Die Rückkehr des Buddha

Kann sich gleich doppelt freuen: Die Tor-Queen vom Pokalfinale Anne-Marie Mietz (links) sackte auch noch den Best Player Titel ein und sicherte im Sudden Death den 1. Damen Pokal. /Bild: F. Büchting

Das final4 im bayerischen Ingolstadt brachte eine erwartete Wende, nicht nur im Austragungsort, sondern auch bei den Siegern. Die Pokalgewinner sind neben den ersten Pokal-Gewinnerinnen andere als im Vorjahr: Weißenfels und Grimma holten sich Gold für 2010/2011 in Form des Pokal-Buddhas.

Weißenfels‘ Wiedergutmachung

Am Ende waren es der UHC Sparkasse Weißenfels bei den Herren und die Damen vom MFBC Wikinger Grimma, die sich in Form des kleinen sockellosen Buddhas die Saison 2010/2011 mit dem Pokalsieg versüßten. Bei den Halbfinals der Herren wurde den mitgereisten Hardcore-Fans feinste Floorball-Spannung präsentiert. Vor allem das Spiel zwischen Döbeln und Bremen hatte alles zu bieten, was ein Spiel bieten kann. Denn nach eng und hart umkämpfter regulärer Spielzeit, folgte der ungenutzten Verlängerung ein nervenaufreibendes Penaltyschießen. Nur denkbar knapp konnten die Döbelner durch Stefan Liers ins Finale einziehen. Zu Beginn hätten die Zuschauer in der Wegmann-Halle keine spannende Partie erwartet, denn erst im letzten Drittel kam richtig Schwung auf’s Feld. Besonders die Goalie-Paraden von Timothy Lizotte (Bremen) und Stephan Richter (Döbeln) sorgten für Stimmung.

Der ETV Hamburg dagegen startete im zweiten Halbfinale von Anfang an in hohem Tempo durch und wollte möglichst früh demonstrieren, wie ernst es den Hanseaten mit der Pokal-Titelverteidigung war. In der Chancen-Erarbeitung dominierte Hamburg und brachte Weißenfels stellenweise so stark unter Bedrängnis, dass diese sich aus der gewohnten Ruhe bringen und zu zahlreichen Fehlpässen hinreißen ließen. Bis zum Ende des zweiten Drittels sah es so aus als ob Hamburg erneut den Einzug ins Pokal-Finale schaffen dürfte. Doch aufgeschreckt durch die zurückliegenden 40 Minuten, packte den UHC nochrechtzeitig die Willenskraft. Insbesondere Viktor Gustafsson und Best-Player Sascha Herlt gaben dem Spiel dann die entscheidende „Weißenfels-Note“, die schließlich im knappen, aber beherzten 5:4-Sieg endete.

Gingen am Ende beide leer aus: Der UHC Döbeln (Michael Schulz, gelb) räumte zuvor Bremen (T. Kleinhans, grün) aus dem Weg, schlug sich im Finale gegen Weißenfels wacker, stieß aber dann an die Grenzen. /Bild: Erwin Binder, pafnet.de

Nun stand es für das Finale David gegen Goliath – vermeintlich. Denn Döbeln ärgerte den Rekordmeister und aktuellen Dritten lange und passioniert. Immer wieder glänze Rico Haase mit kraftvollen Kontern, die er entweder selbst verwandelte oder einem ebenso energiegeladenen Michael Schulz auflegte. Nach einem kraftvollen, aber ebenso entkräftenden ersten Drittel brach der Zweitligist aber ein und wurde im zweiten Spielabschnitt mit 2:8 überrollt. Nie entmutigt und desillusioniert kämpfte Döbeln weiter, auch wenn die Chancen rarer wurden. Am Ende durfte die vierte Reihe aus jungen Nachwuchskräften auf’s Feld. Sie nutzte diese Chance mit zwei Treffern und euphorischem Jubel. Auf Seiten der Weißenfelser wurden wieder einmal die Goal-Getter-Qualitäten von Sascha Herlt, Pascal Schlevoigt und Viktor Gustafsson deutlich. Doch muss gesagt werden, dass Goalie Stephan Richter nach einem grandiosen Start einen Black-Out zu haben schien und beinahe jeder UHC-Schuss im Tor zu landen schien. Am Ende feierten die Weißenfelser die Rückkehr des Buddha.

Grimmas Revanche

Erstmals in der Geschichte kämpften auch weibliche Mannschaften um den Pokal-Buddha. Die Spannung aus der Nord-West-Staffel fand jedoch keine Fortsetzung in den Begegnungen mit den etablierten Teams aus der Ost-Staffel. Beide Halbfinals endeten eindeutig. Zuerst unterlag die bunt zusammengewürfelte Nordmannschaft vom TSV Bordesholm mit 1:7 gegen die Wikingerinnen aus Grimma. Später zogen die Bremeninnen gegen UHC  Weißenfels mit 1:4 den Kürzeren. Ein Ergebnis, mit dem die Meisterinnen alles andere als zufrieden waren. Im Pokal-Finale konnten dann der aktuelle Vize-Meister Grimma und amtierende Titelträger Weißenfels endlich um die Revange für die Meisterschaft kämpfen.

Im Duell: Franzi Liebing vom Meister UHC gegen Franziska Stöckel vom MFBC Grimma./ Bild: F. Buechting

Im Duell: Franzi Liebing vom Meister UHC gegen Franziska Stöckel vom MFBC Grimma./ Bild: F. Buechting

Das Finale zeigte ein – für Frauenverhältnisse – schnelles und zweikampfstarkes Spiel, in dem sich beide Gegner keinen Zentimeter schenkten. Es fiel jedoch auf, dass Weißenfels mehr Druck ausübte, viele Chancen erarbeitete, jedoch Grimma die Mannschaft war, der es gelang, die Chancen zu verwerten. Im Schlussdrittel half ein Treffer von Magdalena Tauchlitz in der Überzahl den Ausgleich kurz vor Ende zu erzielen und so die Verlängerung zu sichern. Durch eine technische Panne liefen die letzten beiden Spielminuten trotz Unterbrechung ab, obwohl es noch Freischlag für Grimma hätte geben müssen (Nachträglicher Hinweis der Redaktion: Hierbei handelte es sich um keine Panne, da tatsächlich auch im Endspiel die letzten Minuten ineffektiv gemessen wurden). Diesen Vorteil erarbeitete sich Anne-Marie Mietz wieder, indem sie in der Verlängerung einen Fehler an der Mittellinie ausnutzte, um Richtung UHC-Goalie Nancy Gatzsch vorzutanken und den Pokal für Grimma zu entscheiden.

Impressionen aus der Paul-Wegmann-Halle: Die entlegene Halle war teilweise gut gefüllt, manchmal eher dürftig, doch meist mit bekannten Gesichtern. /Bild: Erwin Binder, pafnet.de

Ingolstadts Premiere

Die Ausrichter aus Bayern waren Anfang des Jahres vom Verband freiwillig ins kalte Wasser geworfen worden und mussten eigenständig das Erbe des final4 aus Leipzig übernehmen, nachdem entschieden wurde, dass neben der U19-WM in Weißenfels kein zweites Event in Mitteldeutschland stattfinden soll. Damit sollte die Region als Floorball-Standort nicht zu sehr bevorzugt und überstrapaziert werden. Die Ingolstädter Paul-Wegmann-Halle war eine etwas abgelegene Halle, die aber ein angemessenes Flair verbreitete und trotz mäßiger Besucherzahlen gute Stimmung aufkommen ließ. Angesichts des jungen lokalen Ausrichters und der sportlichen Konkurrenz aus Fussball und Eishockey, kann zusammengefasst werden, dass dieses final4 eine Chance zur nationalen Verbreitung des Floorball-Fiebers war und als solche genutzt wurde. Trotz kleinerem Maßstab waren die Ausrichter merklich mit Leidenschaft am Werk. (ms)

Die final4 Ergebnisse:
Damen Halbfinal I: TSV Bordesholm – MFBC Wikinger Grimma 1:7
Damen Halbfinal II: TV Eiche Bremen – UHC Weißenfels 0:4
Herren Halbfinal I: TV Eiche Horn Bremen – UHC Döbeln 3:4 (n.P.)
Herren Halbfinal II: ETV Hamburg – UHC Sparkasse Weißenfels 4:5
Damen Finale: MFBC Wikinger Grimma – UHC Weißenfels 3:2 (n. V.)
Herren Finale: UHC Döbeln – UHC Sparkasse Weißenfels 7:14

Kommentare

  1. Kleine Anmerkung: Die Damenspiele im Floorball Deutschland Cup liefen alle über 3 x 15 Minuten nicht effektiv gemessen – auch die letzten beiden Spielminuten.