um etwas anderes.”
Im Fokus steht nun eine Ligapartie zwischen Liberec und Future. Während Future bereits sicher den Einzug in die Playoffs erreicht hatte, kämpft Liberec mit Sparta Prag noch um den letzten achten Platz. Diverse Quellen wollen florbal.cz bestätigt haben, dass im Vorfeld fast 20.000 € auf einen Erfolg von Liberec gesetzt wurden. Dieser Umstand versetzte das Wettbüro Fortuna, das außerdem Hauptsponsor der Liga ist, in Alarmbereitschaft, woraufhin auch der Verband direkt kontaktiert wurde.
“Wir stehen hinter unseren Spielern”
“Nach Absprache informierte ich noch vor der Partie den verantwortlichen Trainer und Kapitän von Future,” schildert der Delegierte Radek Hora florbal.cz. “Ich erklärte ihnen die Situation und wies darauf hin, dass sie mit ihrer Leistung selber sämtlichen Verdacht ausräumen können.” Future verlor jedoch die Partie, was für sämtliche beteiligten Organe den Verdacht noch erhärtete.
Marek Jaroch, Vereinschef von SSK Future, lehnt jedoch jegliche Vorwürfe ab: “Wir stehen hinter unseren Spielern. Auf mich wirkt es eher, als ob jemand den Verein in Verruf bringen wolle.” Auf die Niederlage angesprochen, erklärte er, man habe der Mannschaft zuvor klar gemacht, was auf dem Spiel stehe und dass ermittelt werden könnte. Doch es seien eben junge Spieler, die einem solchen Druck nicht ohne weiteres standhalten könnten.
Außerdem wies Jaroch darauf hin, dass jeder Spieler einen Vertrag zu unterschreiben hätte, der das Wetten ausdrücklich verbiete. Tatsächlich geben auch die Regularien des Spielbetriebs entsprechende Regeln vor. Dort heißt es: “Der Verein ist verpflichtet sicherzustellen, dass keine Funktionäre, Spieler oder anderweitigen Mitglieder einer Mannschaft, die in der Fortuna Extraliga startet, selbst oder in Vertretung an Wetten im Rahmen der Fortuna Extraliga teilnehmen.”
Im Falle eines Verstoßes drohen dem Verein alleine seitens des Verbandes der Ausschluss aus dem Wettbewerb sowie eine Strafe von 10.000 €. Ein überführter Spieler oder Funktionär könnte bis zum Lebensende für den Spielbetrieb gesperrt werden.
Selbst schuld
Die Affäre selbst sowie die veröffentlichten Artikel lösten eine massive Welle Empörung in alle Richtungen aus. Für die einen ist der Wettanbieter selbst schuld. Dieser habe einerseits eine übertrieben hohe und somit besonders attraktive Quote ausgeschrieben und müsse außerdem mit den Konsequenzen daraus leben, an einer Amateursportart Geld verdienen zu wollen.
“Lasst uns reinen Wein einschenken. Viele Spieler wetten, auf sich selbst und auch gegen sich, aber auch auf ganz andere Spiele. Das ist völlig üblich, keine Beeinflussung der Spiele”, kommentiert ein Community-Mitglied bei florbal.cz. “Wir sind Halbprofis, wir kriegen aber keinen Cent, also warum sollte ich nicht auf mich selber wetten? Das nennt man Motivation. Und wenn ich weiß, dass ich nicht spielen werde, dass viele verletzt sind und die Wahrscheinlichkeit, dass wir verlieren hoch ist, warum nicht auf den Gegner wetten?”
Andere äußern ihr Unverständnis darüber, dass Future bereits als schuldig abgestempelt würde, wobei noch nichts bewiesen ist. Wenn man so dumm sei und eine derart hohe Quote ausschreibe, könne man sich nicht wundern, wenn viel Geld gesetzt wird. Nun soll das Spielvideo verwertet sowie die angeblich frisch vor der Wettabgabe angelegten Konten von der Polizei geprüft werden.
Tatsächlich spielen auch in Tschechien Wettbüros eine zwiespältige Rolle im Sportwesen. Der Großteil des gesamten nationalen Sportbudgets wird über hohe Abgaben der Wettanbieter finanziert. Fortuna unterstützt den tschechischen Floorballverband außerdem als finanzkräftiger Hauptsponsor. Die Czech Open tragen den Namen des Wettbüros Chance im Titel. Andererseits sorgten bereits zahlreiche Skandale auch in anderen Sportarten für Zündstoff.
In Deutschland hatte vor einigen Jahren der damalige Wettanbieter betandwin kurzzeitig die Floorball Bundesliga in sein Wettangebot aufgenommen. Heute sind bei bwin Wetten auf diverse ausländische Ligen sowie internationale Wettbewerbe möglich. (jk)
Quellen: florbal.cz, cfbu.cz













