Altbekanntes neu verpacken

Auf der Suche nach Abwechslung. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Der Trainingsblogger: In seinem ersten Beitrag beim Floorballmagazin diskutiert Marco Galle die Chancen und Notwendigkeiten eines abwechslungsreichen Trainings. Er sagt: „Es gibt zwei Arten von Trainern. Der eine ist entwicklungsresistent, der andere dagegen flexibel und lernwillig. Nur der zweite Weg führe zum Erfolg.

Folgende Aussage aus meinem Interview möchte ich in diesem, meinem ersten Beitrag fürs Floorballmagazin etwas genauer diskutieren: „Die Schweiz hat ähnliche Probleme wie Deutschland. Auch hier hängen viele sehr gute Talente berufsbedingt den Schläger an den Nagel. Der Unterschied ist nur, dass in die offene Lücke gleich ein neues Talent hineinhüpft. Demzufolge ist doch der fehlende Nachwuchs in Deutschland das Kernproblem. Und genau hier setzt die Idee meines Blogs an: Ich bin der Meinung, durch ein qualitativ hochwertiges Training werden die nationale Konkurrenz belebt und in Folge dessen mehr Mitglieder gewonnen.“

Das Kerngeschäft des Sports, der Punkt also, wo sich die Spieler entwickeln und Fortschritte erzielen, ist und bleibt das Training. Ist dieses sehr gut, macht es den Spielern Spaß und sie verbessern ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das Tolle ist, sie bemerken ihre eigenen Fortschritte und sind deswegen noch motivierter. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Spieler, als auf dem selben Niveau zu bleiben, trotzdem er dreimal die Woche ins Training kommt. Das gute und erfolgreiche – im Sinne der Entwicklung des einzelnen Spielers, nicht der gewonnenen Spiele – Training ist eine hervorragende Referenz für jeden Verein. Eine gute sportliche Ausbildung ist beispielsweise bei den Eltern hoch angesehen und sie werden ihre Kinder gerne in einen Klub schicken, wo sie wissen, dass ihr Schützling wohl aufgehoben ist.

Weiterhin bedeutet eine Entwicklung des einzelnen Spielers bzw. eine Entwicklung des Teams im Ganzen einen Schritt hin zu mehr Konkurrenz. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und mit Konkurrenz lässt sich der Sport besser in den Medien verkaufen. Die Spiele sind spannender und locken immer mehr Zuschauer heran. In Anbetracht der Wichtigkeit eines sehr guten Trainings habe ich in beiden Floorball-Ländern, also sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz, erlebt, dass es zwei Arten von Trainern gibt. Der erste Typ Trainer spult über Jahre hinweg immer die gleiche Leier ab, macht die gleichen Übungen und ist nicht offen für neue Ansätze. An sich schon ein falscher Ansatz in unserer sich stets wandelnden Gesellschaft.

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Ein Trainer muss vielmehr flexibel sein, bereit dazu, altbekannte Grundlagen in neues Geschenkpapier einzuwickeln und den Spielern zu verkaufen. Wer im Training immer noch jedes Mal den normalen Schwedenkreisel (oder auch Karussell) anwendet, ist für mich nicht fortschrittlich, bremst die Entwicklung der Spieler und damit die Entwicklung des Floorballs. Das Training sollte anspruchsvoll, abwechslungsreich und immer spannend bleiben.

Diesen Anspruch haben für mich Trainer des zweiten Typs. Diese Menschen sind engagiert, sie bilden sich weiter und ihnen liegt der Fortschritt des einzelnen Spielers am Herzen. Nach meiner Meinung ist genau das eine der wichtigsten Entwicklungsressourcen im Floorball in Deutschland wie auch in der Schweiz. Ich durfte bei einigen Trainings der Swiss Mobiliar League (höchste Schweizer Liga, d. Red.) live miterleben, wie sehr gute Einheiten gestaltet werden. Dort wurde nie die gleiche Übung zweimal durchgeführt. Vielmehr waren die Übungen meist umgebaut oder erweitern, indem beispielsweise ein Pass zusätzlich gespielt wurde.

Ich selbst habe in meinem Trainerjahr bei der U16 von GC Zürich versucht, das Beste aus mir herauszuholen. Der Anspruch unseres Trainergespanns war es, den Spielern immer etwas Neues zu bieten, auch wenn es nur kleine Änderungen waren. Die Arbeit hat sich gelohnt. Die Mannschaft, welche ein Jahr zuvor abgeschlagen Letzter wurde, spielte plötzlich um die Playoffs mit. Letztendlich hat es nicht ganz gereicht, aber das war auch nicht das Wesentliche unserer Arbeit. Zentral war die Entwicklung jedes einzelnen Spielers. Dort haben wir angesetzt und Erfolge errungen. Wir erhielten beispielsweise viele Danksagungen von den Eltern und auch von der Vorstandsebene.

Was weitere Auswirkungen unserer Trainings waren, kann ich leider nicht mehr beurteilen. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass in solchen Fällen die Eltern wiederum anderen Personen erzählen werden, was für tolle Arbeit in dem Verein geleistet wird. Unterm Strich wäre dies ein Pluspunkt für GC. Je mehr derartige Pluspunkte ein Verein sammelt, desto mehr Vereinsmitglieder und Sponsoren wird er bekommen.

Es ist klar: Der beschriebene Prozess ist langwierig und zeitaufwendig. Man braucht viel Geduld. Doch geschenkt bekommt der Trainer im Gegenzug sehr viel: Das Lachen und die Freude jedes Spielers im Training. Das genügt.

Marco Galle ist als Floorball-Spieler und -Trainer in der Schweiz aktiv, spielte dort u.a. bei GC Zürich. Der gebürtige Sachse (stammt aus Hoyerswerda) studiert in Zürich Erziehungswissenschaften und Psychologie. Weil ihm der trainingswissenschaftliche Aspekt im Floorball nicht ausreichend abgedeckt schien, startete er im Mai 2011 das Projekt Unihockeyuebung.blogsport.de. Auf dieses Blog stellt er Übungen und Berichte rund um das Floorballtraining. Als „Trainingsblogger“ veröffentlicht Galle regelmäßig Beiträge im Floorballmagazin.