Was bringt der DOSB?

Die äußerst gelungene Durchführung der U19-Herren-WM im Mai diesen Jahres brachte Floorball Deutschland nicht nur internationale Anerkennung, sondern den Verband auch an seine Grenzen. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Im Dezember soll es so weit sein: Floorball Deutschland im DOSB. Doch was bringt diese Mitgliedschaft konkret? Fakt ist: Es sind nicht allein die Fördergelder, von denen der Sport profitieren wird.

Das Floorballmagazin berichtete: Nur noch ein Verein fehlt Floorball Deutschland, um die Aufnahmekriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu erfüllen. Läuft alles nach Plan, werden die Mitgliedsverbände des DOSB auf ihrer Hauptversammlung in Frankfurt/Main im Dezember den Floorballverband in ihre Gilde aufnehmen. Doch was würde dann folgen? „Wir können nicht erwarten, dass da plötzlich Millionen fließen“, sagt Philipp Mertens, Geschäftsführer Floorball Deutschland. Aber Zehntausende Euro pro Jahr werden es schon sein. Im April diesen Jahres sprach Verbandspräsident Prof. Oliver Stoll gegenüber dem Floorballmagazin von einer Summe, irgendwo zwischen 10 000 und 50 000 Euro.

Die Vorteile sind jedoch nicht allein auf die Fördergelder beschränkt. Das Floorballmagazin erklärt, an welchen Stellen eine DOSB-Mitgliedschaft konkret fruchten würde.

Verbandsarbeit

Mit den zusätzlichen Geldern aus den Fördertöpfen könnte der Verband, der aktuell komplett ehrenamtlich getragen wird, endlich eine hauptamtliche Stelle einrichten. Eine weitere Variante wären zwei Halbtagsstellen. Die angestellten Verbandsmitarbeiter würden den Ehrenamtlern einen großen Batzen Arbeit abnehmen, sodass sich diese mit größerer Energie in ihre spezifischen Aufgaben stürzen könnten. Das ein (oder zwei) solche Arbeitsstellen auch eine Verbesserung der Koordination und Kommunikation mit sich bringen sollten, liegt ebenfalls auf der Hand.

Ausbildung

Der DOSB unterstützt seine Mitgliedsverbände massiv bei der Trainer- und Schiedsrichterausbildung – mit Fördergeldern, die extra beantragt werden können.

Großevents

Selbiges gilt für Großevents wie zuletzt die U19-WM. Diese sei für Floorball Deutschland finanziell bereits eine Riesenherausforderung gewesen, so Geschäftsführer Mertens. „Als Mitglied des DOSB hätten wir dagegen kaum Gedanken ans Budget verschwenden müssen.“ Events, die noch eine Kategorie höher liegen, wie beispielsweise die Damen-WM 2015, für die sich der Verband bewirbt, seien ohne die DOSB-Mitgliedschaft dagegen gar nicht mehr durchführbar, so Mertens weiter.

Millionen werden durch den DOSB (noch?) nicht in den Floorball fließen. Mit dem Mercedes ins Trainingslager, wie hier bei Chemnitz 2009, geht es also weiterhin nur, wenn die Autovermietung die bestellten Autos nicht mehr hat. Die Erstattung von Fahrtkosten bei Stadtsportbund und Co dürfte dagegen leichter werden, wenn Floorball vom DOSB anerkannte Sportart ist. /Foto: David Reich, floor-fighters.de

Vereine

Durch die Mitgliedschaft wäre Floorball zugleich eine offiziell vom DOSB anerkannte Sportart. Diese Tatsache öffnet auch bei anderen Institutionen Türen. Abhängig von lokalen Begebenheiten und Vorgaben sind Förderungen (z.B. Zuschuss für Auswärtsfahrten) bei Stadtsportbünden und Co besser zu beantragen und haben größere Erfolgschancen. Gleiches gilt für die Unterstützungen einzelner Sportler, z.B. Nationalspieler/innen.

(tn)

Kommentare

  1. Was bringt der DOSB?
    Problemlos mit nem Mercedes ins Trainingslager fahren?!
    Guter Artikel, aber das Foto und die Bildunterschrift hätte man sich schenken können.

  2. Feiner Artikel – bei dem Bild und der Unterschrift bin ich aber anderer Meinung, ich fand das ganz lustig. Die Chemnitzer Spieler haben damals gut gestaunt, von daher ist das doch ganz unterhaltsam.

  3. Sehr gelungener Artikel. Wenn es Vollzeit- und Halbtagsstellen geben sollte und mehr Kapital zur Verfügung steht, vielleicht können an dieser Stelle ehrenamtliche Engagements und offene Rechnungen bezahlt werden, was möglicherweise weitere Freiwillige zur Verbandsarbeit animieren würde oder leute länger bei der Stange hält.

    Man ist gespannt und hofft, dass es zum Jahresende klappt, was ein Meilenstein in Floorball Deutschland bedeuten könnte!!!

  4. Es wird ein sehr heikler Wendepunkt werden in der Verbandsarbeit und der Artikel bläst ins richtige Rohr.

    Der Verband und Floorball konnten sich in den letzten Jahren nur deshalb so grossartig entwickeln, weil die Menschen aus ihrer Freude am Sport, am Miteinander, am „etwas-bewegen“ ganz positiv, gemeinnützig mitgewirkt haben – also nicht aus egoistischem Antrieb. Dies muss absolut unbedingt so bleiben.

    Der Schweizer Verband hat da zumindest teilweise aufgezeigt, wie es funktionieren kann. Dort werden den festen ehrenamtlichen Mitarbeitern gewisse geringe Pauschalen zugestanden, also keine Löhne bezahlt. Sie bleiben Ehrenamtler, die einfach auch ein kleines finanzielles Dankeschön erhalten. Daneben gibt es eine Geschäftsstelle mit Personen als Geschäftsführer v.a. für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, als PR-Assistenten, Buchhalter, Sachbearbeitung Lizenzwesen und sonst noch 1-2 Personen.

    Schwierig kann es werden, wenn die Pauschalen zu „finanziellen Anreizen“ werden, wenn sie über Motivation oder Demotivation entscheiden. Ganz besonders schwierig wird es dann, um noch Leute für die Arbeit in den Landesverbänden zur Mitarbeit zu motivieren, denn die können noch immer nichts bezahlen. In der Schweiz gibt es zwischen Verein und dem Schweizerischen Unihockeyverband übrigens keine dazwischengeschalteten Kantonalverbände (= Landesverbände).

    Meines Erachtens kann also dieser Schritt zu bezahlter Arbeit nur gelingen unter Beachtung von zwei Schlüsselpunkten:
    1. glasklare Trennung zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen „Lohn“ und „Dankesagpauschalen“
    2. Finanzielle Transparenz: Hier wird dann vor allem deutlich mit wie extrem wenig Geld in den letzten Jahren so unglaublich viel erreicht wurde UND mit wie nach wie vor sehr wenig Geld weiter gearbeitet werden muss!

    Von „Millionen“ zu sprechen finde ich darum grundsätzlich auch in der Verneinung völlig falsch. Einfach nach wie vor die spärlichen nakten Fakten zu nennen fände ich wichtig.

  5. Guter Artikel, mit einem kleinen Fehler:
    FD hat keinen Geschäftsführer, sondern einen Geschäftsstellenleiter.