Berlin Floorball Open, Viertelfinals. GC Zürich deklassiert den MFBC 12:0, die Kloten-Bülach Jets machen mit Gastgeber Berlin kurzen Prozess, 9:0. Die Klassenunterschiede sind wenig überraschend und manifestieren sich vor allem in der täglichen Trainingsarbeit. Das Floorballmagazin bat Jets-Trainer Sascha Rhyner um Einblicke.
Erst im Frühling dieses Jahres übernahm der 37-jährige den Cheftrainer-Posten bei dem Schweizer Playoff-Teilnehmer (scheiterte im Viertelfinale am späteren Meister Wiler-Ersingen). Zuvor hatte Rhyner vier Jahre als Assistenztrainer bei Rychenberg-Winterthur und GC Zürich Erfahrungen in der höchsten Schweizer Liga gesammelt. Im Floorball war er Spätstarter: „Zu dem Sport kam ich erst mit 22 Jahren, im Rahmen meines Studiums”, sagt Rhyner. Und so reichte es als Spieler „nur“ für die dritthöchste Spielklasse. Im Traineramt ist Rhyner dagegen längst auf Elite-Niveau.
Floorballmagazin: Gruezi Sascha, wann ging es bei den Jets mit der Sommervorbereitung los?
Sascha Rhyner: Wir hat den Kickoff am 17. Mai mit einer kleinen Theorie-Einführung. In der gleichen Woche gab es den ersten Konditionstest – 3000 Meter auf der Bahn. Danach haben wir jeweils vier Trainings pro Woche durchgeführt.
Zu dieser Zeit ist die Saison in Deutschland mit dem Final4 in Ingolstadt gerade zu Ende gegangen. Das Playoff-Finale zwischen Wernigerode und Leipzig stieg einen Monat zuvor. Die Jets waren zu diesem Zeitpunkt, nach der 1:4-Pleite in der Viertelfinalserie gegen Wiler-Ersigen, bereits seit zehn Wochen in der Sommerpause.
Wie lange gingen die Einheiten?
Die dauerten jeweils rund 120 Minuten. Die ersten 60 waren dabei Outdoor- und Lauftrainings, im zweiten Teil in der Halle trainierten wir Floorball-spezifisch und kräftigten die Rumpfmuskulatur.
Wie sahen die jeweiligen Trainingsinhalte dabei aus?
Nach einer ersten zweiwöchigen Phase mit circa 45-minütigen Lauftrainings standen verschiedene Intervall-Formen im Zentrum, zwischen 50 und 1000 Meter. In der Halle trainierten wir zum Einen in Spielformen Zwei gegen Zwei und Drei gegen Drei auf dem Großfeld mit kleinen Kraftübungen in den Pausen und bei Wechseln, zum Anderen hatten wir auch Stationen- und Circuittraining mit Fokus auf Technik und Rumpfkraft.
Hast du den Spielern dazu noch extra „Hausaufgaben“ gegeben?
Nein, nicht explizit.
Die Jets (hier Defender Severin Brandenburger, Nr. 89) starten am Sonntag in die neue Saison. Gegner: UHC Uster. /Foto: Andreas Schulz, berlinfloorballopen.com
An welchen Sommerturnieren haben die Jets teilgenommen und welche Rolle spielten die in deinen Planungen?
Wir waren nur bei den Berlin Floorball Open. Dabei war es wichtig, dass wir als Mannschaft zusammen waren. Sportlich war es für uns nur zum Teil fordernd. Aber wir hatten in der Schweiz noch andere Testspiele gegen Teams aus den höchsten Ligen. Diese dienten dazu, das System zu festigen, offensiv wie defensiv. Zudem lernen die Spieler in dieser Phase auch den Coach und seine Eigenheiten kennen. Die Kommunikation zwischen den Spielern wird in diesen Partien auch gefördert.
Welche Anforderungen stellst du eigentlich an deine Spieler, hinsichtlich Parties oder möglichen beruflichen Einschränkungen?
Grundsätzlich stelle ich keine expliziten Anforderungen. Jeder Spieler in unserem Team ist sich bewusst, was es für Spitzenleistungen braucht und verhält sich entsprechend. Klar ist jedoch, dass berufliche Weiterbildungen wie auch Prüfungen Priorität haben.
Viele Trainer planen zum Saisonstart noch nicht mit der hundertprozentigen Leistungsfähigkeit ihres Teams, wollen das Maximum erst innerhalb der Spielzeit erreichen. Wie hältst du es mit deiner Mannschaft?
Da wir gleich zu Beginn der Saison zwei direkte Konkurrenten als Gegner haben und danach für uns eher schwerere Kaliber folgen, müssen wir auf den Saisonstart punktgenau bereit sein. Entsprechend viel Wert haben wir auf die Arbeit mit unserem Defensivsystem gelegt. In der Saison können wir vor allem unser Offensivspiel verfeinern und an den Special-Teams (Überzahl- und Unterzahlformationen, d. R.) sowie Freischlägen arbeiten. Dabei soll auch das Schnelligkeitstraining eine wichtige Rolle spielen.
Abschließende Frage: Wie viel Zeit investierst du wöchentlich in den Trainerjob?
Der Aufwand für Trainings, Spiele sowie Vor- und Nachbereitung beläuft sich pro Woche auf 20 bis 25 Stunden.
Rund drei Stunden täglich dreht sich bei Sascha Rhyner also alles um Floorball. Hauptberuflich ist der Trainer übrigens Medienverantwortlicher des Schweizerischen Orientierungslauf-Verbands.
(tn)















