Europafenster: 120 Prozent Tatran

Der Deckel muss auf den Topf! Sandra Dirksen (li.) und Siegschützin Alexandra Frick feiern die Meisterschaft der Red Ants in der Schweiz. /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Europas Champions sind gekürt. Bei den Männern sind in allen vier Topligen die alten auch die neuen Titelträger. Eindeutig war es jedoch nur in der Schweiz, bei Wiler-Ersigens erneuten Triumph. Besonders dramatisch verliefen die Endspiele dagegen in Tschechien.

Swiss Mobiliar League

Es ist die Krönung einer starken Saison: Im vierten Spiel der Finalserie gegen Titelverteidiger Piranha Chur machten die Red Ants Rychenberg Winterthur den Sack zu und holten ihren ersten Meistertitel seit 2005. Im März hatte man bereits den Pokal gewonnen. Der entscheidende Faktor auf dem Weg zum Double war Goalie Jana Christianova. Die tschechische Nationaltorhüterin wechselte vor der Saison zu den Red Ants und nagelte vor allem in den Finalspielen ihre Kiste teilweise zu, brachte damit die Churer Angreiferinnen immer wieder zur Verzweiflung. Doch auch „unsere“ Sandra Dirksen hatte ihre Hypothek am Titel: Sie lieferte im letzten Spiel eine Minute vor Ultimo den Assist zum entscheidenden Treffer durch Frick. Der brachte nicht nur den 4:3-Sieg sondern auch die Meisterschaft.

Die pure Dominanz: Wiler bejubelt den Siegtreffer in Spiel zwei bei Malans. Eine Partie später wurde daheim in Zuchwil alles klar gemacht. /Foto: Erwin Keller, kellermedia.ch

Eine ganz schnelle Angelegenheit war einmal mehr der Männer-Final. Wie schon letzte Saison gegen Rychenberg-Winterthur „sweepte“ sich Wiler-Ersigen zum mittlerweile fünften Titel in Serie. Nach zwei knappen Auftaktsiegen ließ man Malans mit dem ehemaligen finnischen und neuen Schweizer Nationaltrainer Petteri Nykky in der dritten Partie keine Chance: Nach 17 Minuten waren die Messen in der gut gefüllten Eishalle Zuchwil (1.821 Zuschauer) bereits gelesen, Wiler führte da schon 4:0. Das 5:2 bei Spielmitte hatte dann fast bis zum Ende Bestand – der letzte Treffer der Saison war schließlich Zimmermann mit einem „Empty-Net“ Treffer kurz vor Schluss vergönnt. Die Geschichtsbücher der Swiss Mobiliar League enthalten nun also ein weiteres Kapitel grün-weißer Dominanz.

Den Abstieg in die NLB muss dagegen Lok Reinach verkraften. Mit 0:3 verlor man die Relegationsserie gegen Zug United glatt und diskussionslos. Im anderen Duell konnte Uster gegen Eggiwil die Klasse halten.

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Jarno Ihme, Goalie von SPV Seinajoki konnte im entscheidenden Spiel nur 76 Prozent der Torschüsse abwehren. Gegenüber Toivoniemi entschärfte 91 Prozent und sicherte dem SSV Helsinki den Titel. /Foto: Mikko Hyvärinen

Salibandyliiga

Im entscheidenden Moment ist sie einfach da, diese Sieger-Mentalität. Zum fünften Mal in Serie holte sich der SSV Helsinki den finnischen Meistertitel. Wie im vergangenen Jahr Erä zwang auch Seinajoki den Champion über die volle Distanz von fünf Spielen und musste am Ende doch die Stärke von Järvi und Co anerkennen. Vor 3.089 Zuschauern in der Hartwall-Arena siegte SSV 7:2, entschied die Serie damit 3:2 für sich. Wichtigster Faktor im finalen Spiel war Henri Toivoniemi, der das Goalie-Duell mit Jarno Ihme klar für sich gewann (91 zu 76 Prozent abgewehrter Schüsse). Seinajoki blieb also die Krönung einer ohnehin schon überragenden Saison verwehrt: Im Vorfeld der Spielzeit hätte man die Ausbeute Silbermedaille und Pokalsieg aber sicher unterschrieben.

Zum fünften Mal in Serie Meister:SSV Helsinki. /Foto: Mikko Hyvärinen

Das Damen-Finale ging auch über die volle Distanz. Hier hatte Classic Tampere gegen NST Lapeenranta das bessere Ende für sich und siegte im entscheidenden Spiel mit 3:1.

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Milan Garcar (vorn) hat den Ball fest im Blick. Sein Treffer im Sudden Death brachte Tatran den 14. Meistertitel - und Herausforderer Ostrava ein kleines Trauma. /Foto: Stepán Cerný

Fortuna Extraliga

5:2 führte FBC Ostrava vor dem letzten Drittel des vierten Spiels gegen Tatran. 1.083 Zuschauer waren voller Ekstase und Vorfreude auf den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte und den Sturz des großen Favoriten. Nach dem 6:4-Heimsieg in Spiel drei führte man in der Finalserie 2:1, nur noch ein Sieg bis zum Titel. Und nun gar nur noch 20 Minuten, drei Tore Vorsprung – das sollte doch reichen! Sie hatten die Rechnung ohne Tatran gemacht…

Denn nun drehte der Champion, angeführt von Kapitän Milan Fridrich auf. Nachdem er und von der Pahlen mit einem Doppelschlag (47., 49.) den Anschluss hergestellt hatten, war es zweieinhalb Minuten vor Ende wieder Fridrich, der sein Team in die Verlängerung rettete. Dort ließ er die Träume der Ostrava-Fans auf eine Meisterfeier in eigener Halle endgültig zerplatzen, als er 24 Sekunden vor Ablauf der zehn Minuten Extrazeit den Ball in den Maschen versenkte. Damit war alles angerichtet zur „Belle“, dem entscheidenden fünften Spiel in der Prager Sparta-Halle.

Wer nun aber dachte, dass die Moral von Herausforderer Ostrava nach dieser unglücklichen Niederlage gebrochen war, hatte sich schwer getäuscht. Nach dem ersten Drittel führten die Gäste mit 3:0, zur Spielmitte gar mit 5:0! Ostravas Jiri Curney hat zu dem Zeitpunkt schon vier Punkte (3+1) beigesteuert – Die 1.538 Zuschauer waren zu dem Zeitpunkt längst verstummt. Tatrans zwei Anschlusstreffer in der Folge werden durch einen weiteres Tor der Gäste beantwortet. Nur noch 20 Minuten, vier Tore Vorsprung – das sollte doch reichen! Ja, manchmal grüßt das Murmeltier tatsächlich…

Zunächst sah nichts nach einem Comeback Tatrans aus: Zák trifft bis zur 49.Minute zweimal für Ostrava, Fridrich konnte dazwischen einmal für Tatran punkten. 3:8 und noch zehn Minuten. Was dann folgte, waren „120 Prozent Tatran“ (Zitat florbal.cz). „Es ist fast schon Tradition: In den entscheidenden Situationen legt Tatran den Schalter um“, so das Online-Magazin weiter. Und so eröffnet Podhráský in der 51.Minute in 6 gegen 4 Überzahl (Tatran hatte da schon erstmals für Goalie Novotný einen Extra-Feldspieler gebracht) eine unglaubliche Aufholjagd, die von der Pahlen eine Minute vor dem Ende mit seinem Treffer zum 8:8 abschließt und das Spiel damit in die Verlängerung schickt. Fünf Tore in acht Minuten, allesamt bei gegnerischem „Empty Net“ – zu viel für Ostrava. Im Sudden Death dauert es dann nur 65 Sekunden, bis Garcar Tatran zum 14.Meistertitel schießt. Ostrava muss dagegen weiter auf den ersten Titel warten und dürfte noch lange an dieser dramatischen Finalniederlage zu knabbern haben.

Bei den Damen machte übrigens Abo-Meister Herbadent kurzen Prozess mit Stadtrivale Bohemians Prag und holte sich den Titel mit 3:0 Siegen.

Alle Ergebnisse und Statistiken unter florbal.cz

Das komplette Finale gibt es als Video bei ceskatelevize.cz.

(tn)