„Wir sind auf Augenhöhe“

Mit Übersicht in der SML unterwegs - Philipp Hühler. / Florian Büchting, unihockey-pics.de

Mit Übersicht in der SML unterwegs - Philipp Hühler. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Nur wenige deutsche Spieler konnten sich in ausländischen Spitzenligen langfristig behaupten. Philipp Hühler hat es in der Schweiz geschafft und gehört zum festen Inventar des SML-Klubs UHC Waldkirch St. Gallen. Das Floorballmagazin unterhielt sich mit dem 24-jährigen Verteidiger über seine neue Rolle in der deutschen Nationalmannschaft und die schwindende Ehrfurcht vor großen Namen.

Man hört ihn mittlerweile immer besser heraus, den leisen, unbeschämten Schweizer Akzent. Auch wenn er ihn nicht erzwingt, die Alpenjahre haben einige von Philipp Hühlers Vokalen lang gezogen, andere wieder bis zur Unhörbarkeit erdrückt. Das ist aber glücklicherweise nicht das einzige, was sich das Chemnitzer Ausnahmetalent von den Eidgenossen beibringen ließ.

Für Nationaltrainer Philipp Soutter wird Hühler zwangsweise eine Schlüsselrolle im Kampf um den Weg zur WM spielen. Abwehrchef und Regisseur könnten zwei Rollen werden, an denen Hühler nicht vorbei kommen wird. Es werde aber schwierig, schätzt der Defensive ein. Gegen Dänemark und Norwegen wird Deutschland im Februar einen Hühler in Topform brauchen.

Floorballmagazin: Zunächst ein kleiner Rückblick. Beim Vier Nationen Cup blieb für die deutsche Auswahl der zweite Rang übrig. In Anbetracht der Kaderzusammensetzung ein beachtlicher Erfolg, oder?

Philipp Hühler: Ja, die Ergebnisse am Vier Nationen Cup waren für mich eine positive Überraschung, welche aber aufgrund der Leistungssteigerung und des gezeigten Engagements von jedem Spieler auch gerechtfertigt waren. Die Integration der neuen Spieler verlief erstaunlich schnell und sie konnten auch auf dem Spielfeld überzeugen. Von daher wäre „erspielt“ in der Fragestellung sicher passender als „übrig geblieben“.

Der Teilnahme an der WM 2012 steht noch das heimische Qualifikationsturnier im Februar im Weg. Norwegen und Dänemark heißen unter anderem die Gegner. Wie stehen die Chancen?

Ich denke, selbst in kompletter Besetzung wird es schwer, aber wir haben eine realistische Chance, uns für die WM in der Schweiz zu qualifizieren. Meiner Meinung nach sind unsere wahrscheinlichen Hauptkonkurrenten mehr oder weniger auf Augenhöhe. Die Stimmung im Team, der Trainerstab und die Qualität in der Mannschaft stimmen mich positiv, diese wichtigen Spiele für uns zu entscheiden.

Für St. Gallen konnte Hühler diese Saison bereits einen Treffer und zwei Vorlagen verbuchen. / Foto: Florian Büchting

Für St. Gallen konnte Hühler diese Saison bereits einen Treffer und zwei Vorlagen verbuchen. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Ähnlich wie bei Soutters Vorgänger Svensson, wird das Team nun mit reichlich Euphorie belastet. Worauf muss man achten, dass man bei den kommenden Schlüsselspielen in der Quali oder an der WM stärker auftritt als es 2010 in Finnland der Fall war?

Für ein stärkeres Auftreten sollte das Spielsystem jedem klar und die Motivation für jedes Spiel maximal hoch sein. Des Weiteren sollten die Linien, welche in den entscheidenden Begegnungen spielen, auch vorher schon genug miteinander trainieren. Was bisher leider nicht immer der Fall war. Aufgrund des bisher gezeigten Wissens und Engagements des Trainerduos mache ich mir allerdings hinsichtlich des Auftritts wenig Sorgen.

Mittlerweile gehörst du zu den Erfahreneren im deutschen Kader. Wo siehst du deine Rolle als „Alter Hase“?

Alter Hase… jetzt geht’s los. Ich probiere natürlich einige Erfahrungen einzubringen, die Spieler zu motivieren und mehr Verantwortung, speziell auf dem Feld, zu übernehmen. Einige Angewohnheiten wird man aber auch mit dem Alter nicht los.

In der Schweiz bist du für St. Gallen in der höchsten Spielklasse unterwegs. Nimmst du eine persönliche Entwicklung an dir wahr – sowohl menschlich als auch spielerisch?

Wenn man viel auf hohem Niveau trainiert und spielt entwickelt sich das eigene Spiel natürlich auch. Speziell bei St. Gallen habe ich das Gefühl, dass mein Spiel noch einmal einen Schritt nach vorn gemacht hat. Am meisten merke ich diese Fortschritte an der Übersicht und einer besseren Entscheidungsfindung in engen Situationen. Menschlich bin ich sicher teamfähiger und umgänglicher geworden.

Als Abwehrspieler stehen dir in der SML Größen wie Hofbauer, Djurling oder Kapanen gegenüber. Gibt es eine goldene Erkenntnis, wie man sich als Verteidiger auf Zweikämpfe gegen solche Kaliber einstellt?

Ehrlich gesagt, zu Beginn meiner Zeit in der Schweiz habe ich auf solche Spieler immer besonders geschaut und bin mit zu viel Respekt in die Zweikämpfe gegangen. Mittlerweile achte ich nicht mehr darauf wie meine Gegner heißen. Ich probiere meine Position richtig zu spielen, die Zweikämpfe zu gewinnen und mich im Offensivspiel optimal zu integrieren.

Hühler im Auftrieb gegen Zug. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Hühler im Auftrieb gegen Zug. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Im Augenblick enteilen St. Gallen die Playoff-Plätze ein wenig. Wo stehen die Ambitionen dieses Jahr?

Es ist natürlich ein langfristiger Prozess, sich an ein neues Spielsystem zu gewöhnen und dieses optimal zu spielen. Bisher haben wir es leider nicht geschafft, knappe Spiele trotz Überlegenheit für uns zu entscheiden. Ich hoffe, wir können das während dieser Saison noch ändern und die Playoffs erreichen.

Nun hast du dich in der Schweiz bereits bestens eingelebt. Was ist deine Hauptbeschäftigung, wenn du nicht in der Halle schwitzt und steht eine baldige Rückkehr nach Deutschland in Aussicht?

Ich studiere in Zürich Mathematik und bin ab und an als Barista tätig. Über kurz oder lang ist eine Rückkehr nach Deutschland, trotz vieler Vorzüge in der Schweiz, sehr wahrscheinlich. (jk)

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