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Von der Sonne geküsst - SG Berlin. / Foto: Archiv SG Berlin

Von der Sonne geküsst - SG Berlin. / Foto: Archiv SG Berlin

In der Hauptstadt will sich was tun. Die Damen der SG Berlin sind ein Vorzeigebeispiel des aktuellen Damen-Dilemmas im deutschen Floorball und schüren mit Engagement Hoffnung auf einen Aufschwung der Damen-Sparte in der Millionenmetropole. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit Entwicklerin Antonia Oelke über die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

2005 kehrte mit BAT Berlin eine Hauptstadtverein in die Bundesliga unter die Vorreiter des deutschen Damen-Floorballs zurück, verblieb dort aber nur bis 2008 als man den Abschied zahlreicher Leistungsträger und Entwickler zunächst nicht mehr verkraften konnte und sich in den regionalen Spielbetrieb zurückzog. Die nicht allzu ruhmreichen Bemühungen der Bären Berlin in der Saison 2008/2009 gehören nicht zu den glanzvollsten Meilensteinen der Berliner Floorball-Entwicklung.

Seit zwei Saisons will man in der Hauptstadt wieder zu nachhaltiger Aufbauarbeit zurückgekehrt sein. Die SG Berlin, ein gemeinsames Projekt der Berliner Turnerschaft und BAT Berlin, sammelte bereits in bundesweiten Wettbewerben Erfahrung, zuletzt im Floorball Deutschland Cup. Die Bundesliga käme aber noch zu früh, erklärt Antonia Oelke. Das Damen-Floorball müsse sich in Geduld üben.

Floorballmagazin: Die vergangene Saison ist seit der letzten deutschen Meisterschaften nun definitiv vorbei. Wie blickt man bei den Damen zurück? Was hat gepasst, wo muss noch gefeilt werden?

Antonia Oelke: Wir freuen uns auf jeden Fall schon einmal auf die kommende Saison. Wir blicken ziemlich positiv auf die vergangene zurück. Man muss bedenken, dass das Team in dieser Zusammensetzung erst zu Beginn der letzten Spielzeit entstanden ist und darin ganz viele Spielerinnen sind, die erst seit maximal einem Jahr Floorball spielen. Spielerisch und auch als Team haben wir eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht, ich denke wir sind auf einem guten Weg den Frauenfloorball auch in Berlin wieder längerfristig zu etablieren. Gepasst hat es bei der Motivation und der Spielfreude, gefeilt werden muss gewiss an mehreren Stellen. Wir müssen auch mehr Frauen bzw. Mädchen auf den Sport aufmerksam machen und sie dafür richtig begeistern, bei und mit uns Floorball zu spielen.

Die SG Berlin soll ja zu einem gemeinschaftlichen Damenprojekt der Berliner Region werden. Wie sieht das Konzept genau aus?

Die Sache ist die, dass Berlin einfach unglaublich viel Potential hat. Es gibt viele Spielerinnen, die über die Berliner Vereine verteilt sind und dort schon Floorball spielen oder teilweise sogar schon einmal Bundesliga gespielt haben. Diese wollen wir durch die SG, eine Spielgemeinschaft der Damen der Berliner Turnerschaft und BAT Berlin, motivieren, wieder in einem Damenteam zu trainieren und zu spielen, was es wiederum auch für Neueinsteiger attraktiv macht, bei uns das Floorballspielen anzufangen.

Die SG Berlin nach einem Auftritt im Floorball Deutschland Cup. / Foto: Archiv SG Berlin

Die SG Berlin nach einem Auftritt im Floorball Deutschland Cup. / Foto: Archiv SG Berlin

Was steht denn der Rückkehr einer Berliner Mannschaft in die Bundesliga im Weg?

Da gibt es mehrere Gründe. Momentan ist es zum einen die noch relativ geringe Anzahl der Frauen, die in Berlin Floorball spielen. Bei vielen die bereits dabei sind, steht auch hauptsächlich der Spaß an der Sportart und die Bewegung im Vordergrund. Zum anderen gibt es viele Damen, die gerade erst angefangen haben Floorball zu spielen. Außerdem besteht die SG erst seit etwa einem Jahr. Wenn man das zusammenrechnet, sieht man meines Erachtens nach, dass eine „verfrühte“ Rückkehr in die Bundesliga die Entwicklung eher hemmen als vorantreiben würde.

Nun wird gerade viel darüber diskutiert, wie die bundesweiten Wettbewerbe wie die Bundesliga oder der Pokal bei den Damen gestaltet werden sollen, um einerseits den höchstmöglichen Anspruch zu gewährleisten, andererseits aber auch so viele Vereine wie möglich anzusprechen. Was wäre aus Berliner Sicht die beste Lösung?

Für uns ist der Pokal eine wunderbare Möglichkeit, Spielerfahrung zu sammeln und Lust auf mehr zu bekommen. Leider gibt es keinen regionalen Spielbetrieb der diese Aufgabe übernehmen kann und regional von den Herren immer nur abgezogen zu werden ist auf Dauer auch nicht die richtige Motivation (schmunzelt). Wir sehen da den Pokal als genau die richtige Idee, den Damen die Möglichkeit zu geben, sich auf bundesweitem Niveau zu messen und ihnen den bundesweiten Großfelspielbetrieb schmackhaft zu machen. Es gibt bereits jetzt eine Handvoll Damen, die bereit sind und heiß darauf wären Bundesliga zu spielen, aber das reicht leider noch nicht, um uns längerfristig zu etablieren. Weißenfels und der MFBC sind uns da um einige Schritte in der Entwicklung voraus. Das heißt, hier in Berlin müssen wir endlich auf nachhaltige Entwicklung setzen. Statt auf Biegen und Brechen ein Bundesligateam aus dem Boden zu stampfen, müssen wir Floorball auch bei den Damen so weit populär machen, dass man wählen kann, ob man einfach ein paar mal die Woche zocken will oder ob man auch am Ligaspielbetrieb teilnehmen möchte. Dabei dürfen wir natürlich die Nachwuchsarbeit nicht außer acht lassen.

Wie geht es jetzt im Sommer weiter? Faule Haut oder Teufelsberg?

Wir haben eine Halle und Lust zu zocken, da liegen wir bestimmt nicht auf der faulen Haut! (jk)

Weitere Informationen zur SG Berlin findest du auf der offziellen SG-Website.