“Liefern, nicht lafern!”

Philippe Soutter noch im Dienste Langnaus. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Philippe Soutter noch im Dienste Langnaus. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Mit Philippe Soutter beendete Floorball Deutschland das Trainervakuum der vergangenen Monate mit einem klangvollen Fang. Der kurzweilige Schweizer soll die deutsche Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft 2012 führen und stellt von Beginn an die Nachhaltigkeit seiner Arbeit in den Mittelpunkt. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Philippe Soutter über die Pflicht und die Kür.

Floorballmagazin: Zunächst einmal, herzlich willkommen in der deutschen Floorball-Gemeinde. Wie wird man deutscher Nationaltrainer? Wie kam die Zusammenarbeit mit Floorball Deutschland überhaupt zustande?

Philippe Soutter: Zum einen plappere ich seit einiger Zeit in meinem Umfeld herum, dass die einzige Nationalmannschaft, welche mich wirklich interessieren würde, eben Deutschland sei. Andererseits muss es ja jedem, der sich intensiv im Spitzen-Floorball engagiert, klar sein, dass die mittelfristige Entwicklung in Deutschland von absolut essentieller Bedeutung für die internationale Anerkennung unseres Sports ist. Aber schließlich scheinen einige altgediente Exponenten des Verbandes den Eindruck gehabt zu haben, dass meine Arbeit vor Jahren mit den Italienern und Siegen gegen die damalige deutsche Nationalmannschaft in Testspielen nicht ganz unfruchtbar gewesen sei.

FM: Deutschland hatte sich bei der vergangenen Weltmeisterschaft in Finnland etwas mehr erhofft, landete aber auf dem 10. Rang. Wo siehst Du die deutsche Auswahl im internationalen Vergleich?

Ehrlich gesagt, keine Ahnung. In den letzten Jahren war ich auf meine Clubs HC Rychenberg und Tigers Langnau in der Swiss Mobilar League konzentriert. Eine Aussage zum Niveau wäre rein hypothetisch. Wir werden nun einfach arbeiten, ich werde meine Erfahrung als einer der erfolgreichsten Schweizer Trainer der letzten Jahre einbringen und dann werden wir anhand der Resultate schon sehen, wo wir stehen. Liefern, nicht lafern ist eher mein Motto. Ich habe allerdings schon den Eindruck, dass ein gewisses Trainer-Know-How bezüglich Spitzen-Floorball in Deutschland noch nicht unbedingt überall angekommen ist.

FM: Wirst Du mit Micael Svensson Kontakt aufnehmen, um seine Erkenntnisse miteinbeziehen zu können oder heißt es jetzt Tabula rasa und alles fängt von vorne an?

Generell sollte man immer sehr präzise wissen, was eine Mannschaft, respektive die Spieler, in ihrem Rucksack mitführen. Ich bin derzeit dabei, eine Auslegeordnung zu erstellen, um dann die Strategie für die Zukunft zu entwicklen. Bisherige Erkenntnisse sind ein wesentlicher Baustein. Das betrifft auch – aber vielleicht nicht in erster Linie – Micael Svensson. Sicher aber ist, dass ein Trainerwechsel immer auch ein Neubeginn ist und da ich dazu neige mittelfristig und – sorry für die Verwendung des oft gequälten Wortes – nachhaltig zu arbeiten, werden nun sicher auch vermehrt Spieler eine Rolle spielen, welche für die Entwicklung in den kommenden Jahren eine tragende Rolle spielen können.

FM: Die deutsche Auswahl konnte sich bislang auf Dienste diverser starker Legionäre setzen. Welche Rolle soll die Bundesliga in Zukunft spielen? Wie können sich der Wettbewerb und Nationalmannschaft gegenseitig unterstützen?

Man sollte nicht vergessen, dass die Spieler der Nationalmannschaft bisher sehr viel Idealismus mitbringen mussten und man ihnen gegenüber deshalb auch Dankbarkeit und Anerkennung aufbringen sollte. Selbstverständlich wäre es sinnlos, wenn die Nationalmannschaft ein völlig von der Bundesliga losgelöstes Satelliten-Dasein pflegen würde. Die Nationalspieler müssen die Erfahrungen in die Bundeliga einbringen können, wenn wir die Qualität steigern wollen. Es wird darum gehen eine gescheite Balance zu finden.

Philippe Soutter war bereits als Trainer der italienischen Squadra Azzurra im Einsatz. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Philippe Soutter war bereits als Trainer der italienischen Squadra Azzurra im Einsatz. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

FM: Der Auftritt der deutschen Junioren bei der WM in Weißenfels hinterließ gemischte Eindrücke. In Zukunft soll die U19-Nationalmannschaft enger an die Senioren-Auswahl gebunden sein. Wie sieht das in der Praxis aus?

Ich persönlich hatte Freude an den Jungs. Natürlich war das Resultat enttäuschend. Doch ich habe in Mannschaft und Staff mehr Talent und Potential gesehen, als ich erwartet hatte. Das war allerdings schon vor vier Jahren bei der U19-WM in der Schweiz der Fall. Aus dieser Sicht hat sich das Niveau vielleicht zu wenig entwickelt. Ich bin allerdings unbescheiden genug, um zu wissen, dass ich da vielleicht etwas helfen kann. Ganz sicher hilft es, wenn von der U17 über die U19 bis zur Herren-A-Mannschaft eine gewisse Linie vorhanden ist. Das Recht, auf sämtliche nationalen Auswahlen Einfluss nehmen zu können, war eine wichtige Bedingung für meine Zusage.

FM: Zum Abschluss eine persönlichere Frage. Du hast ein besonderes Faible für Brillen, auch über ihren praktischen Nutzen hinaus, wie entwickelte sich diese Zuneigung? Und hat sie mittlerweile einen Brillen-Fachmann aus dir gemacht?

Das ist ein Thema für sich. Seit mich vor einigen Jahren die nationale Schweizer Floorball-Zeitschrift als “Paradiesvogel” oder die größte Berner Zeitung nach meinem Rücktritt bei den Tigers Langnau mit “Der Abgang des Ausserirdischen” getitelt hatte, denkt man allgemein, dass ich ein extrovertierter Showman sei. Ich hingegen halte mich für introvertiert und sachlich. Gut, meine Ringe und Brillen sind vielleicht allenfalls etwas extravagant, aber das ist eine andere Sache. Die oft dunklen Brillen verwende ich lediglich, weil meine Augen nicht mehr ganz so fit sind. (jk)

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