Der Trainingsblogger

Floorballspieler und gleichzeitig Floorballenthusiast - Marco Galle. /Foto: privat

Was zählt, ist auf dem Feld. Das gilt allerdings nicht nur für die Spiele, sondern auch, im besonderen Maße, für die Trainingseinheiten. Marco Galle, Wahlschweizer, hat sich genau dieses Themas angenommen und ein Blog darüber gegründet. Ausgewählte Beiträge davon erscheinen in Kürze auch beim Floorballmagazin.

Es war nach dem Abitur, als sich Marco Galle, Floorballspieler aus dem sächsischen Hoyerswerda, zu einem freiwilligen sozialen Jahr in der Schweizer Metropole Zürich entschied. Natürlich spielte der Sport bei der Wahl des Landes eine zentrale Rolle. Galle zog also auf dem tiefsten Osten Deutschlands in die mondäne Schweiz und lebte dort den Traum vieler deutscher Nachwuchstalente, die mit einem Auslandsaufenthalt auf wertvolle Erfahrungen und einen persönlichen Entwicklungssprung hoffen. Nils Knothe, Niclas Kujat (beide MFBC) und Nationalspieler Philipp Hühler sind nur einige Beispiele – alle eint der Aufenthalt im (Floorball-)Ausland, aus dem sie als stärkere Spieler zurückkehrten.

Doch Marco Galle, mittlerweile 23, blieb nicht nur das eine Jahr weg, sondern entschied sich, weiter in Zürich zu leben und zu studieren. Neben dem Studium startete Galle im Mai dieses Jahres den Blog unihockeyuebung.blogsport.de, der sich dem trainingswissenschaftlichen Aspekt des Sports widmet. „Etwas Derartiges habe ich im Netz bis dahin schmerzlich vermisst“, sagt Galle. Deshalb bloggt er nun also selbst darüber, veröffentlicht neben Übungsformen auch Beiträge über mentale Aspekte des Floorballs sowie anschauliche Videos. Der dahinterstehende Enthusiasmus ist seiner Website deutlich anzumerken.

Künftig wird auch das Floorballmagazin in regelmäßigen Abständen Beiträge von Marco Galle veröffentlichen und nahm dies zum Anlass für ein ausführliches Interview. Ein Gespräch über den Blog, Galles Weg in Schweiz sowie Dinge, welche die Eidgenossen von uns lernen können – und umgekehrt natürlich.

Floorballmagazin: Salü Marco, zu Beginn gleich mal die Standortfrage: Wieso bist Du vor vier Jahren aus Sachsen in die Schweiz gegangen?

Marco Galle: Hoyerswerda (circa 70 km nordöstlich von Dresden, d. Red.) ist eine Stadt mit vielen lieben Menschen, die mich auch geprägt haben, wofür ich dankbar bin. Doch die miserable wirtschaftliche Lage in der Region und mein innerer Drang, etwas anderes zu sehen, trieben mich zu dem Entschluss, die Stadt nach meinem Abitur zu verlassen.

Warum dann die Schweiz?

Die entscheidende Frage im Vorfeld lautete: Wohin? Deutschland oder das Floorball-Ausland? Letztlich entschied ich mich für das größere Abenteuer und bewarb mich in Schweden, Finnland und der Schweiz für ein freiwilliges soziales Jahr. Glücklicherweise wurde ich in der Schweiz bei der Johannes-Schule in Küsnacht, in der Nähe von Zürich, fündig. Eine gemütliche, familiäre Institution mit einer interessanten und anspruchsvollen Arbeit. Nebenbei lernte ich bei der U21 von GC Zürich das schweizerische Floorballhandwerk kennen.

War es Dein Plan, so lange dort zu bleiben?

Nun ja, ich hatte ein wunderbares Jahr in Zürich, lernte die Stadt lieben und fand viele Freunde. Als sich mir nach dieser Zeit also erneut die wohin-Frage stellte, entschied ich mich fürs Bleiben. Ich begann ein Bachelorstudium in Erziehungswissenschaften und Psychologie, dass ich letzten Sommer erfolgreich abschloss. Zurzeit bin ich in einem Master-Programm mit den gleichen Schwerpunkten.

Galle in Aktion. /Foto: sportives.ch

Du sprachst vorhin vom „schweizerischen Floorballhandwerk“. Bei welchen Vereinen hast Du das erlernt?

Ich spielte je zwei Jahre in zwei Vereinen. Zum einen bei der U21-Mannschaft von GC Zürich und zum anderen bei UBN (Unihockey Bassersdorf-Nürensdorf, d. Red.) in der ersten Liga (dritthöchste Spielklasse, d. Red.). Zurzeit setze ich allerdings verletzungsbedingt aus und schustere an meinen Blog sowie an einem Floorballtrainingsbuch (grinst). Ein Verlag prüft geradwe das Exposé und ob sich eine Veröffentlichung lohnen könnte.

Du hast sowohl das deutsche als auch das Schweizer Unihockey kennen gelernt. Erstmal frech gefragt: Was können die Schweizer von uns lernen?

Nach meiner Auffassung fehlt es bei vielen Schweizern an dem i-Tüpfelchen Leidenschaft für Floorball. Das soll nicht heißen, dass es in der Schweiz keine leidenschaftlichen Floorballer gibt, ganz im Gegenteil! Aber in Deutschland gibt es mehr Fanatiker, die extrem viel Zeit für die Sportart investieren. Ich denke, wenn man die Größe der deutschen und schweizerischen Szene statistisch anpassen würde, wäre die Aktivität, das Engagement und die Innovationsbereitschaft der Mitglieder in Deutschland größer als in der Schweiz.

Und umgedreht: Was können wir von den Schweizern lernen?

Erstmal ist in der Schweiz natürlich floorball-technisch alles eine Nummer größer. Mit mehr Potenzial, mehr Erfahrung und eingefleischten Strukturen wächst eben die Professionalität. Die Trainings sind intensiver, es gibt härtere Konkurrenzkämpfe innerhalb des Teams und die öffentliche Präsenz ist viel stärker als in Deutschland. Alles keine Neuigkeiten. Insgesamt ist die Frage aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungshintergründe schwierig zu beantworten, wobei die Schweiz in vielerlei Hinsicht auch ähnliche Probleme wie Deutschland hat. Zum Beispiel müssen sehr gute Talente berufsbedingt den Schläger an den Nagel hängen. Der Unterschied ist hier nur, dass in die offene Lücke gleich ein neues Talent rein hüpft. Demzufolge ist doch der fehlende Nachwuchs in Deutschland ein Kernproblem. Und genau hier setzt die Idee meines Blogs an: Ich bin der Meinung, durch ein qualitatives hochwertiges Training wird die nationale Konkurrenz belebt und in Folge dessen mehr Mitglieder gewonnen.

Du sprichst Deinen Blog unihockeyuebung.blogsport.de an. Welche Ziele verfolgst Du damit?

Mein oberstes Ziel ist es, eine übersichtliche Online-Plattform zum Thema Floorball-Training anzubieten. Das habe ich bis jetzt schmerzlich vermisst. Damit will ich, wie erwähnt, einen Beitrag dazu leisten, dass die Trainings abwechslungsreicher und spannender für die Spieler werden.

Wie sieht das inhaltlich dann aus?

Kernstück des Blogs sind die Trainingsübungen und -spielformen in allen möglichen Varianten. Ein weiterer Punkt ist das häufig unterschätzte Mentaltraining. Zurzeit schreibe ich noch die Artikel, aber in naher Zukunft werden jene Beiträge von Experten verfasst. Unter der Rubrik „Medien“ liste ich zudem Sportfilme auf, die nach meiner Einschätzung sehr sehenswert sind und sich super gut für ein Teamabend eignen. Dazu befinden sich auf der Seite PDF-Dateien zum Download, in denen noch mehr Übungen für das Training zu finden sind.

Welches Feedback hast Du bisher zu Deinem Blog bekommen?

Bisher erhielt ich durchweg positives Feedback. Was mich besonders freut ist, dass Leute mir schreiben, die ich gar nicht kenne. Facebook und Twitter machen es möglich.

Hast Du noch weitere Pläne?

Ja. Demnächst wird eine weitere Seite online gehen. Dort werde ich erfahrene Trainer in Deutschland und der Schweiz interviewen, die gern ihr Wissen mit der Floorball-Welt teilen wollen. Die Interviews werden dann auf jener Seite veröffentlicht. Ich bin gerade dabei, den richtigen Trainer für den Start dieser Reihe zu finden.

Als Autor eines Blogs über Training im Floorball wendest Du die dort beschriebenen Übungen sicher auch selbst an.

Natürlich. (lacht) Ich trainierte eine Saison lang die U16 von GC Zürich und habe vorher sporadisch immer wieder in Trainings ausgeholfen. Viele Übungen konnte ich dort  also testen. Die meisten sammelte ich während meiner Spielerlaufbahn. Ich schrieb sie mir nach den Einheiten auf und komme so mittlerweile auf eine beträchtliche Sammlung.

Aktuell ruht also das Traineramt?

Ja, das ruht momentan. Meine Zukunftspläne sind in Sachen Trainertätigkeit aber schon geschmiedet. Wenn es mein Studium zulässt, will ich nächste Saison wieder ins Geschäft einsteigen.

(tn)

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