„Es war eine grandiose Werbung“

Mit beiden WM-Mega-Bannern putzte sich Ingolstadt zum ersten Mal für das final4 Pokalwochenende in der Paul-Wegmann-Halle heraus. /Bild:/ F. Büchting

Magdeburg und zweimal Leipzig. Das waren die bisherigen Stationen des final4. Doch vor einer Woche wurde eine bayerische Stadt nahe München Schauplatz des Pokalspektakels: Ingolstadt. Zeit für eine erste Bilanz über die final4-Premiere in Bayern: Floorballmagazin sprach mit Ausrichter Roland Albrecht.

Floorballmagazin: Das erste final4 Event außerhalb von Mitteldeutschland fand bei euch in Bayern, genauer in Ingolstadt statt. Die Eindrücke haben sich gesetzt: Welche Bilanz ziehst du nach dem Pokal-Wochenende aus Sicht eines Ausrichter? Bist du mit dem Event zufrieden?

Roland Albrecht: Aus unserer Sicht ist das final4 sehr positiv verlaufen. Alles, was wir uns in der Organisation für das Wochenende vorgenommen hatten, hat dank der zahlreichen Helfer hervorragend geklappt.

FM: Floorball Deutschland hatte zum Jahreswechsel beschlossen, das final4 nicht wie gewohnt in Leipzig stattfinden zu lassen, sondern in eine andere Stadt zu vergeben. Die Begründung: Die Konzentration der Floorball-Events durch die U19 Heim WM und dem sich unmittelbar anschließenden final4 in Mitteldeutschland nicht zu stark werden lassen. Wie seid ihr damals an die Bewerbung als Ausrichter herangegangen?

RA: Nachdem uns die Anfrage von Floorball Deutschland erreicht hatte, haben wir die Verfügbarkeit der Paul-Wegmann-Halle geprüft und sie gleich für das final4 vorsorglich reservieren lassen. Nichts wäre schlimmer gewesen, als das final4 zu erhalten und die Halle ware dann schon  vergeben gewesen. Dann haben wir intern abgeklärt, ob wir das final4 ausrichten wollen und können. Zwei Tage nach der Anfrage, konnten wir Floorball Deutschland informieren, dass wir uns ernsthaft für das final4 2011 bewerben.

FM: In Bayern sind Vereine wie FC Stern München oder Red Hocks Kaufering in der Floorballszene ein Begriff. Aber auch Inglostadt trat bisher z. B. mit der Austragung der letzten Winter U17-Trophy in Erscheinung. Wie kam es dazu, dass Floorball Bayern das final4 schlussendlich nach Ingolstadt verlegte?

RA: Uns, sprich dem ESV Ingolstadt, erreichte eine direkte Anfrage von Floorball Deutschland. Wir hatten in der Vergangenheit schon einige Veranstaltungen für den Bundesverband ausgerichtet und damit Erfahrung im Ausrichten von Floorball-Veranstaltungen. Seit 2008 fand jedes Jahr eine Kleinfeld-DM in Ingolstadt statt. 2007 waren wir Ausrichter der Herren-Länderspielen gegen Italien und auch die erste U17-Trophy wurde in Ingolstadt ausgetragen. Zudem gibt es in Ingolstadt neben dem ESV mit dem TSV Unsernherrn und dem SV Haunwöhr drei Floorball-Vereine mit über 200 Aktiven.

FM: Du warst nicht nur Ausrichter des final4 in Ingolstadt, sondern
zugleich Vizepräsident des bayerischen Floorball Verbandes „Floorball Bayern“ – Welche Erwartungen und Impulse für den regionalen Floorball erhoffst du dir durch das final4 erreicht zu haben? Gibt es bereits erstes Feedback?

RA: Für uns war besonders wichtig das final4 für unsere Medienarbeit zu nutzen. Zudem wollten wir den Aktiven und ihren Angehörigen die Möglichkeit geben, Floorball auf höchstem Niveau vor Ort anzusehen und die Größe der Sportart zu erleben.

Wir konnten zumindest in Ingolstadt mit dem final4 sehr gut neue Kontakte zu den wichtigsten Medien knüpfen. INTV, der lokale Fernsehsender, berichtete trotz der großen sportlichen Konkurrenz am Wochenende durch den Ingolstädter Halbmarathon und das letzte Saisonspiel des FC Ingolstadt, wieder über Floorball. Die lokalen Onlineportale setzten Bildergalerien auf Ihre Seiten und auch RadioIN brachte erstmals einen ausführlichen Vorbericht. Obwohl von fast allen bayerischen Vereinen Besucher da waren, hätten wir uns noch etwas mehr Zuschauer aus der Region gewünscht. Insgesamt waren wir mit dem final4 aber sehr zufrieden. Vom FC Stern München, der mit sechs Teams am final4talentepokal teilnahmen, erreichten uns Nachrichten wie „Unsere Kids und Eltern waren begeistert und stark beeindruckt“, „Es war eine Wahnsinns Kulisse“ oder „Ich kannte Floorball vorher gar nicht, aber es ist ein Super-Sport“. Kurz: Es war eine grandiose Werbung für unseren Sport und für Bayern.

FM: Die Diskussion um die Vergabe des final4 ist noch immer nicht  ganz vom Tisch. Denn es  wird überlegt, ob eine Etablierung in Leipzig oder eine freie Vergabe sinnvoll wäre. Was ist deine Einschätzung, nachdem Ingolstadt quasi ein Testlauf der 2. Variante war und nun beide Optionen im Vergleich betrachtet können?

RA: Sicher hat der Standort Leipzig durch seine zentrale Lage in der Floorball-Hochburg Mitteldeutschland mehrere Vorteile. Zudem bietet die Ernst-Grube-Halle sehr gute Voraussetzungen für die Ausrichtung des final4. Wir haben in Ingolstadt aber auch gezeigt, dass das final4 auch an einem anderen Standort funktioniert.

FM: Abschließend noch eine Frage zur Zukunft des final4: Was wünschst du dem final4 für seine zukünftige Entwicklung als etabliertes Floorball-Event?

RA: Wir hatten den Eindruck, dass das Potential des final4 noch nicht ganz ausgereizt ist, was sicherlich auch daran lag, dass im Vorfeld sämtliche Ressourcen von Floorball Deutschland mit der U19-WM gebunden waren. Das Konzept des final4 hat wirklich das Zeug das größte nationale Floorball-Event zu werden. (ms)