Stieftochter Damen Bundesliga

Die Unbeständigkeit der Liga: So nicht mehr im Einsatz - die SG Hamburg/Seebergen (schwarz) und die SG Weißenfels/Chemnitz (rot). / Bild: Florian Büchting, unihockey-pics.de

In zahlreichen Sportarten steht der Damenbereich hinten an.  Auch im Floorball krankt die Entwicklung beim weiblichen Nachwuchs und in der Liga erheblich. Stimmen wurden laut, der Verband kümmere sich zu wenig um seine Frauen. Ein Stimmungsbild über die Damen Bundesliga und wie es mit ihr weitergehen könnte.

Ralf Kühne, Trainer der MFBC Wikinger Grimma und seines Zeichens leidenschaftlicher Verfechter der Damen Bundesliga sieht keine andere Option: Die Bundesliga muss auch dieses Jahr am Leben erhalten werden. Dabei lässt er offen, in welcher Form sie gerettet werden soll. In der vergangenen Woche sendete er einen beherzten Aufruf an alle Pokal und Bundesliga Mannschaften, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Am liebsten wäre ihm für die kommende Saison eine doppelte Fortführung mit Bundesliga und Pokal-Spielbetrieb. Doch die Bundesliga schwächelt schon seit Jahren. Nimmt man es genau, war sie immer eine Art Frühchen ihrer Zeit. Denkt man zurück an die 2-Mannschaften-Ära, bei der lediglich Halle gegen Leipzig kämpfte, wird die Problematik deutlich. Immer wieder schwankte die Zahl der Teilnehmer: SSV Heidenau, UHC Weißenfels, MFBC Grimma, die Löwen Ladies Leipzig und ab und an Berlin und Seebergen/Hamburg. 2009/2010 zog Berlin dann während der Spielzeit zurück. Zuletzt spielten nur vier Mannschaften im Wettberwerb. Die Bundesliga verdiene ihren Namen nicht mehr, hieß es folglich.

Doch was ist das eigentliche Problem, das den Damen Spielbetrieb so stocken lässt, dass es beinahe nach jeder Saison wieder zu Diskussionen um die Zukunft der Liga kommt und Vereine regelmäßig im April vor der Frage stehen: Wie geht es weiter? Sicher ist, dass es nicht vornehmlich an der geringen Anzahl williger Spielerinnen, die den Sport leistungsbezogen betreiben wollen, liegt. Das größere Problem liegt in der Struktur der Liga, meint Kühne. Vereine aus dem hohen Norden wie Bordesholm oder aus den westlichen Gebieten um Köln und Bonn können und wollen oftmals nicht die Strapazen einer Bundesliga eingehen. Denn das würde Fahrtstrecken weit von Gut und Böse bedeuten.

Eigentlich sieht der Verband die Spielbetriebskommission (SBK) in der verantwortlichen Position, dieses Thema zu behandeln, da es sich bei der Bundesliga um einen Spielbetrieb handelt. Doch Kühne sieht damit das Problem als nicht gelöst. „Das strukturelle Problem kann und soll die SBK nicht lösen, denn sie kann nur etwas verwalten, das es bereits gibt.“ Im April schlug der Verband vor, Andreas Ritter, designierter Vize-Präsident, als Mediator einzusetzen, um zwischen SBK und Damen Bundesliga zu moderieren. In den letzten Wochen wurde durch die zahlreichen Baustellen der Liga ein Think Tank anberaumt.

Ralf Kühne happy: Seine Grimmaer Frauen haben hart trainiert und nach dem Vize-Titel nun das versöhnliche Saisonende mit Pokaltitel erkämpft./ Bild: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Kerstin Neumann trug daraufhin Informationen, Anregungen und Visionen von Verband und Vereinen gleichermaßen zusammen. Diese Informationen wurden zu einem Papier zusammengefasst. Am Wochenende werteten verschiedene Vertreter und Beteiligte diese Vorschläge aus. Unter den Vorschlägen befinden sich unter anderem die Idee der Staffelung in eine Nord-West- und ein Ost-Staffel. Sie sei ein probates Mittel Fahrtstrecken kurz zu halten und regionale Potenziale ohne aufwendige Spielgemeinschaften auszuschöpfen.

Bei diesem Punkt sieht der Verband den Schlüssel zum Erfolg. Zudem ist angedacht die Vereine kurzfristig finanziell zu entlasten, um den Anreiz der Teilnahme an der Bundesliga zu erhöhen. Dabei soll unter anderem die Teammeldegebühr verändert werden sowie die Spielerlizenzgebühr – nach Gesichtspunkten des neuen Finanzierungssystems des Verbandes. Auch ist angedacht, das Schiedsrichterkontigent herunterzusetzen. „Die Ausbildung eines Schiedsrichters dauert immerhin drei Jahre“, erklärt Kerstin Neumann. Für Neulinge der Liga wäre ein zu hohes Kontigent nicht sofort erfüllbar.

Für den Pokal sind veränderte Spielzeiten im Gespräch: Eine kontinuierliche, angemessene Anpassung auf drei mal 20 Minuten uneffektiv. Eventuell folgt der Pokal dann in der übernächsten Saison der Bundesliga mit drei mal 20 Minuten effektiver Zeitmessung. „Doch entschieden ist noch nichts und über einzelne Ausprägungen wird noch verhandelt“, bemerkt Neumann. Dabei muss man neben allen gut gemeinten Erleichterungen immer die spätere Steigerung und Aufstockung im Blick behalten. Ein auf Dauer reduziertes Schiedsrichter-Kontigent würde die Liga strukturell nicht voran bringen, das Problem im Kern nicht lösen, sondern nur zeitlich verschieben.

„Wenn wir den Pokal in seiner jetzigen Form als Bundesliga-Ersatz nehmen, verkommen wir zur Hobbyliga – das ist Quatsch“, ist Ralf Kühne entschieden gegen den Gedanken, den Pokal gänzlich als Ersatz für die Bundesliga zu nehmen. Dabei ist er nicht gegen das Konzept des Pokals, sondern gegen seine Formalitäten und in diesem Zusammenhang als Substitution für die Liga. Die Damen des MFBC Grimma trainieren nach eigenen Angaben vier Mal die Woche, darunter Lauf- und Sprinttraining. Der Pokal wäre mit seinen drei mal fünfzehn Minuten uneffektiver Spielzeit das falsche Signal, sagt der Vereinspräsident des Mitteldeutschen Floorball Clubs.

Fordere man weniger, werde sich das Niveau der Liga nie erhöhen und der Abstand an die Weltspitze wachse. „Mit Kondition und starker Physis kann man im Damenbereich schon viel an Qualität verbessern“, ist sich Kühne sicher. Das sehe man auch an der guten Qualifikation, die die Damen in Benidorm im Februar absolvierten. Das strukturelle Problem der Damen Liga in Deutschland hat natürlich auch Auswirkungen auf die nationalen Auswahlen. Die U19 Damen sowie die Nati-Damen benötigen in ihren Heim-Vereinen gute Voraussetzungen, um das Leistungsniveau konstant zu halten. Zusätzlich sieht Kühne eine Bewerbung für die Damen WM 2015 von Floorball Deutschland kritisch. Ohne funktionierende Damen Liga stehe der Verband vor der International Floorball Federation (IFF) nicht im besten Licht da.

An der Spitze der Damen Entwicklung: MFBC Grimma und der UHC Weißenfels - hier im Duell. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Nach Ansicht des Grimmaer Vereinschefs und Trainers der MFBC Damen fehlt neben der Spielbetriebsstruktur ein Verantwortlicher für den Damenbereich. Damit wäre dem Bereich Nachhaltigkeit und bessere Planbarkeit für alle Beteiligte gegeben. Feste Strukturen können auch mehr finanziellen Unterbau ermöglichen. Wenn zu Beginn einer Saison Sponsoren und Unterstützer noch nicht einmal sicher sein können, wie und in welcher Form die Mannschaft spielen wird, sei das nicht sehr attraktiv für Geldgeber.

Doch auf die Frage, wo er einen solchen Verantwortlichen sieht, kann er keine Antwort geben. Er selbst fände diesen Posten zwar reizvoll, könne ihn aber nicht wahrnehmen. Seine Arbeit als Damentrainer und Vereinspräsident des MFBC sowie des SV Grimma 1919, zudem seine Verpflichtungen auf Arbeit – das lasse keine Zeit. Eine denkbare Verantwortliche für den deutschen Damen Floorball wäre Katja Röhrs. Doch die sagte wegen beruflichen Gründen bereits ab. Damen Nationaltrainer Simon Brechbühler wurde bereits mehrmals ins Gespräch gebracht. Doch der Schweizer solle sich auf die Nationalmannschaft konzentrieren können.

In der kommenden Woche werden die Mannschaften erfahren, wie es in der kommenden Saison nun weiterlaufen wird. Bis jetzt hat ausschließlich der UHC Weißenfels gemeldet. MFBC Grimma hielt sich mit der Anmeldung zurück. Um Druck auf den Verband aufzubauen. Man wird sehen, welchen Effekt das haben wird. (ms)

Kommentare

  1. Unser (UHC Weißenfels :)) Damennachwuchs ist heute U15w-Regionalliga-Ost-Meister geworden … aber damit die auch einmal Bundesliga spielen können brauchen wir Veränderungen und natürlich Gegner!!!

  2. Ich finde, dass man hier sehr nüchtern sein muss. Wenn man Teams in einen zu anspruchsvollen Wettbewerb zwängt, halten sie dann bestenfalls eine Saison durch, steigen dann verheizt aus und machen paar Jährchen Pause.

    Lieber man baut nach und nach auf, steigert langsam den Anspruch, ist sich nicht zu schade, kurz mal einen Schritt zurückzugehen, um wieder ordentlich weitermachen zu können. Natürlich gibt es zahlreiche Topspielerinnen, die einen Anspruch fordern, wie es in der Herren-Liga üblich ist, aber wenn es noch nicht möglich ist, dann muss man sich damit erstmal abfinden und die Entwicklung in den Vordergrund rücken.

    Ich denke, dass es dem FVD auch sehr wichtig ist, dass es der Damen-Bundesliga gut geht, da sie ebenfalls ein wesentlicher Aufhänger ist und vermarktbar sein soll. Aber dafür braucht man Personal und helfende Hände und von denen gibt es zu wenige. Der Verband wird vermutlich begeistert sein, wenn dieser Artikel dazu führt, dass sich plötzlich unzählige neue Helfer melden… aber das ist dann halt immer so ne Sache, gell…

  3. Solange im älteren Jugendbereich und in den tieferen Ligen weiter frischfröhlich gemixed wird, solange sind die Vereine nicht in der Pflciht sich um das Thema zu kümmern und es wird wohl noch jahrelang keine Besserung in SIcht kommen. Nur wenn der Verband klare Regelungen schafft, dann müssen sich die Vereine im Damenbereich schon rechtzeitig bewegen, dann wäre man vielleicht in einigen Jahren soweit eine tragfähige Bundesliga zu installieren.

  4. Ein Anfang wäre z.B., wenn immer ab der U9 mindestens 1 Mädchen auf dem Feld stehen muss – kann natürlich auch komplett nach hinten losgehen?!

  5. Da hat man dann am Ende trotzdem die Problematik, dass es vielleicht mehr Spielerinnen gibt, jedoch nicht zwangsläufig mehr Teams. Vllt wäre es eine Überlegung wert, wenn man als Auflage für einige Herrenligen festsetzt, dass die Abteilung ein Damenteam in einem Spielbetrieb haben muss. Alternativ könnte man sagen (um keinen Druck auf die Vereine aufzubauen), jedes Herrenteam, dass ein Damenteam im Spielbetrieb hat muss nur noch die Hälfte an Schiris stellen (respektive alle Teams ohne Damenteam im Spielbetrieb 1 oder 2 mehr, als aktuell vorgeschrieben).

  6. Lieber Fabian, du sprichst mir aus der Seele. Allerdings stellt sich hier die Problematik, wie man den Vereinen mit ausschließlichem Herrenbetrieb diese Auflage aufbürgt. Was wären die Konsequenzen, wenn das ein Verein verweigert oder mangels Hallenkapazitäten, Trainern… (schwerwiegende Gründe, die dagegen sprechen, fallen mir ehrlich gesagt, nicht wirklich ein) dies nicht realisieren kann? Entscheidend ist vom Nachwuchs- bishin zum Bundesligabereich mindestens eine Person in jedem Verein, die für den weiblichen Sport lebt und diesen durchboxt. Gleiches gilt im Verband. Liebe Katrin, ihr macht es im Nachwuchs bereits vor, denn ihr habt ein U13-Team (oder war es U11), was aus mehr Mädchen besteht und sich durchsetzt!

  7. Aber so lange es -auch zu einem großen Teil bei den Eltern und Verantwortlichen- nur um das Siegen geht, wird es in den Nachwuchsligen immer schwer, Mädchen zu integrieren. In der U13 müssen wir eben auch akzeptieren z.B. gegen Harzgerode keine Chance zu haben… Und eines steht aber unumwunden fest: Floorball ist ein idealer Mannschaftssport gerade auch für Mädels!!! So viele Alternativen gibt es eben nicht. Schön wäre es, wenn die Vereine in unserer Region in der nächsten Saison vielleicht tatsächlich eine U13 -und eine U16- weiblich – Liga hinbekommen würden…

  8. In der Summe:
    Es scheitert sicher nicht an Ideen, ich könnte auch noch ein paar zusammentragen, sondern wenn dann wohl wie immer an Aktiven die arbeiten und Verantwortung tragen. Wenn sich dafür nicht Leute finden, auf Vereins-, regionaler und deutschlandweiter Ebene, passiert gar nichts!!

    Wir haben in diesem Artikel und den Kommentaren viele bekannte Namen erwähnt – wer von euch wäre denn bereit, auf nationaler oder zumindest regionaler Ebene Verantwortung zu tragen?

    Verantwortung dafür
    a) Vereine zu finden/gründen/unterstützen die Mädchen- und Frauenmanschaften gründen?
    b) im Verband (Bundesland, Floorball Deutschland) mitzuarbeiten und -reden und -entscheiden?

    Das Nein sucht Gründe, das Ja sucht Wege.

  9. Namenssammlung:
    Kerstin Neumann
    Jennifer Thomas
    Ralf Kühne
    Katrin Vogt
    Katja Röhrs
    Wer aus der Ecke Seebergen/Bremen/Hamburg, wer aus NRW?

    Wer hat wirklich Herzblut für die Entwicklung im Damenbereich und nicht nur egoistisches (sorry, aber das ist es) Interesse an einem möglichst optimalen Spielbetrieb für sein eigenes Vereinsteam?

    Wer nimmt ganz konkret das Heft in die Hand und spricht mit den potentiellen Arbeitsbienen? Wer stellt ganz konkret ein Team auf und leitet Sitzungen, motiviert die Leute, etc.?

    Der Verband hat für NICHTS Personal, wenn sich nicht jemand dafür bereitstellt. Und bis jetzt hat sich im Verband (= ein Verbund von Menschen die das Selbe wollen) ausnahmslos immer nur dann konkret und konstruktiv etwas getan, wenn die Bewegung von unten aus den Vereinen und ihren Enthusiasten kam. Kein einziges Team wurde jemals vom Verband gegründet oder trainiert!

  10. Hallo Babbel, wie schon im Text erwähnt, haben einige deiner aufgeführten Kandidatiten aus beruflichen oder anderen zeittechnischen Gründen keine Reserven für so einen Posten. In meinen Augen wäre Kerstin Neumann eine sehr geeignete Frau, die diesen Posten sicher bestens ausfüllen würde. Aber auch sie steht beruflichen Veränderungen gegebüber, die so eine Aufgabe wohl nicht zulassen. Jennifer Thomas wäre sicher eine ebenso fähige Personalie. Wie sieht es mit Daniel Teetz aus?

  11. Daniel habe ich seit vielen Jahren nicht mehr persönlich getroffen, kann also nichts zu ihm sagen. Wichtig ist, dass jemand mit „Damenfloorball-Bock“ als allererstes die koordinierende, gesprächsführende Initiative übernimmt, um eine schlagkräftige Truppe zu bilden. Dann brauchts einen Rudelführer (ohne abgehobene Star-Allüren und Berührungsängste à la „iih, nö, mit der/dem will ich aber nicht zusammenarbeiten“) der mit wehender Fahne voraustrabt und vor allem koordiniern sollte und zuverlässige Arbeitsbienen hat.

    Wir kennen uns zwar nicht Marie, aber ich finde deine Arbeit in Verband und Mag super. Kann mir gut vorstellen, dass du die Gesprächs-Initiative übernimmst und Kerstin wäre dann die ideale Fahnenträgerin – aber sie braucht verlässliche Leute, das müsste ihr (oder wem auch immer) bewiesen werden.

  12. Noch ein paar Hinweise:
    – es gibt viele Juniorinnen, die gewisse Funktionen übernehmen könnten und wenn es „nur“ die Gründung eines Mädchenteams im eigenen Verein ist (Junge Frauen können ab 13-16 Jahren locker eine Gruppe von Mädchen im Alter von 5-11 Jahren leiten, ohne Probleme und sie sind sogar ziemlich leicht dazu zu motivieren; Stichwort Babysitting, sie lieben es)
    – es gibt eine Übersicht vieler Spielerinnen die in Frage kommen:
    http://www.maxxprint-bundesliga.de/index.php?seite=scorer&table=3
    – es gibt Vereinshomepages auf denen die TrainerInnen aller Damenteams gefunden werden dürften. Erstaunliche Entwicklungen im Westen gibt es derzeit z.B. beim ASV Köln und SSF Bonn die nicht von nichts kommen…