Das Transferkarussel

Ein letztes Mal Rampenlicht: Warbergs Abwehrlegende Mathias "Bult" Larsson trat nach dieser Saison zurück. Experte Magnus Fredriksson sieht den Vizemeister trotzdem gut gerüstet für die neue Spielzeit (s. u.). /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Kaum sind die Meister gekrönt, startet die „Silly Season“ in den Topligen. Es ist die Lieblingszeit der Spekulanten und Insider, der echten und vermeintlichen Experten. Wer landet den größten Transfer-Coup, wer muss den empfindlichsten Aderlass hinnehmen? In fünf Teilen gönnt sich das Floorballmagazin einen Überblick auf´s Geschehen in Europa. Teil I: Schweden.

Helsingborg, die finnische Enklave

Wechselt nach Schweden: Finnlands Nationalgoalie Henri Toivoniemi. /Foto: Mikko Hyvärinen

Nach einer abermals enttäuschenden Saison, am Ende wurden gar die Playoffs der Svenska Superligan verpasst, hat Helsingborg einmal mehr kräftig auf dem Transfermarkt zu geschlagen. Fast schon traditionell ging der Blick dabei nach Finnland. Mit Juha Kiviletho vor zwei Jahren und Santtu Manner letztes Jahr hatte man von dort immer wieder Hochkaräter verpflichten können. Nun feiert der Club seinen vielleicht größten Coup: Mit Henri Toivoniemi wechselt der wahrscheinlich beste Torhüter der Welt vom SSV Helsinki, mit dem er fünf Meisterttitel in Serie geholt hatte, an die Schwedische Westküste. Der 35-jährige Routinier sucht in den späten Jahren seiner Karriere noch einmal „eine neue Herausforderung“. Neben Toivoniemi wechselt noch Jani Kukkola von Tapanilan Erä nach Helsingborg. Er soll wohl Santtu Manner ersetzen, der den Klub nach einem Jahr wieder verlassen wird. In einer wichtigen Personalentscheidung gingen die Verantwortlichen übrigens ausnahmsweise nicht in Finnland auf Suche: Kent Göransson, nach der erneuten Finalpleite bei der WM im Dezember als Schwedens Nationaltrainer entlassen, wird neuer Chefcoach.

Quo vadis, AIK? 

Bereits im März platzte die größte Transferbombe des Jahres: Emanuel Antener kehrt nach seinem zweijährigen Gastspiel bei AIK zu seinem Schweizer Stammverein Floorball Köniz zurück. Und nimmt gleich noch Fredrik Djurling mit! Statistisch ausgedrückt, verlassen den Meister von 2009 damit 80 Skorerpunkte (Playoffs nicht mitgerechnet). Dazu wird auch Knipser David Gillek, der beim Stockholmer Vorstadtklub in drei Jahren nie richtig glücklich wurde, den Verein den Rücken kehren. Gerade einmal ein Jahr hielt das Talme-Gastspiel bei AIK. Henrik und Kristian (zusammen immerhin 40 Skorerpunkte), die mit der Estnischen Nationalmannschaft bei der WM die Deutschen Viertelfinalträume zerstörten, zieht es beide weg. Während Center Kristian Talme bei Balrog als Trainer anfängt, ist das Ziel von Stürmer Henrik Talme noch unklar.

Drei Spieler, drei Geschichten: Kristoffer Kranberg (li.) beendet seine Karriere, Fredrik Holtz (re.) verlängerte bei Storvreta und Kim Nilsson (Mitte) trägt bei AIK nach zahlreichen Abgängen nun noch mehr Verantwortung. /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Drei Spieler, drei Geschichten: Kristoffer Kranberg (li.) beendet seine Karriere, Fredrik Holtz (re.) verlängerte bei Storvreta und Kim Nilsson (Mitte) trägt bei AIK nach zahlreichen Abgängen nun noch mehr Verantwortung. /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

In der Abwehr sagen gleich zwei AIK-Legenden ´Adieu`: Während Haudegen Peter Fischerström immerhin als Assistenztrainer erhalten bleibt, beendet Aggressivleader Kristoffer Kranberg seine Karriere. Angesichts dieser Fülle an Abgängen und der vergleichsweise mageren Zuzugsliste (bisher kein Hochkaräter) stellt sich die Frage, was man von AIK kommende Saison erwarten darf. Fakt ist: Auf den Schultern der jungen Offensivstars Kim Nilsson und Karl-Johan Nilsson wird nun noch mehr Verantwortung liegen. Ob das vorhandene Spielermaterial reicht, um das enttäuschende Viertelfinalaus von diesem Jahr zu kitten und wieder um den Titel zu spielen, ist zumindest fraglich. Dachte sich wohl auch Deutschlands Superstar Fredrik Holtz, um dessen Dienste AIK gebuhlt hat (siehe Interview): Er verlängerte für weitere zwei Jahre bei Meister Storvreta.

 

Die Expertenmeinung (Magnus Fredriksson, Redakteur Innebandymagazinet)

Der Kracher-Transfer: „Kimmo Eskelinens Rückkehr von 1. Divisionär Visby zu Warberg!“

Die Transfer-Gewinner: „Helsingborg! Sie haben sich mit Kent Göransson einen Toptrainer geangelt, dazu einige starke Finnen. Sie werden nächste Saison ein Top-6-Team sein. Auch Pixbo, Warberg und Caperiotäby haben sich gut verstärkt.“

 

Fünf weitere wichtige Wechsel:

Mikael Karlsson (Balrog zu Caperiotäby), Alexander Bodén (GC Zürich zu IBK Dalen), Patrick Malmström (Falun zu Pixbo), Florian Kuchen (Floorball Köniz (CH) zu Pixbo), Kimmo Eskelinen (Visby zu Warberg)

(tn)

Am Donnerstag Teil II: Schweiz

Ergänzende Quellen: Innebandymagazinet.se, Innebandy.se, Floorball.org