„Auf einem guten Weg“

Gegen Dänemark erstmals Kapitän - Defender Philipp Hühler, hier im Duell gegen Ungarn. /Foto: Elke Scholz

Deutschlands Nationalteams zeigten beim Vier-Nationen-Cup in Wernigerode größtenteils überzeugende Auftritte und wurden jeweils Zweiter. Damen-Nationaltrainer Brechbühler sieht sein Team auf einem „guten Weg Richtung WM“. Deutschlands Herren starteten im abschließenden Spiel gegen Dänemark mit der wohl jüngsten Startformation aller Zeiten.

Das Debüt von Nationaltrainer Philippe Soutter an der Bande offenbarte direkt, wohin der Weg der deutschen Herren-Nationalmannschaft in Zukunft führen soll. Nicht nur, dass gleich neun Spieler am Wochenende im Trikot der A-Nationalmannschaft debütierten (Benjamin Borth war mit 22 Jahren dabei der Älteste), auch bei den Etablierten zeigte sich der Cheftrainer unkonventionell. So ließ Soutter in drei Partien mit Mucha, Gysin und Hühler drei verschiedene Kapitäne auflaufen. Durch Hühlers Verletzung im Schlussabschnitt der letzten Partie gegen Dänemark kam sogar noch Robert Müller kurzzeitig zu Kapitäns-Ehren. In jener Partie spielte sich zudem gleich zu Beginn Historisches ab. So standen vor Anpfiff bei Deutschland ausschließlich Spieler auf dem Feld, die beim Vier-Nationen-Cup erst debütiert hatten: Schlevoigt, mit 16 Jahren gemeinsam mit Jonas Hoffmann das Kücken im Team, Herlt, 18, Borth, 22, Kujat, der an diesem Tag 18 wurde, und Ackermann, 17, starteten auf dem Feld; im Tor feierte Mike Dietz, 21, seine Premiere. Dies dürfte die wohl jüngste Startaufstellung in der Geschichte der Nationalmannschaft gewesen sein, das Durchschnittsalter betrug 18,7 Jahre. Selten wurde das Paradigma eines Trainers so offensichtlich in Zahlen ausgedrückt. Ja, Philippe Soutter setzt auf die Jugend.

Soutter: „Es hat mir gefallen“

Das heutige Spiel gegen Dänemark war nach zwei Siegen für beide Teams an den Tagen zuvor eine Art Finale um den Turniersieg. Die Skandinavier hatten aufgrund des besseren Torverhältnisses einen kleinen Vorteil, der am Ende tatsächlich entscheidend sein sollte. Die Partie bot den knapp 250 Zuschauern einen offenen Schlagabtausch, in dem die Deutschen Mitte des zweiten Drittels einen 1:3 Rückstand binnen sechs Minuten in eine 6:3-Führung drehten. Vier dieser Treffer fielen im Powerplay, nachdem Dänemark zwei kurz aufeinander folgende Fünf-Minuten-Strafen erhalten hatte. Doch in der Folge ließ Deutschland wieder nach und die Dänen kamen noch im zweiten Drittel bis zum 6:6-Ausgleich. Der Schlussabschnitt war wieder ausgeglichen. Beim Stand von 8:8 verließ Dietz das Feld für einen sechsten Spieler, doch die Abwehr der Skandinavier hielt. So wurde Deutschland, nach Siegen gegen Ungarn (4:2) und Polen (3:1), ungeschlagen Zweiter – ein respektables Ergebnis. Vor allem die Defensive, die sich, bis auf einige Situationen gegen Dänemark, sattelfest zeigte, stimmte optimistisch. „Das hat mir gefallen“, äußerte sich auch Nationaltrainer Soutter zufrieden.

Bis zur WM-Qualifikation Anfang Februar in Münster, wo das Team u.a. wieder auf Dänemark treffen wird, stehen noch zwei Zusammenzüge an, in der sich die Mannschaft weiter finden wird. Dann werden wohl auch die Holtz-Brüder, die dieses Wochenende passen mussten, zum Team stoßen. Mit Gahlert und den Mucha-Zwillingen lieferten drei weitere Leistungsträger hingegen schon in Wernigerode beeindruckende Visitenkarten ab. Das Trio war an 12 von 15 Toren direkt beteiligt.

Abgeräumt - Sandra Dirksen, Goalie Jeanny Fischer und Annika Mähler (v. l.) gegen die Niederlande. /Foto: Elke Scholz

Bei der WM „krasser Außenseiter

Nach einem schleppenden Start am Freitag gegen die Niederlande, die am Ende trotz spielerisch nicht überzeugender Leistung 6:1 geschlagen wurde, fanden Deutschlands Damen gut in das Turnier, das gleichzeitig der letzte Härtetest für die, in vier Wochen beginnende WM im schweizerischen St. Gallen war. In der zweiten Partie schlug die Equipe um Kapitänin Sandra Dirksen die starken Däninnen 4:2. Vor allem Weißenfels-Angreiferin Pauline Baumgarten stach in diesem Match hervor, markierte zwei Treffer und einen Assist und wurde verdient ´Best Player`. Im heutigen Spiel gegen die ebenfalls noch ungeschlagenen Polinnen reichte es dann jedoch nicht ganz zum Turniersieg. Der Knackpunkt war dabei die 53. Minute, in der die Osteuropäerinnen die Partie binnen 28 Sekunden von 1:2 auf 3:2 drehten. Diesen Nackenschlag konnten die Deutschen nicht mehr kontern, kassierten in der Schlussminute noch das 2:4 ins Empty Net. Dennoch, das Fazit von Trainer Simon Brechbühler fällt positiv aus: „Die Leistungen waren gut, die Ziele wurden erreicht.“ Man habe sich in den Reihen einspielen können und sei „auf einem guten Weg Richtung WM“, so Brechbühler weiter. In St. Gallen sieht der Trainer sein Team in der Gruppe mit Lettland, Finnland und Australien als „krasser Außenseiter“. „Doch mit solchen Leistungen wie gegen Dänemark haben wir auch dort eine Chance, mitzuhalten“, sagte Brechbühler abschließend.

Auch Verbandspräsident Oliver Stoll, der am Samstag den Partien der beiden Nationalteams beigewohnt hatte, äußerte sich sehr zufrieden über die gezeigten Leistungen: „Ich bin sowohl von den Damen als auch den Herren begeistert. Beide haben mitreißend gespielt und gezeigt, dass wir sportlich auf einem guten Weg sind“, sagte Stoll.

Ergebnisse Vier-Nationen-Cup Wernigerode:

Herren

Deutschland – Ungarn 4:2
Polen – Dänemark 3:5
Deutschland – Polen 3:1
Dänemark – Ungarn 7:4
Deutschland – Dänemark 8:8
Ungarn – Polen 6:7

Damen

Deutschland – Niederlande 6:1
Polen – Dänemark 4:3
Deutschland – Dänemark 4:2
Niederlande – Polen 2:9
Deutschland – Polen 2:4
Dänemark – Niederlande 5:0

(tn)

Kommentare