“Absurd wenig Zeit”

Trifft am Wochenende zum ersten Mal auf sein neues Team: Nationaltrainer Philippe Soutter. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

"Einige Routiniers würden uns noch gut tun" – Nationaltrainer Philippe Soutter. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Die Premiere von Philippe Soutter als deutscher Nationaltrainer ist gelungen. Seine stark verjüngte Auswahl wurde beim gut besetzten Vier-Nationen-Cup letztes Wochenende ungeschlagen Zweiter. Trotz Zeitknappheit sieht er sein Team für die WM-Quali Anfang Februar gut gerüstet: “Die Eckpfeiler stehen”, sagt Soutter im Gespräch mit dem Floorballmagazin.

Floorballmagazin: Ciao Philippe, erstmal Glückwunsch zur gelungene Premiere an der deutschen Bande. Welche Rolle spielte der Vier-Nationen-Cup hinsichtlich der WM-Quali in knapp vier Monaten?

Philippe Soutter: Der Faktor Zeit ist auf dem Weg zu den WM-Qualifikationsspielen matchentscheidend und die Zeit ist eigentlich absurd kurz. Insofern war das Turnier die einzige wirkliche Standortbestimmung und die einzige Möglichkeit, dass die Spieler in Ernstkämpfen realisieren können, dass sie das Vertrauen, welches wir in sie setzen, auf dem Spielfeld umsetzen können. Vor allem für den Kopf und das Selbstvertrauen war dieses Turnier enorm wertvoll. Die Spieler haben begriffen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Eckpfeiler stehen und stimmen.

Lob vom Trainer – Center Andreas Gahlert (4+2 in Wernigerode). /Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Gegen Dänemark hast Du die wohl jüngste Startformation der deutschen Nationalmannschaftsgeschichte gebracht. Das Durchschnittsalter betrug 18,7 Jahre. Hat Dich der Auftritt der Debütanten positiv überrascht?

In der Nachbetrachtung wurde ja immer wieder betont, dass die neuen, jungen Spieler – für viele Beobachter wohl etwas überraschend – sofort die nötige Qualität aufs Feld gebracht haben. Für mich war dies jedoch zu erwarten. Meinerseits möchte ich aber nun vor allem die Leistung der Routiniers  herausstreichen. Für diese etablierten Cracks war es anfangs nicht einfach, sich plötzlich in einer Mannschaft voller Jungspunde zu finden, die sie oft sogar gar nicht kannten.

Und, wie sind die Etablierten mit dieser Situation umgegangen?

Nun, nachdem die Jungen sie durch ihre Leistungsbereitschaft überzeugt hatten, war es schon sehr erfreulich, wie sich beispielsweise ein Andi Gahlert reingekniet und die Aufgabe, diese jungen Spieler zu unterstützen, angenommen hat und sich auch von deren Enthusiasmus hat anstecken lassen.

Im Hinblick auf die anstehende WM-Quali: Wird sich der Kader im Februar aus dem vom Vier-Nationen-Cup rekrutieren?

Die Mannschaft wird nur noch punktuell verändert. Sicher würden uns noch einige Routiniers gut tun.

Vor dem Turnier in Wernigerode wurde vermeldet, dass Du neben Deinen Jobs als Nationaltrainer sowie beim Schweizer Viertligisten Verbano Godola wieder das Traineramt beim Schweizer Erstligisten Langnau, wenn auch nur bis Ende der Saison, übernimmst. Ganz offen gefragt: Wird das nicht zu viel?

Meine Belastung ist derzeit natürlich besonders hoch. In ein paar Tagen wird sich allerdings ein gewisser Rhythmus eingespielt haben. Bis Ende Mai 2012 werde ich natürlich zu 100 Prozent nur als Trainer arbeiten, wobei die 100 Prozent natürlich ein nach oben offener Wert sind. Denn eigentlich trainiere ich mit einer neuen Schweizer Kleinfeld-Nationalmannschaft, der Floorball Republic Selection, noch eine weitere nationale Auswahl.

Zusammenfassend, wie hat Dir und deinem Co-Trainer Rolf Kern die Premiere an der Bande der deutschen Nationalmannschaft gefallen?

Ich muss schon sagen, dass sowohl Rolf wie auch mir die Arbeit mit der deutschen Nationalmannschaft außerordentlich Spaß macht. Wenn dir eine Mannschaft soviel zurückgibt, bist du auch als Trainer gerne gewillt, etwas zu leiden. Denn was immer wieder überrascht: Die Trainer sind nach solchen Anlässen noch mehr ausgelaugt als die Spieler. Das glauben die Spieler meist nicht, aber auch Rolf, der ja mit der Schweizer Nationalmannschaft unzählige Großanlässe gespielt hat, konnte das nach dem Vier-Nationen-Cup einmal mehr bestätigen.

(tn)

Informationen zum Vier-Nationen-Cup in Wernigerode

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