Verzögerung auf der Entwicklungsleiter

Tabaluga gab sich vor dem Finale der U19-Herren-WM in Weißenfels diesen Mai die Ehre - Auf Damen- oder gar Herren-Weltmeisterschaften wird man in Deutschland dagegen noch länger warten müssen. Als DOSB-Mitglied steigen die Chancen. /Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Lange sah es so aus, als könne Floorball Deutschland bereits dieses Jahr in den DOSB aufgenommen werden. Dafür suchte eine Task-Force in Brandenburg noch einen Verein – der ist nun gefunden. Und dennoch: Eine offiziell vom DOSB anerkannte Sportart wird Floorball sehr wahrscheinlich erst 2012.

Anfang August schien das Ziel, Floorball Deutschland in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu bringen und die damit verbundenen Vorteile für den Verband, die Vereine und ihre Sportler, greifbar nahe. Die drei zentralen Aufnahmekriterien – 10.000 Mitglieder, acht Landesverbände in den jeweiligen Landessportbünden sowie eine Jugendorganisation innerhalb von Floorball Deutschland – schienen noch in diesem Jahr erfüllbar. Denn zum damaligen Zeitpunkt fehlte nur noch ein Verein in Brandenburg, der sich dem dortigen Floorball Verband Berlin-Brandenburg (FVBB) anschließen musste, damit dieser wiederum die Aufnahme in den Brandenburgischen Landessportbund anstreben konnte. Eine Task-Force suchte ihn – mit Erfolg. „Dieser Verein ist mittlerweile gefunden“, sagte Philipp Mertens, Geschäftsstellenleiter von Floorball Deutschland, dem Floorballmagazin. In Brandenburg sei eine Aufnahme nun also möglich, zumal sich neben dem bereits eingetretenen Verein sogar noch drei weitere Klubs gefunden hätten. „Der Antrag auf eine Aufnahme in den Landesportbund wird innerhalb der kommenden zwei Wochen erfolgen“, ergänzt FVBB-Präsident Adrian Mühle. So könne man dort frühestens zum 1. Januar 2012 Mitglied werden.

Rückschlag in Berlin

FVBB-Präsident Adrian Mühle - Zäher Kampf mit den LSB-Aufnahmekriterien. /Foto: privat

Damit wäre eigentlich der dringend benötigte achte Landesverband in einem Landessportbund organisiert, die Kriterien zur DOSB-Aufnahme erfüllt. Doch mitten in die Erfolge in Brandenburg platzten in den letzten Wochen plötzlich schlechte Nachrichten aus der Hauptstadt. Mühle erklärt: „Überraschenderweise wurden alle Schulen und Fördervereine vom Landessportbund aus der Liste gestrichen. Damit haben wir aktuell nur noch sieben Vereine mit 400 Mitgliedern, die wir angeben können.“ Das Problem: Der Landessportbund Berlin verlangt mindestens 500 Mitglieder für eine Aufnahme. Aus dem Grund schrieb Mühle alle Berliner Vereine an, um die aktuellen Mitgliederzahlen einzuholen. Zudem sei ein Verein noch nicht registriert, dies werde aber gerade nachgeholt, sagt der FVBB-Präsident. Ziel sei es, die Voraussetzungen zur Aufnahme seines Verbandes in den Landessportbund Berlin bis November zu erfüllen.

DOSB-Aufnahme erst nächstes Jahr

Dennoch, die Aufnahme in den DOSB in diesem Jahr scheint angesichts dieser Verzögerungen nicht mehr möglich. „Im Regelfall hätten die vollständigen Unterlagen bis zum 27. September eingereicht sein müssen“, so Geschäftsstellenleiter Mertens. Zwar arbeite man weiter mit Hochdruck daran, die Kriterien in diesem Jahr zu erfüllen, doch ob der DOSB diese noch für seine Aufnahmesitzung Anfang Dezember berücksichtigen wird, bleibe abzuwarten. Dann räumt Mertens ein: „Wahrscheinlicher ist jetzt eine Aufnahme 2012. So hat der DOSB alle Möglichkeiten, zu prüfen.“ FVBB-Präsident Adrian Mühle wird noch konkreter: Die DOSB-Aufnahme sei auf 2012 vertagt, die Basics habe man nun aber erfüllt. „Man muss bedenken, dass die Kriterien für eine Aufnahme sehr objektiv und starr sind und exakt den Entwicklungsstand widerspiegeln“, merkt Mertens an.

Den DOSB weiter fest im Blick - Philipp Mertens, Geschäftsstellenleiter Floorball Deutschland. /Foto: Austermann

Verzögerung auf der Entwicklungsleiter

Somit war die Arbeit der Brandenburger Task-Force, welche den letzten benötigten Verein gesucht und letztlich auch gefunden hat, keinesfalls umsonst, wird aber zumindest in diesem Jahr nicht mehr konkret in Form der DOSB-Aufnahme fruchten. Kein allzu großer Beinbruch, wenn man Mertens folgt: „Eine Aufnahme im nächsten Jahr schadet uns nicht. Der Zugriff auf Fördergelder wäre 2012 überhaupt nur eingeschränkt möglich gewesen.“ Allerdings merkt der Geschäftsstellenleiter von Floorball Deutschland auch an, dass die Verzögerung Floorball Deutschland erneut ein Jahr auf der Entwicklungsleiter koste. So sagte Mertens bereits in einem früheren Gespräch mit dem Floorballmagazin unter anderem, dass bestimmte Großevents für den Verband ohne eine DOSB-Mitgliedschaft gar nicht durchführbar seien. Ein solcher ist beispielsweise die Damen-WM, für deren Austragung im Jahr 2015 sich Floorball Deutschland beworben hatte. Hier erhielt allerdings Finnland vor wenigen Tagen den Zuschlag, ein Land, indem Floorball zu den wichtigsten Sportarten zählt. Ein deutlicher Fingerzeig des Weltverbandes, dass die positive Entwicklung der letzten Jahre hierzulande auch nach der höchstwahrscheinlich 2012 erreichten Aufnahme von Floorball Deutschland in den DOSB weitergehen muss. „Das Wachstum der letzten Jahre ist nett, sind wir doch eines der am stärksten wachsenden Mitglieder der International Floorball Federation. Bis zum Stellenwert der Sportart wie in unseren Nachbarländern (Schweiz und Tschechien, Anm. d. R.) ist es aber noch ein weiter Weg“, sieht auch Mertens noch viel Arbeit auf den Verband zukommen.

(tn)

Kommentare

  1. hab mich schon lange gefragt, was nun mit dem einen fehlenden Verein geworden ist. der Ausgang ist natürlich bitter, aber die „task-force“ scheint ja sehr erfolgreich gewesen zu sein.