Verschlüsselt und abhörsicher

Letzter Test, ob das Mikro sitzt. Jiri Janousek (li.) und Petr Cerny (re.) vor dem Finale der X3M Berlin Open mit ihren Headsets. / Foto: Andreas Schulz, berlinfloorballopen.com

Letzter Test, ob das Mikro sitzt. Jiri Janousek (li.) und Petr Cerny (re.) vor dem Finale der X3M Berlin Open mit ihren Headsets. / Foto: Andreas Schulz, berlinfloorballopen.com

Im Fußball haben wir uns bereits an den Anblick gewöhnt: Schiedsrichter, die Headsets tragen. Beim Floorball sieht es dagegen anders aus, hier fällt es noch auf, wenn Referees ein Mikro am Mund haben. Bei den X3M Berlin Open testete ein erfahrenes tschechisches Schiri-Duo die Technik zum ersten Mal. Ihr Feedback: 50:50.

Das Spieltempo ist hoch, der Körpereinsatz hart aber meist fair. Das Finale der X3M Berlin Open zwischen dem Schweizer Pokalsieger Grasshoppers Zürich und dem tschechischen Playoff-Halbfinalisten Vitkovice ist in vollem Gange. Mittendrin: Petr Cerny, 35, und Jiri Janousek, 41. Nicht nur ihre neongelben Trikots heben die Schiedsrichter von den Teams ab. Es sind auch die kleinen schwarzen Bügel, welche sich von ihrem linken Ohr Richtung Mund schwingen, die herausstechen. Und die Tatsache, dass der Griff der Referees auffallend häufig an den Hosenbund geht.

Denn Cerny und Janousek, die seit 1994 gemeinsam Spiele pfeifen und u.a. 1999 das WM-Finale der Damen leiten durften, trugen bei dem Turnier zum ersten Mal Headsets – um sie im Auftrag des tschechischen Verbands auf ihre Tauglichkeit im Floorball zu testen. Das erste Fazit des Duos, unmittelbar nach dem engen Endspiel, das Vitkovice letztlich etwas überraschend 6:5 gewann, ist durchaus positiv. „In einigen Situationen ist das Headset gut zu gebrauchen, z.B. wenn wir aufgrund unseres Laufsystems eine große Distanz zwischen uns haben, bei der wir sonst nur per Handzeichen kommunizieren können“, erklärt Petr Cerny. So könnten sich er und sein Partner trotzdem Hinweise geben, beispielsweise einen Spieler, der unfair agiert, genauer im Auge zu behalten.

„Oder wenn wir eine Veränderung der Spiellevels feststellen, was häufig im zweiten Drittel passiert, es z.B. ruppiger wird – dann müssen wir unsere Linie schnell anpassen, damit das Spiel unter Kontrolle bleibt“, so Cerny weiter. Länger können sich die Schiedsrichter sonst nur bei Toren oder Strafen austauschen, wenn sie gemeinsam beim Spielsekretariat sind. So ist das Gespräch mit dem Partner nur einen Knopfdruck entfernt: Mit einem Klick am Sender, der am Hosenbund angebracht ist, steht die Leitung. „Zudem ist die Freuenz verschlüsselt und damit abhörsicher“, ergänzt Cerny schmunzelnd. Störend sei die zusätzliche Technik während des Spiels nicht, so der erfahrene Referee.

Der Corpus Delicti, bestehend aus Mikro mit Ohrknopf sowie Sende-/Empfangsgerät. /Foto: Floorballmagazin.de

Der Corpus Delicti, bestehend aus Mikro mit Ohrknopf sowie Sende-/Empfangsgerät. /Foto: Floorballmagazin.de

Obgleich Cerny und Janousek das erste tschechische Schiedsrichter-Duo sind, das die Headsets testet, ist der Einsatz keine absolute Neuheit im Floorball: „Die Technik war bereits vorher hin und wieder genutzt worden, z.B. in Schweden, und wurde dort positiv bewertet“, sagt Hans Botman, Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission der IFF. Den Test der tschechischen Referees beobachtet er mit großem Interesse. „In unserem Aktionsplan 2011 – 2015 untersuchen wir verschiedene Formen der Schiedsrichterunterstützung. Diese Untersuchungen laufen in Kooperation mit den nationalen Verbänden, deren Feedback uns natürlich stark interessiert. Dementsprechend werden wir auch die Rückmeldungen der beiden tschechischen Kollegen über die Headsets nutzen“, so Botman.

Und wie fällt deren Feedback nun aus? „Aktuell schwankt unsere Meinung, es ist 50:50“, sagt Cerny. Man werde die Technik im kommenden Monat in weiteren Partien testen und dem tschechischen Verband Rückmeldung geben. Gut möglich, dass auf Basis ihrer Eindrücke der Einsatz der Headsets im Anschluss ausgeweitet wird. Im Fußball aber auch bei schnellen Hallensportarten wie Handball hat sich die Technik bereits durchgesetzt…

(tn)

Kommentare

  1. In der letzten oder vorletzten Saison gab es auch Einsätze mit Headset in der deutschen Bundesliga.