Noch ein Verein zum Glück

In Brandenburg sucht Floorball Deutschland mit Hochdruck nach einem neuen Floorballverein. Vielleicht wird die extra eingerichtete Task-Force ja hier, im idylischen Landkreis Havelland, fündig... /Foto: Tourismusverband Havelland

Im Oktober letzten Jahres gab Prof. Oliver Stoll, Präsident Floorball Deutschland, im Gespräch mit dem Floorballmagazin an, den Verband Ende 2011 in den DOSB führen zu wollen. Dieses Ziel ist nun greifbar nah. Es fehlt noch ein Verein: Den sucht jetzt eine Task-Force.

Eines der großen Entwicklungsziele von Floorball Deutschland ist bekanntermaßen die Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) – und seinen Fördertöpfen. In Folge des bundesweiten Wachstums der Sportart in den vergangenen Jahren und der strukturellen Entwicklung sind, laut Floorball Deutschland, inzwischen fast alle Aufnahmekriterien erfüllt. Um den Aufnahmeantrag, über den im Dezember in Frankfurt entschieden würde, zu stellen, fehlt im Wesentlichen die Aufnahme eines weiteren Landesverbandes in einen Landessportbund. Da die jeweiligen Aufnahmekriterien beispielsweise in Nordrhein-Westfalen oder Bayern im Moment nicht realisierbar sind, hat eine Task-Force unter Regie von Philipp Mertens, Geschäftsführer Floorball Deutschland, die Aufnahme des Floorballverbands Berlin-Brandenburg (FVBB) in den Landesportbund Brandenburg forciert.

Seit rund vier Monaten laufen entsprechende Bemühungen der sechsköpfigen Arbeitsgruppe, zu der neben Mertens u.a. noch U17-Nationalcoach Sascha Franz, FVBB-Präsident Adrian Mühle und Matthias Liebing, Pressechef Floorball Deutschland, gehören. Nachdem Mühle und Franz kürzlich eine Kindertrainingsgruppe in Letschin (bei Frankfurt/Oder) als neuen Verein gewinnen konnten, ein weiterer existiert bereits in Rangsdorf, muss nun tatsächlich nur noch ein Verein gegründet beziehungsweise eine Floorball-Abteilung in einem Mehrspartenverein eröffnet werden. Denn in Brandenburg braucht es zur Aufnahme eines Landesverbands in den Landessportbund nur drei Vereine in drei verschiedenen Landkreisen. „Deshalb suchen wir nun außerhalb der Landkreise Teltow-Fläming und Märkisch-Oderland einen Verein, der auf unsere Sportart setzt“, so Mertens in einer Mitteilung auf der Verbands-Homepage.

Ein Verband in zwei Landessportbünden

Anders sieht die Situation beispielsweise in NRW aus. „Innerhalb des letzten Jahres haben wir hier zwar durchschnittlich drei Vereine im Monat aufgenommen, doch verlangt der Landessportbund hier 50 Vereine in drei Landkreisen“, sagt Mertens im Gespräch mit dem Floorballmagazin. Deshalb sei hier eine Mitgliedschaft erst in ein bis zwei Jahren realistisch. Dagegen könnte die Brandenburger Task-Force bald Vollzug melden. So soll Matthias Liebing im Vorfeld einer Sitzung der Gruppe am heutigen Dienstag von einer erfreulichen Nachricht gesprochen haben – möglicherweise ist der dritte Verein also gefunden. Dann muss es trotzdem schnell gehen.

Innerhalb eines Tages könnte der neue Verein zwar Mitglied im Landesverband sein. Dessen Aufnahmeprozess in den Landessportbund dauert dann aber ungleich länger: So zog sich dieser Vorgang beim Eintritt des Floorballverbands Berlin-Brandenburg (FVBB) in den Landessportbund Berlin mehrere Monate. Der Grund waren zahlreiche zu erbringende Nachweise, z. B. für die Gemeinnützigkeit und viele mehr. Doch aus jener Erfahrung habe man gelernt, so Mertens. „Adrian Mühle, Präsident des FVBB, meinte, dass es jetzt, bei der Aufnahme des Verbandes in den Brandenburger Landessportbund, wesentlich schneller gehen müsste.“ Durch Sommercamps seien gute Kontakte geknüpft, zudem würde man die erforderlichen Dokumente bereits vorab von den Vereinen anfordern, um sie zeitnah beim Landessportbund Brandenburg einreichen zu können, damit der FVBB dort so schnell wie möglich eigenständiges Mitglied wird.

Das gelobte Land. Im Dezember will der Verband den Sprung in den DOSB schaffen. /Foto: PR

Drei Aufnahmekriterien

Denn mit dieser Mitgliedschaft, für welche de facto noch ein Verein fehlt, wäre das letzte der drei Kriterien für die DOSB-Mitgliedschaft erfüllt, nämlich acht Landesverbände in den jeweiligen Landessportbünden zu haben. Ein zweites, in der Vergangenheit oft thematisiertes und viel diskutiertes Kriterium, die ominöse  „10 000’er Hürde“, sei hingegen kein Problem mehr, versichert Mertens. „Wir hatten Anfang des Jahres circa 9 000 Mitglieder, allein in NRW sind im Laufe der letzten sieben Monate 350 Mitglieder hinzugekommen, dazu müssen noch 500 aus dem Floorball Förderverein hinzugerechnet werden.“ Da der DOSB für den Aufnahmeantrag lediglich eine realistische Hochrechnung verlange, sei dieser Punkt also abgehakt.

Das dritte Kriterium, das Floorball Deutschland für den DOSB-Beitritt erfüllen muss, ist die Gründung einer eigenen Jugendorganisation innerhalb des Verbands. Diese wird dann Mitglied in der Deutschen Sportjugend, der Jugendorganisation des DOSB. Die Installation einer solchen Organisation ist in der aktuellen Satzung von Floorball Deutschland bereits vorgesehen. „Sie soll eine Art Nachwuchscamp für künftige Führungskräfte im Verband sein“, erläutert Mertens. In ihr sollen sich ambitionierte Jugendliche engagieren können und die Chance bekommen, die Sportart in Deutschland voranzubringen. „Die Organisation erhält ein Budget, mit der sie regional und bundesweit Jugendliche fördern kann, sei es für einen lokalen Event oder etwas Überregionales wie z. B. die U17-Trophy.“ Die formale Gründung sei eine Sache von einem Tag, so Mertens. Demnach sei dieses Kriterium schnell zu umzusetzen.

Knappes Zeitfenster

Steht kurz vorm Einreichen seines großen Ziels, Floorball Deutschland in den DOSB zu bringen: Präsident Prof. Oliver Stoll. /Foto: Ingmar Goethel

Ein wichtiger Aspekt, denn die Zeit drängt! Bis Ende September müssen die Aufnahmekriterien erfüllt sein, will man die DOSB-Aufnahme in diesem Jahr forcieren. Dann müsste Prof. Oliver Stoll, Präsident Floorball Deutschland, den Selbstbericht seines Verbandes verfassen und einreichen – dieser ist die Entscheidungsgrundlage, anhand derer die Mitgliedsverbände im Dezember über die Aufnahme des Floorballverbands in die Gilde des DOSB entscheiden. Ergänzend zu dem Selbstbericht ist noch eine Menge Lobbyarbeit gefragt. Denn trotz des mittlerweile guten Verhältnisses zum Feldhockey (vor allem dank der Umbenennung der Sportart von Unihockey zu Floorball im Herbst 2009) muss die Aufnahme in Gesprächen mit den einzelnen Mitgliedsverbänden nochmal forciert werden, schließlich müssen unterm Strich 75 Prozent der Fachverbände dem Beitritt von Floorball Deutschland in den DOSB zustimmen. Große Probleme sollte es dabei jedoch nicht geben: Präsident Stoll ist in jenen Kreisen bestens vernetzt, kennt die wichtigen Leute in den anderen Verbänden.

„Zu Anfang hat es bei einigen Fachverbänden, die letztlich über die Aufnahme einer neuen Sportart entschieden, Berührungsängste gegeben. Diese sind ausgeräumt. Vielmehr wird mit großem Interesse registriert, was im Floorball in Deutschland und in der Welt passiert“, sagt Prof. Stoll auf der Verbandshomepage. Dementsprechend optimtisch sieht Geschäftsführer Philipp Mertens der entscheidenden DOSB-Sitzung im Dezember entgegen: „Die Chancen sind gut“, konstatiert er gegenüber dem Floorballmagazin – wenn der Verband dieses Jahr antritt. Falls die Kriterien bis in sieben Wochen wider Erwarten nicht erfüllt seien sollten und die Aufnahme erst 2012 beantragt werden könne, sei das zwar auch kein Beinbruch. „Doch es wäre schon schön, wenn die Arbeit unserer Task-Force fruchten würde“, so Mertens abschließend.

(tn)

Kommentare

  1. Zum Vergleich: In Bayern sind zusammen 40 Vereine in 5 Regierungsbezirken mit insgesamt mindestens 3000 Einzelpersonen als Mitglieder für die Aufnahme in den Landessportbund (BLSV) erforderlich. Das wird vss. auch 2012 noch nicht erreicht sein.