Das Transferkarussell IV

Tatrans Schwede Von der Pahlen trifft und bleibt. / Foto: Martin Neuzil, floorball-photo.com

Tatrans Schwede Von der Pahlen trifft und bleibt. / Foto: Martin Neuzil, floorball-photo.com

Kaum sind die Meister gekrönt, startet die “Silly Season” in den Topligen. Es ist die Lieblingszeit der Spekulanten und Insider, der echten und vermeintlichen Experten. Wer landet den größten Transfer-Coup, wer muss den empfindlichsten Aderlass hinnehmen? Teil IV  unserer Wochenserie: Tschechien.

Die Tschechische Extraliga versucht im Bereich der Vermarktung und des sportlichen Anspruchs mit der Konkurrenz in Finnland, Schweden oder der Schweiz gleichzuziehen, kämpft aber noch mit einigen Baustellen. „In der Schweiz wird härter und lauffreudiger gespielt“, vergleicht Radek Sikora, langjähriger Nationalspieler und nun Trainer des UHC Grünematt.

„Die tschechische Liga hat sich dem annähern können, aber es fehlen Ausländer. Den Kredit des schweizer Wettbewerbs erhöhen gerade sie. Weitere Unterschiede findet man in der Einstellung sowie in der Professionalisierung,“ ergänzt Sikora.

Schweizer Pionier

Bei dieser Kritik setzt auch Chodov an, holt mit Manuel Hartmann von den Grasshopper Zürich nicht nur den ersten Schweizer in die Extraliga, sondern verlängert mit Tschechiens Spieler des Jahres Matej Jendrisak sogar mit 2014.

Tatran Stresovice knüpft auf Bewährtes an. Zu den Skandinaviern Von der Pahlen und Hokkanen soll sich ein weiterer Kollege aus Finnland gesellen. Bis auf weitere Tests darf sonst aber alles beim Alten bleiben, obwohl Abwehrass und Goldschütze Milar Garcar bereits angekündigt hat, nach Schweden zurückkehren zu wollen.

Harter Brocken

Heikle Zeiten erlebt man bei SSK Future. Der ambitionierte Nachwuchsverein erlebte im Mai den Supergau, als Vereinsvorstand Marek Jaroch verhaftet wurde. Ihm wird vorgeworfen Jugendspieler vergewaltigt zu haben. Der mittlerweile zurückgetretene Manager beteuert weiterhin seine Unschuld und spricht von Hetzkampagnen, wurde bis heute aber nicht aus der Haft entlassen.

In diesem Kontext rückten sportliche Entwicklungen bei den Pragern zunächst in den Hintergrund. Dennoch wird man Wege finden müssen, vor allem den Abgang des talentierten U19-Nationalspielers Miroslav „Bimbo“ Mayer zu verkraften, der vergangene Saison zu den Topscorern der Liga gehörte und nun zum FBC Ostrava wechselt. Goalietalent Karel Mrkos zieht es wiederum nach Pardubice.

Chodov mit vollem Einsatz - Jendrisak bleibt, Hartmann kommt. / Foto: Martin Neuzil, floorball-photo.com

Chodov mit vollem Einsatz – Jendrisak bleibt, Hartmann kommt. / Foto: Martin Neuzil, floorball-photo.com

Stille Wässer

Mlada Boleslav darf als Ausrichter am anstehenden Champions Cup teilnehmen und wetzt rechtzeitig die Messer. Gleich vier Zugänge verzeichnete man vom FBC Liberec. Stepan Motejzik wechselt außerdem die Rollen und übernimmt als ehemaliger Spieler nun den Job des Chef-Coaches.

Sonst bleiben die Wässer recht still. Vize-Meister FBC Ostrava verliert Erfolgstrainer Jan Holovka an den Überaschungsaufsteiger Otrokovice. Vitkovice meldeten den Verbleib von Kapitän Petr Kolos, der unter anderem auch bei den anstehenden X3M Berlin Open auflaufen wird.

Die Expertenmeinung (Thomas Rambousek, Redakteur florbal.cz):

Der beste Transfer: “Miroslav Mayers Wechsel von Future Prag zu Vizemeister FBC Ostrava. Er ist der Shootingstar der Liga, war in seiner zweiten Extraliga-Saison schon drittbester Skorer, erzielte 29 Tore und 24 Assists.”

Die Transfergewinner: “Wie jedes Jahr hat Mlada Boleslav einen guten Job gemacht. Mit Jan Pipek von Pardubice verpflichteten sie einen guten Goalie, dazu kamen gleich vier talentierte Spieler aus Liberec. Mlada Boleslav will Titel. Und sie organisieren ja auch den ersten Champions Cup (“Nachfolge-Wettbewerb” des Europacup, d. Red.) Anfang Oktober…”

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