Berlins Neuer

Frisch am Ruder - Timo Krohne. / Foto: Andreas Schulz, batberlin.de

Frisch am Ruder - Timo Krohne. / Foto: Andreas Schulz, batberlin.de

BAT Berlin bemüht sich in der Bundeshauptstadt um einen nachhaltigen Umbruch. Der Verein feilt nicht nur an seinem Äußeren und Inneren, sondern versucht sich auch sportlich ausnahmsweise für mehr als nur eine Saison unter den Topteams der Bundesliga festzusetzen. Diesen Anspruch übernimmt nun Timo Krohne, der ab sofort Marek Brincil als Spielertrainer ablöst.

Wie eine wankelmütige Diva stolzierte der Hauptstadtverein durch die abgelaufene Saison, mal schlagfertig mit einschüchternden Siegen, mal ratlos und bitter enttäuscht. Lange machte man sich in Berlin Hoffnungen auf die vielleicht erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte, lange musste man die Schmach der letzten acht Niederlagen in Folge im Nachtleben der Millionenmetropole ertränken.

Doch die vergangene Saison bewies auch, dass man nun auch in Berlin gelernt hat langfristig zu arbeiten und nicht mehr so stark von der Fluktuation ausländischen Spielerpersonals abhängig ist. Einen großen Verdienst trägt hierbei Marek Brincil. Der knapp 30-jährige Spielertrainer, der die Mannschaft zwei Jahre lang vom Abstiegskandidaten zum Favoritenschreck heranwachsen ließ, bestätigt nun aber den Mythos der vorbestimmten Verfallsdatum für Spielertrainer.

Der Neue auf der Berliner Bank heißt Timo Krohne. Der 27-jährige Verteidiger sammelte bereits als Assistenztrainer in der U19-Nationalmannschaft erste Trainererfahrungen, gehört seit mittlerweile sechs Jahren zum Stammpersonal bei BAT und wird nun vorrangig die Rolle des Trainers übernehmen. Auch für kommende Saison soll der Berliner Kader vorerst zu wesentlichen Teilen erhalten bleiben. Krohne erwartet kein leichtes Unterfangen beim freimütigen, mittlerweile aber stark ambitionierten Bundesligisten.

Floorballmagazin: Wie kam es dazu, dass das Amt des Chef-Trainers nun an dich überging?

Timo Krohne: Tja, ich denke, diese Situation ist mehr aus der Not geboren, da sich unser vorherige Trainerstab für die nächste Saison etwas Auszeit nehmen will. Die Jungs um Marek, die sich der Sache letzte Saison angenommen haben, werden nun allesamt anderweitig enger eingespannt sein. Daher haben sie den Weg frei gemacht für einen neuen Trainerstab. Und so kam der Verein auf mich zu, auch weil ich nun der einzig in Frage kommende Spieler des Teams bin, der schoneinmal Erfahrung im Coaching sammeln konnte.

FM: Die vergangene Saison hat verblüffende Erfolge aber ebenso bittere Enttäuschungen geboten. Was lässt sich aus jener Spielzeit übernehmen, was muss hingegen verbessert werden?

TK: Oh ja, die vergangene Saison hatte schon etwas kurioses. Zuallererst fällt auf, dass es Marek seit langem endlich wieder einmal geschafft hat, aus dem Hauptstadthaufen ein richtiges Team zu machen, eine eingeschworene Truppe, die bereit ist, füreinander zu kämpfen. Daran müssen wir anknüpfen! Wir haben aber auch gesehen, dass wir in der zweiten Saisonhälfte etwas Probleme hatten, gerade in Drucksituationen. Wenn man mehrere Spiele hintereinander mit einem oder zwei Toren Unterschied verliert, dann ist das bitter. Dagegen werden wir ein Rezept finden müssen. Alles in allem bin ich der Meinung, dass wir aus der letzten Saison viel Positives mitnehmen können. Wir haben es geschafft, eine solide Basis aufzubauen, jeder im Team will seinen Teil zum Erfolg beitragen – und das ist sehr gut so.

Hüne Krohne räumt mit Übersicht auf - meistens. / Foto: Stephan Rösner, batberlin.de

Hüne Krohne räumt mit Übersicht auf - meistens. / Foto: Stephan Rösner, batberlin.de

FM: Gibt es schon Ziele, die man jetzt kurz nach der abgelaufenen Saison aussprechen kann?

TK: Ich bin eigentlich kein Mensch, der sich groß irgendwelche Ziele steckt und dann verkrampft versucht, diese auf Teufel komm raus zu erreichen. Zum Einen sollte sicher sein, dass keiner in unserem Team absteigen möchte. Zum Anderen gehe ich davon aus, dass jeder in der 1. Bundesliga stets sein Bestes geben will und versucht zu gewinnen. In der vergangenen Saison sind die altbekannten Hierarchien durcheinandergewürfelt worden. Weißenfels wird sich anstrengen nächstes Jahr wieder nach ganz oben zu kommen. Die Devils werden mit der Meisterschaft im Rücken sicher nicht schwächer. Wir bekommen zwei ambitionierte Aufsteiger und das Transferkarrussel wird sein übriges tun, Vorhersagen zu erschweren. Bundesligatechnisch möchte ich mit dem Team ganz klar die Meisterrunde erreichen, denn da gehört BAT definitiv hin. Was dann noch mehr drin ist, hängt von vielen Faktoren ab, die man jetzt noch nicht erspähen kann.

Dazu kommt aber, dass wir nun erstmals eine zweite leistungsorientierte Mannschaft bei BAT haben werden. Auch hier wird es unsere Aufgabe sein, zusammenzuarbeiten, als Trainer und Spieler – von beiden Teams. So bekommen wir vielleicht auch mal die Halle voll. Ich finde es wichtig, dass wir weiter an einer starken Basis im Verein arbeiten und die Chance haben, junge Talente im Verein schoneinmal in der zweiten Mannschaft zu testen – auf bundesweitem Niveau. Das ist eine neue Situation für alle Spieler in Berlin. Wenn wir also von Beginn an versuchen, richtig miteinander umzugehen, können wir den Grundstein legen für die Zukunft, damit die zweite Mannschaft so etwas wie die Ausbildungsstätte oder Reifeprüfung für unsere Nachwuchsspieler ist.

FM: Nun ist die Rolle als Spieler-Trainer kein einfaches Unterfangen, ein Job mit Verfallsdatum, wenn man so will. Wie stellst du dich persönlich darauf ein und was erwartest du von der Mannschaft?

TK: Das wird definitiv mein persönlicher Mount Everest. Als Spielertrainer bin ich darauf angewiesen, dass alle an einem Strang ziehen, dass im Team eine offene Kommunikation herrscht und, dass sich durch die besondere Situation nicht einige Spieler zu sehr herrvortun. Ich werde definitv keinen Alleingang machen, sondern das Team so gut wie möglich auch in wichtige Entscheidungen mit einbeziehen. Es ist wichtig, dass man eine treibende und gleichzeitig führende Kraft hat, die alles zusammenhält und auf dem richtigen Weg leitet. Wie ich schon sagte, haben wir bereits in der letzten Saison eine starke Gemeinschaft gebildet. Wir haben weiterhin die Situation mit einem Spielertrainer und ich gehe davon aus, dass mich die Jungs unterstützen werden. Zur Zeit bin ich dabei, mir einige helfende Hände zu suchen, um bestimmte Aufgaben ganz klar zu verteilen. Vieles ist schon geklärt, aber der Trainerstab ist noch nicht ganz komplett. Ein paar Tage habe ich ja auch noch, bevor es dann richtig los geht.

FM: Wie soll nun die Sommervorbereitung aussehen und wann geht sie los?

TK: Sommervorbereitung… das war ja lange so eine Art „Unwort“ in Berlin. Aber ja, es wird sie geben. Wir werden im Juni anfangen und dann ca. sechs bis acht Wochen schwitzen, teilweise zusammen mit dem Team der zweiten Liga. Die genauen Randbedingungen werden gerade festgemacht. Anfang August wird dann traditionell das Czech Open anstehen, wodurch der Großteil des Kaders eine Woche ausfällt. Aber wenn man das vorher weiß, kann man damit planen. Danach haben wir zwei Wochen, um uns intensiv auf die X3M Berlin Open vorzubereiten und dann ist es ja auch nicht mehr wirklich lang bis die Liga startet. So sieht es grob aus, wir haben aber noch ein paar Schmankerl im Hut, zum Beispiel ein Trainingslager, Sauna, Pool und weitere teambildene Aktivitäten stehen da auf dem Schirm. Ich denke, wir werden schon einiges finden, um das Sommertraining spannend zu gestalten. Ich muss sagen, irgendwie freu ich mich schon richtig drauf… (jk)

Kommentare

  1. … und sehr gewagtes Wortspiel im Titel 😉
    Schade dass damit nicht ein Torhüter-Transfer angekündigt wird.