Signal von oben

Der UHC Weißenfels konnte sich als letzter deutscher Meister bei einem europäischen Finalturnier 2009 gut verkaufen. Die Tribünen blieben aber leer. / Fotp: Rudolf Schuba

Der UHC Weißenfels konnte sich 2009 als letzter deutscher Meister bei einem europäischen Finalturnier gut verkaufen. Die Tribünen im dänischen Fredrikshavn blieben aber leer. / Foto: Rudolf Schuba

Der Weltverband IFF signalisiert, dass man auf die Zufriedenheit der Vereine sowie die Vermarktbarkeit der Events setze und krempelt seine Wettbewerbe um. Die deutschen Meister aus Wernigerode und Meisterinnen aus Weißenfels werden diesen Prozess nun am eigenen Leibe erfahren. Ob die Spaltung des Europapokals eine Zweiklassengesellschaft entstehen lässt oder den Aufschwung fördert, bleibt zunächst abzuwarten.

Seit 2008 war der EuroFloorball Cup die Champions League des europäischen Floorball. Meister aller europäischen Mitgliedsstaaten des Weltverbandes IFF haben die Gelegenheit an diesem teilzunehmen. Die Titelträger führender Nationen wie Schweden, Finnland, Tschechien oder der Schweiz, häufig auch Lettland, Dänemark oder Norwegen, waren gemäß Koeffizient gesetzt, der Rest musste sich über regionale Ausscheidungsgruppen erst für den übrigen einen Platz, selten für die übrigen zwei Plätze qualifizieren.

Die sportliche Attraktivität des Finalturniers barg stets großes Potenzial, erlebte aber ähnlich wie die Champions Hockey League im Eishockey nur mäßigen öffentlichen Zuspruch. Nicht selten blieben Anmeldungen von nationalen Meistern aus, die Kosten von bis zu 30.000 € für Qualifikations- und Finalturnier zusammen scheuten. 2009 erlebt die IFF sogar den herbsten Tiefschlag als schwedische Teams die Veranstaltung boykottierten und zum freiwilligen Sommerturnier degradierten.

„Ein europäischer Pokal wird bereits seit 1993 ausgespielt, in den letzten Jahren wirkte das alte System mit acht und acht Mannschaften für viele Vereine aber nicht mehr interessant,“ deutet John Liljelund, Generalsekretär der IFF, die bisherige Entwicklung. „2009 starteten wir gemeinsam mit den Verbänden und größten Vereinen einen neuen Prozess, um den sportlichen sowie wirtschaftlichen Wert des Vereinswettbewerbs zu steigern.“

Dass man auf die Vermarktung eines europäischen Elitewettbewerbs nicht verzichten kann, stand somit außer Frage. Alleine schon eine grundlegende Medienresonanz ist unverzichtbar. Im Basketball oder Handball, im Fußball sowieso, sind solche Wettbewerbe neben den Kontinental- oder Weltmeisterschaften eine Selbstverständlichkeit – meist eine lukrative, für Verbände und Vereine, noch dazu.

Um also einerseits die Spitzenkräfte aus dem Norden bei Laune zu halten, zeitgleich aber Anreize für Entwicklungsländer zu schaffen und dadurch einen gesunden und wirtschaftlich sowie medial verwertbaren Wettbewerb zu stemmen, entschied sich die IFF gleich zwei daraus zu machen.

Ab diesem Sommer sorgen der Champions Cup, das Pendant zur UEFA Chamions League im Fußball, sowie der EuroFloorball Cup, nun eine Art UEFA Europa League für niedriger gewertete nationale Meister für Programm. Die Verknüpfung beider Wettbewerbe wirkt dabei zunächst etwas ungewohnt.

Die Damen vom MFBC holten 2010 die Quali nach Deutschland, überzeugten spielerisch verpassten den Einzug ins Finalturnier dennoch. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Die Damen vom MFBC holten 2010 die Quali nach Deutschland, überzeugten spielerisch verpassten den Einzug ins Finalturnier dennoch. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Aufgrund mal mehr, mal weniger erfolgreicher, vor allem aber unregelmäßiger Teilnahmen am Europapokal, müssen die deutschen Bundesligisten ganz unten anfangen und sich für den EuroFloorball Cup zunächst qualifizieren, sind dabei mit Gegnern aus Russland, Ungarn oder der Slowakei aber in bester Gesellschaft.

Die Red Devils aus Wernigerode treffen vom 24. – 28. August in Slowenien auf Nauka (Russland), Trencin (Slowakei), Dunai Krokodilok (Ungarn) und Stella (Weißrussland), die Damen vom UHC Weißenfels auf FB Agents (Niederlande), Nizhny Novgorod (Russland), Phoenix (Ungarn), Zilina (Slowakei), Schaan (Liechtenstein) und Borovnica (Slowenien). Die Sieger der Qualifikationsturniere dürfen Anfang Oktober beim Finalturnier in Polen ran.

Der Champions Cup kommt gänzlich ohne eigene Qualifikations aus. Die Meister aus Schweden, Finnland, Tschechien (das als Ausrichter sogar zwei Plätze erhält) und der Schweiz werden in Zukunft durch den Vorjahressieger des EuroFloorball Cups ergänzt, wobei dieses Jahr die bestplatzierten Zusatznationen 2010 ausreichten (Norwegen bei den Herren, Lettland bei den Damen).

Ein deutscher Meister 2011, der den EuroFloorball Cup gewinnt, wäre somit automatisch für den Champions Cup 2012 qualifiziert, auch wenn er zu dem Zeitpunkt aus der Bundesliga abgestiegen ist. Der Meister 2012 müsste sich aber mit einem Startplatz im EuroFloorball Cup begnügen. Deutschland hätte so aber wiederum zwei Teilnehmer in internationalen Vereinswettbewerben.

„Es wird immer ein deutsches Team im EFC geben, wenn beispielsweise Wernigerode 2012 am CC teilnehmen darf und wieder Meister wird, dann darf der Vize-Meister in den EFC,“ erklärt Liljelund. „Das Team erhält das Startrecht, nicht das Land. Wenn das Team dann nicht starten kann, muss eine Alternativlösung diskutiert werden. Die Idee ist es, eine Brücke zwischen beiden Wettbewerben zu schaffen und die Darstellung von Spitzenfloorball zu steigern. Der EFC-Sieger erhält von der IFF außerdem Preisgeld für die Teilnahme am CC.“ (jk)

Weiterführende Links:
Champions Cup – Finalturnier
EuroFloorball Cup – Finalturnier
EuroFloorball Cup – Qualifikationsturnier (mit Wernigerode und Weißenfels)